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Saul Steinberg

Foto: Copyright © Inge Morath / Magnum

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Saul Steinberg

Geboren am 15.6.1914 in Rîmnicu-Sârat (bei Bukarest), gestorben am 12.5.1999 in New York Die wichtigste Schule für den jungen Steinberg war das Buchbinderatelier seines Vaters in der rumänischen Provinz, in dem er als Kind malen und basteln konnte. Später studierte er in Bukarest Philosophie, dann Architektur in Mailand, doch: »Die Linie ist meine wirkliche Sprache.« Steinberg hat alle Zeichner nach sich beeinflusst: Chaval, Bosc, Sempé, Flora oder Ungerer wären ohne ihn undenkbar. Die ersten Karikaturen erschienen während seines Studiums in Mailand, das er 1940 abschloss Den kleinen Zusatz »di razza ebraica« im Abschlussdiplom hinter seinem Namen sah er als Warnung. Er packte seinen Koffer, "verbesserte" von Hand seinen abgelaufenen Pass und brach nach Amerika auf. Auf Ellis Island wurde er abgeschoben, weil die Einwanderungsquote für Rumänen erreicht war. Die Einreise gelang schließlich dank des Herausgebers des ›New Yorker‹, für den Steiberg dann jahrzehntelang gearbeitet und dessen berühmtestes Umschlagbild er gezeichnet hat: New York aus der eingeschränkten Sicht seiner Bewohner – die Ninth Avenue und der Hudson River im Vordergrund, dahinter Amerika als kleine grüne Wiese und der Rest der Welt als schmale Landstriche.

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»Kalligraphisch könnte man Steinbergs Zeichenstil nennen. Der Aphoristiker des modernen urbanen Lebens schilderte seine pointierten Beobachtungen gleichsam mit literarischem Anspruch, nur dass er mit der Feder nicht schrieb, sondern zeichnete.«Neue Zürcher Zeitung

»Ich halte ihn für wichtiger als Picasso.«Friedrich Dürrenmatt

»Saul Steinberg ist ein Grenzgänger zwischen den Gattungen. Er ist ein Künstler, der nicht auf eine Kategorie festgelegt werden kann – ein Autor von Bildern, ein Architekt von Sprache und Geräuschen und ein Zeichner von philosophischen Reflexionen. Sein Strich ist der Strich eines Meisterzeichners und Kalligraphen und als solcher ein ästhetischer Genuß, aber er ist auch das Mittel eines Zauberkünstlers, der Rätsel aufgibt und Späße macht über das Sichtbare. Theoretisch ist Steinberg die Avantgarde der Gegenwart, wenn auch, nach ihrer Begriffsbestimmung, ein einzelnes Individuum keine Avantgarde sein kann. So maskiert seine Funktion (in Übereinstimmung mit seinen anderen Maskierungen) automatisch sich selber, und was er tut, läßt immer noch manchen fragen: ›Ja, aber ist das denn wirklich Kunst?‹ – eine Frage, die jeder echten Avantgarde in den letzten hundert Jahren gestellt wurde. Andere Avantgardisten – Pollock, Newman, Warhol, die Streu-Plastiker (›scatter sculpture‹) und die Concept-Art-Künstler – konnten diese Frage unterschiedlich lange provozieren, dann wurden sie durch die Umarmung des Museums in die Kunst ›eingebürgert‹. Steinbergs Genie besteht darin, daß er diese Frage fünfunddreißig Jahre lang wachgehalten hat; die Kunst kann seine Legitimität nicht anerkennen, ohne ihre Vorstellung von sich selbst zu ändern.«Harold Rosenberg

»Seine Bücher gehören zu den schönsten, die es gibt.«Basler Zeitung

»Daß seine Größe als Künstler noch nicht von der offiziellen Kunstgeschichte anerkannt wird, sagt nichts über ihn aus, sondern zeigt die Schwerfälligkeit und Beschränktheit dieser Historiker. Der wichtigste amerikanische Kunstkritiker unserer Zeit, Harold Rosenberg, schrieb in seinem Buch über Steinberg: ›Für die Verbindung der Kunst mit dem heutigen Bewußtsein ist kein Künstler wichtiger als Steinberg.‹ Friedrich Dürrenmatt findet ihn ›wichtiger als Picasso‹ und meint: ›Nicht daß ich etwas gegen Picasso hätte, außer daß mir seine Zeitgebundenheit auf die Nerven ging. Er war für mich stets mehr ein kunsthistorisches als ein künstlerisches Ereignis ... Daß ich Picasso gleichwohl als Maler bewundere und den Hut vor ihm ziehe, obgleich ich nie einen trage, tut nichts zur Sache. Saul Steinberg bewundere ich nicht, ich habe keine Zeit dazu. Ich wohne zeichnerischen Experimenten bei, die 'unsere' Zeit festhalten. Unter Zeitgenossen gibt es keine Bewunderung, nur Mitgefühl.‹«Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Doyen der zeitgenössischen Karikatur.«Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Welt größter Linien-Artist. Steinberg und die Linie, die Linie und Steinberg sind inzwischen identisch geworden. Durch unzählige Titel der Zeitschrift ›The New Yorker‹ hat sein skurriler Art-Deco-Stil der labyrinthischen, narrativen Doppelbödigkeit weltweit Bekanntheit erlangt und Schule gemacht. Das Florett seines leichtfüßigen Sarkasmus, der allerdings die kurzsichtige Art der menschenverachtenden Sicht ausschließt, hat Szenerien auf Papier gebracht, die in ihrer Vielschichtigkeit stets aufs neue die betrachtende Neugier herausfordern und das Auge für die Hinterhältigkeiten der Kunst schulen.«Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Steinbergs Grafiken sind oft verschwenderisch detailliert, dabei äußerst verspielt, als wären einzelne Elemente, die rotznasig übers Bild springen, kaum mehr zu bändigen, eine Schlange z. B., die unbekümmert von all den Menschen über einen Großstadtboulevard hoppelt, Poststempel am Himmel über der Stadt, ganze Heere von weder in der Zeit noch in diesem Raum zusammengehörenden Gestalten, Uniformen aus dem letzten Jahrhundert, auf Panzerpferden reitende Polizisten, Beatniks, Krokodile, Strichmännchen ziehen durch die amerikanische City und veranschaulichen den Schmelztiegel.«Radio Z

»Wahn und Wirklichkeit sind bei Steinberg kein Widerspruch, er findet das eine im andern und eint es mit der Unberechenbarkeit seiner Striche, die selbst verträumte Idyllen und mit dem Lineal gezogenes Neo-Art-dèco in leichte Unruhe versetzen. Er zeichnet und aquarelliert, um es etwas paradox zu sagen, mit traumwandlerisch sicherer Verspieltheit.«Wilhelm-Busch-Jahrbuch 1992

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