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Thoreau’s – »Die härtesten und schwärzesten Bleistifte Amerikas«

Kurz vor Henry David Thoreaus Geburt 1817 ging sein Vater John mit seinem Krämerladen bankrott. War es Vorsehung, dass er sich daraufhin in der Bleistiftherstellung versuchte? Henry David Thoreau wusste jedenfalls mehr mit Bleistiften anzufangen, als der Vater sich jemals erträumt hatte – ist er doch einer der bekanntesten amerikanischen Autoren. Aber Thoreau schrieb nicht nur mit Stiften, er entwickelte sie auch gleich selber.

Flugblatt, Boston, ca. 1845 / Henry David Thoreau, 1856

Das Haus der Familie Thoreau stand direkt neben der Bleistiftfabrik in der Hauptstraße des Städtchens Concord (das heute als Weimar Amerikas gilt, auch Ralph Waldo Emerson und Nathaniel Hawthorne lebten dort). Immer wieder zog es Henry David Thoreau in die väterliche Bleistiftmanufaktur. Zu Thoreaus Zeit waren die amerikanischen Bleistifte eine eher erbärmliche Angelegenheit: Sie waren ölig, verschmierten oder krümelten und zerbrachen oft. In Europa stellte man bereits ordentliche Stifte her, während man in den USA noch an verschiedenen Dingen herumrätselte – vor allem an der Frage, welches Bindemittel dem Graphit beigefügt werden müsste, damit die Bleistifte etwas taugten.

Thoreau entpuppte sich als erstaunlich geschickter Tüftler und Bastler. Zum Beispiel bohrte er feine Löcher ins Holz, durch die sich die Minenmasse pressen ließ – so konnten die Stifte aus einem Stück gefertigt werden und waren robuster. Außerdem verfeinerte er die Herstellung der Minenmischung, baute eine »pipe forming machine« und entwarf mehrere Wasserräder. 

Kein Wunder unterschrieb er oft mit »Henry David Thoreau, Civil Engineer«. Und auch Emersons Bewunderung galt mehr dem Ingenieur als dem Dichter und Denker Thoreau als er nicht unkritisch über ihn schrieb: »Thoreau mangelt es an einem gewissen Ehrgeiz in seiner Mischung … Statt den amerikanischen Ingenieuren vorzustehen, ist er der Anführer einer Blaubeer-Sammel-Partei.«

Foto: Kathleen Tyler Conklin, (CC BY 2.0) via Flickr.com

Der größte Wurf gelang Thoreau, als er herausfand, worin das Geheimnis der guten Qualität der europäischen Bleistiftminen lag: Dem Graphit wurde ein spezifischer, bayrischer Lehm beigemischt. So konnte man sogar Bleistifte in unterschiedlichen Härtegraden herstellen. Der Zufall wollte es, dass eben dieser bayrische Lehm bereits in die USA importiert wurde. Die Neuerung brachte den Thoreaus landesweiten Erfolg, der Betrieb florierte. Bald hatten die Bleistifte der John Thoreau & Company den Ruf, die härtesten und schwärzesten in ganz Amerika zu sein.

Bevor Henry David Thoreau in den Wald gezogen war, hatte er sich eine Liste gemacht von den Dingen, die er brauchte, um dort zu leben. Ausgerechnet eins fehlte auf dieser Liste: sein Bleistift. Aber den hatte er zum Glück sowieso immer in der Tasche.

 

Walden, der Klassiker von Henry David Thoreau, ist bei Diogenes seit Ende März in bibliophiler Neuausgabe lieferbar. Die Originalausgabe erschien 1854 bei Ticknor and Fields, Boston, unter dem Titel Walden; or, Life in the Woods.

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