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Andrej Kurkow auf der einsamen Insel

Nicht ganz unbescheiden ist der ukrainische Autor Andrej Kurkow, wenn es darum geht, was er gerne auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde. Für blendende Unterhaltung ist mit dem weißen Steinway-Konzertflügel und einem Billardtisch aber sicherlich gesorgt!

<p>© Bosc</p><br/>

Roman: Da fällt die Wahl nicht schwer. Es sollte ein Buch sein, das man an irgendeiner Stelle aufschlagen kann. Das Ende des Romans darf nicht zu wichtig oder aufregend sein. Es ist also zweifellos Ulysses von James Joyce.

Sachbuch: Einen Band der Großen Sowjetischen Enzyklopädie. Ich gehe davon aus, dass ich nicht sämtliche 55 großformatigen Bände mitnehmen darf.
Ein Freund erzählte mir vor vielen Jahren, er versuche alle Bände zu lesen und das Gelesene zu behalten. Sollte er damit Erfolg haben, werde er mit großer Sicherheit einen hohen Regierungsposten einnehmen oder zumindest in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen werden.
Ich habe die Enzyklopädie von meinem Großvater, einem Stalinisten, geerbt. Sie steht in meinem Landhaus. Hin und wieder nehme ich irgendeinen Band aus dem Regal und lese darin mit großem Vergnügen – vor allem an kalten Winterabenden. Dazu genehmige ich mir ein Glas Whisky ohne Eis. Ein seltsames Vergnügen. Groteske, nicht sonderlich nützliche Informationen und Jahrgangswhisky.

Lyrikband: Eine Gedichtsammlung von Rudyard Kipling, einem meiner Helden der Wirklichkeit. Er hat sein Leben in vollen Zügen genossen und wer ihn liest, empfindet denselben Genuss und sieht die Welt mit anderen Augen.

Film: Alfred Hitchcocks Die Vögel und den britischen TV-Mehrteiler Poirot mit David Suchet.

Klassik, Pop etc.: Die Oper sagt mir nichts. Meine Wahl fällt auf Gustav Mahler. Wäre es möglich, zusätzlich einen Sampler mit düsterer klassischer Musik mitzunehmen – das hilft mir beim Denken und Schreiben? Für die lichteren Momente vielleicht ein, zwei CDs von Tom Waits und Georg Kreisler.

<p>Foto: © Regine Mosimann / Diogenes Verlag</p><br/>

Zeitungen: Über meinen Blackberry würde ich den Guardian, den New Statesman und Die Welt lesen.

Fernsehsender: Den französischen Sender TV 5 und ARTE.

Radio: Falls ich Empfang habe: BBC Radio Kent. Ich vermute, dass auf der Insel immer die Sonne scheint, weshalb ich froh sein werde, hin und wieder etwas von heftigen Regenfällen in der englischen Grafschaft zu hören.

Essen, salzig: Grünes Thai Curry

Essen, süß: Crème brûlée

Getränk, nicht-alkoholisch: Mangosaft

Getränk, alkoholisch: Einen guter Rotwein

Joker: Ein weißer Steinway-Konzertflügel würde sich auf einer Insel nicht schlecht machen.
Ein Sonnenschirm, ein Klappstuhl. Ein kleiner Klapptisch, auf den man ein Glas Rotwein stellen kann, wäre auch praktisch.
Ein altmodisches Weinregal.
Ein solarenergiebetriebener Laptop.
Ein paar Jeans und T-Shirts.
Ein Billardtisch für den Fall, dass ich Besuch bekomme.
Gutes Gartenwerkzeug, wie ein Spaten, eine Auswahl an Saatgut und Pflanzen für meinen kleinen Bioanbau. Und ich würde Kakteen ziehen – als Hobby –, das habe ich schon als Kind getan.

PS.: Ich hoffe doch sehr, dass die Insel, auf der ich lande, nicht am Nordpol liegt. Lieber wär mir etwas Südliches, z.B. der Pazifik. Sollten Sie Billiard spielen, freue ich mich, Sie dort zu empfangen!

 

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Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman Picknick auf dem Eis ist ein Welterfolg. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und arbeitet daneben für Radio und Fernsehen.