Francois de La Rochefoucauld (1613–1680) stammte aus dem französischen Hochadel. Als junger Mann nahm er an verschiedenen Feldzügen teil, bei denen er sich schon bald durch seinen Mut auszeichnete. Doch auch am Hof hat La Rochefoucauld Ambitionen. Der aufbrausende junge Mann war bald in allerlei Intrigen verwickelt, fand sich jedoch jedes Mal auf der falschen Seite wieder. Als Vierzigjähriger verabschiedete er sich vom Hof- und Kriegstreiben. Nun bewegte er sich in der Welt der literarischen Salons und begann mit der Abfassung aphoristischer Betrachtungen. Mit der einflussreichen Mme de La Fayette verband ihn eine tiefe Freundschaft.
La Rochefoucaulds Leben könnte einem Roman von Balzac entnommen sein; seine Wirkung als erster Aphoristiker unserer Kultur war nachhaltig: Lichtenberg wäre ohne ihn nicht zu denken, und Goethe schrieb seine Aphorismen unter dem Titel dieser Sentenzen-Sammlung.
»La Rochefoucaulds Sätze sind komprimierte moralische und psychologische Abhandlungen. Seine Aperçus sind nicht bloß geistreich, sondern auch angenehm, anmutig, elegant wie wohlriechende Tropfen eines erlesenen Parfüms: sie sind der starke Extrakt aus dem Duft, den viele tausend kleine Lebenserfahrungen hinterlassen haben.«Egon Friedell
»Ein beispielhafter Moralist, der nicht predigt, wie der Mensch sein soll, sondern beschreibt, wie er ist.«Kindlers Literatur Lexikon