Baltasar Gracián wurde 1601 in Belmonte bei Calatayud (Aragón) geboren. Seine Beredsamkeit begründete seinen Ruhm als Prediger und Professor an Jesuitenkollegien und machte ihn zum willkommenen Gast am Madrider Königshof, den er aus unbekannten Gründen nach kurzer Zeit enttäuscht verließ. Durch seine Schriften aber kam er in Verruf. Als sein Orden nämlich dahinterkam, daß er sie unter dem Namen seines Bruders veröffentlicht hatte, um der Zensur zu entgehen, wurde er mit Zellenhaft »bei Wasser und Brot« und »ohne Tinte und Feder« bestraft. Nach der Entlassung schrieb Gracián trotzdem weiter. Seiner Bitte, aus dem Orden austreten zu dürfen, wurde nicht entsprochen, man versetzte ihn statt dessen in die Provinz. Gracián starb 1658 in Tarragona.
»Besonders ist das ›Handorakel‹ geeignet, das Handbuch aller derer zu werden, die in der großen Welt leben, ganz vorzüglich aber junger Leute, die ihr Glück darin zu machen bemüht sind, und denen es mit einem Male und zum voraus die Belehrung gibt, die sie sonst erst durch lange Erfahrung erhalten. Das einmalige Durchlesen ist offenbar durchaus unzulänglich, vielmehr ist es zu anhaltendem gelegentlichem Gebrauche gemacht und recht eigentlich ein Gefährte für das Leben: daher wird, wer es gelesen oder auch nur darin geblättert hat, es besitzen wollen!«Arthur Schopenhauer
»Gracián hatte seine Einsichten in die höfisch-aristokratische Gesellschaft gewonnen, und demnach war sein erster Adressat der Hofmann. Aber die Schlüsse, die er aus seinen Beobachtungen zog, erlangten gleicherweise Gültigkeit für andere und spätere Gesellschaftsformen.«Nachwort