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J. Paul Henderson – Der Autor von »Letzter Bus nach Coffeeville«

J. Paul Henderson wurde erst mit 67 Jahren, nachdem seine Mutter an Alzheimer erkrankt und gestorben war, zum Schriftsteller: mit einem unerwartet komischen Roman über ein ernstes Thema.

Foto: Daniel Jaems

In J. Paul Hendersons Debüt Letzter Bus nach Coffeeville reisen drei in jeder Hinsicht ziemlich älteste Freunde in einem klapprigen Tourbus der Beatles durch die USA. Zweck der Reise: ein ungewöhnliches Versprechen einzulösen. Mit an Bord: Alzheimer, die grausame Krankheit des Vergessens. Es ist ein Roman, bei dem man ebenso oft Tränen weint wie Tränen lacht und den man dabeihaben will, wenn’s im eigenen Leben mal nichts mehr zu lachen gibt. 

Aber wer ist J. Paul Henderson? In unserem Fragebogen verrät uns der Engländer, der viele Jahre in New York gelebt hat, nicht nur seine fiktionalen Lieblingshelden, sondern auch seine größte Schwäche, sein Lebensmotto und vieles anderes mehr:

1. Was sehen Sie als größtes Pech in Ihrem Leben an?

Dass ich nicht in einer US-amerikanischen Kleinstadt in den Fünfzigerjahren groß geworden bin. Damals war alles einfacher und es gab weniger Technik, und außerdem hätte ich ein Auto mit Riesenheckspoilern fahren können.

2. Wo würden Sie am liebsten leben?

Ich würde gern in dem Austin, Texas, leben, das ich in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern kennengelernt habe. Es ist eine Uni-Stadt mit einem einzigartigen Charakter und einer unglaublich lebendigen Musikszene. Und sie ist einfach sympathisch.

3. Was ist Ihr ganz persönlicher Himmel auf Erden?

Mit Freunden an einem Tisch sitzen und Wein trinken, und alle haben ihre Handys ausgeschaltet.

4. Welche menschlichen Schwächen entschuldigen Sie am leichtesten?

Taktlosigkeit und Pessimismus. Taktlosigkeit ist selten beabsichtigt, meist wird aber eine Absicht unterstellt. Und Pessimisten sind zwar manchmal schwer zu ertragen, aber dafür kommen sie im Leben wahrscheinlich besser klar als Enthusiasten, die außerdem noch viel schwerer zu ertragen sind.

Foto: Diogenes Verlag

5. Ihre fiktionalen Lieblingshelden?

Donald ‚Sully‛ Sullivan (Richard Russo: Straße der Narren); Holden Caulfield (J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen); Owen Meany (John Irving: Owen Meany).

6. Ihre Lieblingsfigur der Geschichte?

Lyndon Johnson – wegen seiner Errungenschaften, nicht aufgrund seines Charakters.

7. Ihre Lieblingsheldinnen im wahren Leben?

In meinem direkten Umfeld: Meine Mutter, als sie noch lebte, und eine Tante von mir, die trotz ihrers körperlichen Handicaps immer positiv geblieben ist. Etwas weiter weg: Judge Judy Sheindlin und Mary Tyler Moore.

8. Ihre Lieblingsheldinnen in der Poesie?

Da habe ich keine, ich lese sehr wenig Poesie.

9. Ihre Lieblingsmaler?

David Hockney, Don Van Vliet, Stone Roberts und John Halliday.

10. Ihr Lieblingskomponist?

Captain Beefheart.

11. Welche Eigenschaften sind Ihnen bei einem Mann am wichtigsten?

Humor, Selbstironie, Ehrlichkeit und Loyalität.

12. Und bei einer Frau?

Humor, Selbstironie, Ehrlichkeit, Loyalität und schöne Haare.

13. Ihre Lieblingstugend?

Pünktlichkeit.

14. Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Schreiben.

15. Als wer oder was wären Sie gern geboren worden?

Als Rhinozeros.

16. Ihre ausgeprägteste Charaktereigenschaft?

Dass ich die Dinge nicht allzu ernst nehme.

17. Ihre größte Schwäche?

Dass ich die Dinge nicht allzu ernst nehme.  

18. Was ist Ihnen an Ihren Freunden am wichtigsten?

Verlässlichkeit und Humor.

19. Ihre Vorstellung vom Glück?

Ein ungestörter und traumloser Schlaf.

20. Was wäre das größte Unglück, das Ihnen passieren könnte?

Zu sterben.  

21. Was wären Sie gern?

Ein Erwachsener. 

22. Ihre Lieblingsfarbe?

Blau.

23. Ihre Lieblingsblume?

Narzisse.

24. Ihr Lieblingsvogel?

Krähe.

25. Ihr Lieblingsschriftsteller?

Schwierig. Wegen seines Muts und seiner Phantasie würde ich Haruki Murakami sagen.

26. Ihr Lieblingsdichter?

Richard Brautigan.

27. Ihre Helden aus dem wahren Leben?

Die kommen alle eher aus der Musik und der Literatur als aus der Politik: Frank Zappa, Tom Waits, Richard Russo, Michael Malone und andere.

28. Ihre Heldinnen der Geschichte?

Habe ich nicht. Ich bin eh immer etwas misstrauisch, wenn irgendjemand als Held oder Heldin bezeichnet wird.

29. Ihre Lieblingsnamen?

Osmo, Alfons, Moses, Esther, Scarlett, Georgina.

30. Was verabscheuen Sie am meisten?

Wenn jemand sich selbst zu wichtig nimmt.

31. Welche historischen Figuren verabscheuen Sie am meisten?

Hitler, Stalin, Pol Pot et al.

32. Welche militärischen Errungenschaften bewundern Sie am meisten?

Die Landung in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs.

33. Welche Reform bewundern Sie am meisten?

Die Abschaffung der Sklaverei.

34. Welches Talent hätten Sie gern?

Rhythmusgefühl.

35. Wie möchten Sie sterben?

Ich möchte einfach in meinem Bett einschlafen, nachdem ich meinen letzten Scheck ausgeschrieben und mein Konto leergeräumt habe.

36. Ihre momentane Gefühlslage?

Wechselhaft.

37. Ihr Motto?

Das Leben wird nicht leichter, also gewöhn dich lieber dran.

 

J. Paul Henderson, geboren 1948 in Bradford, Yorkshire, studierte Amerikanistik. Nach Gelegenheitsjobs als Gießer, Busfahrer und Finanzbuchhalter arbeitete er als Vertriebschef für den New Yorker Sachbuchverlag Wiley-Blackwell. Inzwischen wohnt er wieder in Bradford. Nachdem seine Mutter Alzheimer bekommen hatte und gestorben war, wurde er mit einem unernsten Roman über ein ernstes Thema, Letzter Bus nach Coffeeville, zum Schriftsteller. 

Letzter Bus nach Coffeeville, aus dem Englischen übersetzt von Jenny Merling, ist am 23.3.2016 erschienen. Auch als ebook.

Letzter Bus nach Coffeeville
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Letzter Bus nach Coffeeville

Aus dem Englischen von Jenny Merling
Drei in jeder Hinsicht ziemlich älteste Freunde reisen in einem klapprigen Tourbus der Beatles quer durch die USA bis nach Mississippi. Mit an Bord: Alzheimer, die grausame Krankheit des Vergessens. Nach und nach steigen noch andere Passagiere mit kunterbunten Lebensläufen zu, die verrückt genug sind, um es mit so einem heimtückischen Mitreisenden aufzunehmen. Ein Buch, bei dem man ebenso oft Tränen weint wie Tränen lacht und das man dabeihaben will, wenn’s im eigenen Leben mal nichts mehr zu lachen gibt.

Taschenbuch
528 Seiten
erschienen am 24. Mai 2017

978-3-257-24391-8
€ (D) 15.00 / sFr 20.00* / € (A) 15.50
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als

Katrin Brunner

Ich danke J.P. Henderson für seine Bücher. Neben John Irving und Benedicts Wells ist er mein Lieblingsautor (und Gratulation an den Diogenes Verlagfür seine Autorenauswahl). Das Buch hat mich tief berührt und ich werde es sicher noch öfter lesen. Dass Henderson Owen Meany mag, macht ihn sehr sypathisch. Gerade habe ich Daisy fertiggelesen - und könnte gerade wieder von vorne beginnen. Das Buch ist gleichzeitig so witzig und melancholisch geschrieben, dass es die Seele trifft und zum lachen und weinen bringt. Und das Ende ist so unerwartet und grandios - einfach unvergleichlich. Ich hoffe, dass er noch so manches Buch schreibt, bevor er seinen letzten Check ausstellt und sich mit leer geräumten Konto ins Bett legt.
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