Visitenkarte Johann Friedrich von Allmen
Buch: Martin Suter — Allmen und die Libellen Buch: Martin Suter — Allmen und der rosa Diamant Buch: Martin Suter — Allmen und die Dahlien Buch: Martin Suter — Allmen und die verschwundene María Zur Leseprobe Zur Hörprobe

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, ist Schriftsteller, Kolumnist (er schrieb die wöchentliche Kolumne Business Class und verfasste die Geschichten um Geri Weibel) und Drehbuchautor (u.a. schrieb er das Drehbuch zu dem Film Giulias Verschwinden, 2009). Bis 1991 arbeitete er als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien Der Koch – sind auch international große Erfolge. 2011 erschien der Auftakt zu seiner Krimiserie, Allmen und die Libellen. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Spanien und Guatemala.

»Martin Suter hat mit Allmen und die Libellen mal wieder ein kleines Meisterwerk geschaffen – mit einem Ermittlerduo, das einfach in Serie gehen muss!«
Brigitte, Hamburg

»Schönes Buch. Und was beinah noch schöner ist: Martin Suter wird die Sache mit Allmen und den Libellenschalen fortsetzen.«
Christine Westermann / WDR 2, Köln

»Suter schreibt so lässig und ironisch elegant, wie Allmen lebt. Johann Friedrich von Allmen ist kein gewöhnlicher Detektiv, aber ein echter Suter-Held.«
Martin Halter / Tages-Anzeiger, Zürich

»Suter schreibt unterhaltsam, temporeich und man teilt seine Sympathie für dieses Duo. Ein beeindruckendes Debüt einer Krimiserie.«
Nicole Golombek / Stuttgarter Nachrichten

»Martin Suter hat ein untrügliches Gespür für Komposition und Spannungsaufbau; er lässt seine Figuren zwei, drei Sätze sagen oder ein paar Handbewegungen machen, und schon treten sie in schönster Anschaulichkeit hervor; und er entwickelt seinen Plot bald zügig, bald in aufreizender Gemütlich­keit. So beschert einem die Lektüre Stunden grusliger Gemüt­lichkeit in Gesellschaft eines etwas herunter­ge­kommenen Dandys und seines liebenswürdigen Butlers, die beide die Kunst des Hoch- und Tiefstapelns mit Stil und eleganter Vollendung beherrschen.«
Roman Bucheli / Neue Zürcher Zeitung

»Das ist, was uns schon lange gefehlt hat, ohne, dass wir's wahrhaben wollten. Die Wiederbe­le­bung des eigentlich erzbritischen Gesell­schafts­krimis. Da hat alles Konsequenz und Eleganz, Ironie und eine im genau richtigen Maß melan­cholisch angegraute, immense Leichtig­keit. So souverän, so überzeugend war Suter noch nie. So kann's weitergehen.«
Elmar Krekeler / Berliner Morgenpost

»Mit dem ersten Auftritt Allmens ist Martin Suter weit mehr gelungen als nur eine Variation auf das Thema Ermittlerduo. Der Roman liefert gewissermaßen die Backstory, die erklärt, wie das Ermittlerduo zu einem solchen wurde. Mit Allmen und die Libellen hat Martin Suter einen Schuldschein ausgestellt, den wir, die Gläubiger, nach allem, was wir bisher sehen, für gedeckt halten müssen. Die Lieferung der nächsten Rate erwarten wir pünktlich. ›Sonst …!?‹«
Georg M. Oswald / Die Welt, Berlin

»Man könnte sich wenig Entspannenderes vorstellen als einen zweiten Roman mit diesem Gespann in den Hauptrollen.«
Sebastian Hammelehle / Spiegel Online, Hamburg

»Klug und lebensnah. Allmen, das sind wir alle. Ein bisschen jedenfalls. Martin Suter ist ein feiner Beobachter kultureller Eigenheiten. Die Eingeborenen der Zürcher Goldküste waren in seinem Werk steter Quell der Leserfreude. Suter kennt sich aus in vielen.«
Britta Heidemann / Der Westen, Essen

»Hochstapler Allmen ist eine typische Suter-Figur, verstrickt in Halbwahrheiten und kompli­zierte Beziehungen. Suters fein abgestimmte Mischung aus Spannung und Humor macht Lust auf weitere Folgen der Allmen-Reihe.«
Christian Baulig / Financial Times Deutschland, Hamburg

»Ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel, in dem wenig so ist, wie es scheint.«
Focus, München

»Martin Suter erzählt mit viel Fabulierfreude von den Abenteuern seines amoralischen und dabei unterhaltsamen Helden und dessen treuen Gehilfen. Gert Heidenreich liest den Roman in gewohnt kunstvoller Weise. Er zählt zweifels­ohne zu den besten Sprechern im Lande. Man kann ihm mit großem Vergnügen zuhören. Und so macht hier das Zuhören fast noch mehr Spaß als das Lesen.«
Margarete von Schwarzkopf / NDR 1, Hannover

»Es ist, als ob P.G. Wodehouse Urlaub in der Schweiz gemacht und mit Blick auf den Zürich­see einen Roman geschrieben hätte. Gute Unter­haltung auf bezaubernd altmodische Weise – zu lesen am besten im Stammcafé.«
Annemarie Stoltenberg / NDR Kultur, Hannover

»Suter setzt auch diesem Buch wieder seinen unverkennbaren Stempel auf. Schreibt schnör­kel­lose Sätze in kurzen Kapiteln. Tanzt er­zähle­risch federleicht durch einen Unter­haltungs­stoff, dem es weder an Sinnes­ein­drücken noch an Witz noch an Schlauheit mangelt. Das hat Klasse. Suter hat angekündigt, weitere Gau­nereien folgen zu lassen. Wir ermitteln gerne mit.« Christian Mückl / Nürnberger Zeitung

»Allmen begegnet wirklich armen Leuten, muss zum ersten Mal selbt im Supermarkt einkaufen und scheitert. Am Ende sieht sein Konto ungefähr so mies aus wie am Anfang. Das lässt uns hoffen, dass Allmen weiterermitteln wird. Wir haben noch viel zu lernen übers schöne, langsame Leben in der Schuldenfalle.«
Elmar Krekeler / Berliner Morgenpost

»Irgendwo zwischen launiger Gaunerkomödie und spannendem Thriller hat Martin Suter einen Platz für seine Allmen-Romane eingerichtet. Und bietet damit luftig leichtes Lesevergnü­gen.« Peter Mohr / Wiener Zeitung

»Das auf hohem Niveau verarmte, aber an eleganten Kontakten und Vertrauensvorschüssen reiche Stehaufmännchen bietet zwischen High Society, Halbwelt und dandyhafter Lebenslust Unterhaltungsstoff pur.« Nürnberger Zeitung

»Ein durchaus originelles Duo hat sich Martin Suter da ausgedacht, das in keine der her­kömmlichen Schubladen passt.«
Andrea Gerk / NDR Kultur, Hannover

»Martin Suter zeigt wieder, was er anderen voraushat: Souveränität im Erzählen. Das reicht von einer sicheren Hand beim Skizzieren des Personals, das er überschaubar hält, bis zu den Handlungsfäden und -strängen. Hier ist nichts grob zusammengezimmert. Alles fließt. Es bereitet Vergnügen, dem zunehmend liebens­werten Teilzeit-Privatier beim Snobben zuzuschauen, das ihn immer mal an den Rand eines Abgrunds führt.« Janina Fleischer / Leipziger Volkszeitung

»Kaum kreiert, ist Martin Suters Ermittlerduo schon Kult.« Dagmar Kaindl / News, Wien

»Johann Friedrich von Allmen ist eine wohl­tuende Abwechslung von den vielen herunter­gekommenen, einsamen und ein wenig schmie­rigen Ermittlern der meisten Krimis. Allmen ist elegant, kultiviert, bedächtig, aber nie lang­weilig und immer ein bisschen ironisch. Eine gute Mischung, die diesen leisen, ent­spannten Krimis ihre besondere Note verleiht.« Cathrin Brackmann / WDR, Köln

»Ein Soufflé aus Süffisanz und Spannung, aus Larmoyanz und Lebensgefahr. Lesenswert!« Lesen, Hannover

»Geschliffen und auf den Punkt formuliert, wie immer bei Suter. Wie in Small World und Der Koch fasziniert der Autor mit seiner Gabe, Menschen, Dinge und Situationen in einfachsten Worten mit dem Höchstmaß an Präzision zu beschreiben. Fortsetzung folgt, wunderbare Aussichten für die Schweizer Unterhaltungs­literatur.« Fabian Sommer / Berner Zeitung

Sie möchten mehr über Allmens Ge­wohnheiten, Vorlieben und Ab­nei­gungen erfahren? Hier finden Sie einige Ant­wor­ten:

Name: Johann Friedrich von Allmen (eigtl. Hans Fritz von Allmen, aber er wollte seinem Namen das Bäurische nehmen und ließ ihn veredeln).

Alter: »Er mochte etwas über vierzig sein. Sein gutgeschnittenes Gesicht hätte eine etwas weniger platte Nase verdient.«

Familie: Vater, Kurt Fritz von Allmen, war gelernter Landwirt, der mit 62 starb, vergessen hatte sein Testament zu machen und somit alles seinem Sohn hinterließ, der es durchbrachte. Zu Lebzeiten war er »stolz auf seinen studierten Sohn und auch darauf, es ihm ermöglichen zu können, dass dieser es besser hatte als er damals«. Sein Geld machte er, indem er »systematisch Landwirtschaftsgrundstücke potentieller Einzugsgebiete« suchte und billig kaufte, um sie dann, wenn sie für Wirtschaft oder Politik interessant wurden, teuer zu verkaufen. Besaß im Gegensatz zu Allmen Umsicht und Geldverstand, dafür jedoch keine Weltgewandheit. Allmens Mutter war eine »stets kränkelnde und früh verstorbene sanfte Frau«, die sich ganz den Meinungen und Gewohnheiten ihres Mannes unterwarf. Allmen hat keine großen Erinnerungen an sie.

Wohnort: Früher in der Villa Schwarzacker, nun in deren Gärtnerhaus mit angeschlossenem Treibhaus (in dem sich Allmens Bibliothek befindet), nachdem er die Villa an eine Treuhandfirma verkauft hat (die Firma ist nur tagsüber und unter der Woche vor Ort, weshalb Allmen sich für sie entschieden hatte).

Essen & Trinken:

Oft, und gerade wenn das Geld knapper wird, kocht Carlos sein »Heimwehessen«: schwarze Bohnen, frijoles. Dazu guacamole, gebratene Hackplätzchen (die bei noch weniger Geld aber auch wegfallen) und Maisfladen, tortillas. Gehört jedoch nicht zu Allmens Lieblingsspeisen. Da er von Carlos nur zum Mittag bekocht wird, geht er abends gern ins Promenade essen. In Hotels lässt er sich zudem schon gern mal ein Clubsandwich aufs Zimmer kommen.

Auch im Diamanten-Fall beweist Carlos wieder seine Kochkünste, wenn Allmen sich nicht gerade im Hotel verwöhnen lässt. An einem Tag etwa ist es so warm, dass »Carlos Ceviche gemacht hatte: in Limettensaft, Chili, Koriander, Ingwer und Zwiebeln marinierter roher Fisch«.

Oder er macht »Coq au Vin - eine von Allmens Lieblingsspeisen: Das Hühnerfleisch war dunkelrot und fiel von den Knochen, die Polenta war übergossen mit der sämigen Weinsauce, in der Speckwürfel und Perlzwiebeln schwammen.«

Margaritas vor der Oper.
Bordeaux.
Abends manchmal ein Bier in der Bar des Confédération.
Nie aus der Minibar. Denn Alkohol zu trinken ist für ihn ein »öffentlicher Akt. Und das war immer dann gewährleistet, wenn mindestens eine zweite Person beteiligt war. Und sei es auch nur beim Einschenken«. Das hatte er von seinem Vater gelernt, der nach seinem ersten Rausch und dem darauf folgenden entsetzlichen Kater gesagt hatte: »Saufen darfst du. Aber nie allein.«
Nach dem Aufwachen am Morgen trinkt Allmen immer eine Kanne Tee, die ihm Carlos ans Bett stellt.
Zum täglichen Frühstück um halb elf im Viennois dann zwei bis manchmal drei Schalen Milchkaffee.

Im zweiten Fall lernen wir ganz neue Trinkgewohnheiten an Allmen kennen, etwa wenn er ins Wilton Arms, sein Lieblingspub in Knightsbridge geht und »zwei herrliche lauwarme, randvolle, schaumfreie half pints of bitter« trinkt.

»Carlos stand auf, nahm die Flasche Aigle aus dem Eiskübel, wischte sie mit der Serviette trocken, die über dem Flaschenhals gelegen hatte, und schenkte Allmen in korrekter Kellnerhaltung nach. Dann setzte er sich und war wieder Gast.«

In einem Nachtclub namens Lonely Nights, in den es Allmen zu Recherchezwecken verschlägt setzte er »sich an die Bar und bestellte Wodka Perrier mit Eis und Zitrone.
Die Barfrau, eine mütterliche Blondine mit viel Make-up und Glitter, sagte: ›Geht auch ein anderes Wasser?«, was eigentlich nicht geht, aber Allmen will sich mit der Dame gutstellen. Später bestellte er dort »eine Flasche Dom Pérignon und musste erfahren, dass im Lonely Nights die Skala nur bis Veuve Clicquot reichte. CHF 270.«

Aber im Hotel Grand Duc in Heiligendamm gibt es Getränke nach Allmens Geschmack: »Sogar einen seiner Lieblingsweine aus dem Priorat fand er: den Clos Martinet 1993.« Und an der Hotelbar trinkt er »einen Singapore Gin Sling, den ihm der Barmann auf seinen Wunsch mit etwas weniger Cointreau und Grenadine, dafür mit etwas mehr Angostura zubereitete. Ein Trick, den ihm einst ein Bartender im Raffles in Singapur verraten hatte. Es machte den Drink etwas trockener.«

Und wenn sich die Dinge überraschend entwickeln bestellt Allmen sich gern ein »Glas Champagner. Gegen das Herzklopfen. Nach dem zweiten Glas hatte das Herzklopfen aufgehört, und die Mischung aus Euphorie und Sorglosigkeit, für die er dieses Getränk so liebte, hatte sich eingestellt.«

Vor dem Mittag serviert Carlos »ihm seinen Sherry. Allmen trank den Sherry aus und verlangte, ganz gegen seine Gewohnheit, einen zweiten. Carlos schenkte nach.«

In der Golden Bar genießt Allmen mit einem alten Freund am frühen Abend »Campari Soda, das Getränk für vorgezogene Apéros«.

Auch was das Essen und Trinken angeht, gibt es – vielleicht auch durch Marías Einzug in das kleine Männerreich – einige Neuerungen. So geht Allmen nicht mehr jeden Morgen ins Viennois, sondern genießt »an jedem Morgen, an dem er zu Hause frühstückte, ein Ei, jedes Mal in einer anderen Zubereitung. Der Ein­fach­heit halber hatte er den Wochentagen ihr Ei zugeteilt: dem Montag sein Rührei, dem Dienstag sein Ei im Glas, dem Mittwoch sein pochiertes Ei auf Toast, dem Donnerstag sein Spiegelei, dem Freitag sein weiches Ei, dem Samstag sein Kräuteromelett und dem Sonntag seine huevos rancheros. Letztere waren zwei am Schluss kurz gewendete Spiegeleier mit einer pikanten Tomatensauce. Eine gua­te­mal­tekische Spezialität, in der es Carlos zur Meisterschaft gebracht hatte, weshalb Allmen sie dem Sonntag zugeteilt hatte.«

Ein Feinschmecker ist und bleibt er natürlich, der das Essen auch gern der Umgebung anpasst: »Allmen hatte Tournedos Rossini bestellt, er fand, das passe gut zu einem Grillroom. Es gab nichts daran auszusetzen und wurde serviert mit Gratin Dauphinois und zwei Bündelchen Bohnen, die mit einem Streifen Speck umwickelt waren. Diese rührte er nicht an. Sie erinnerten ihn dann doch zu sehr an die protzigen Land­gast­höfe, in die ihn sein neureicher Vater an Sonn­tagen manchmal ausgeführt hatte.«

Viele neue Drinks nimmt Allmen dieses Mal nicht zu sich – guter Rotwein gehört natürlich immer dazu, auch gern der eine oder andere Highball, und wie stets natürlich: Champagner! »Er hatte sich in seine Suite zurückgezogen und eine Flasche Champagner bestellt. Nicht, weil er eine Flasche trinken wollte, einfach, weil er Minibars verachtete und den Roomservice nicht wegen einer einzigen Flûte belästigen wollte. Eine ganze Flasche, fand er, kann man immer bestellen. Man muss sie ja nicht austrinken.«

Gewohnheiten & Eigenschaften:

Gibt immer Trinkgeld, trotz permanenter Geldnot, denn er »hatte gelernt, das bisschen Geld, über das er noch verfügte, in seine Kreditwürdigkeit zu investieren anstatt in seinen Lebensunterhalt«.

Macht jeweils, wenn er zu Geld kommt, seine »Runde« – um offene Rechnungen und Schulden zu begleichen und um sein »Blumengeschäft, seinen Coiffeur und seine Buchhandlung« mal wieder aufzusuchen.

Ist ein »talentierter, wenn auch schludriger Pianist« und darf einen Bechstein-Stutzflügel sein Eigen nennen (wenn auch nicht andauernd).

Lässt sich immer von Herrn Arnold in dessen Taxi, einem 1978er Fleetwood Cadillac, herumfahren. (Herr Arnold nimmt netterweise jeweils das Taxi-Schild vom Dach).
Meistens gelingt es ihm »so lange vor unangenehmen Tatsachen die Augen zu verschließen, bis sie aus seinem Bewusstsein« verschwinden.

Allmen hat bei Hotelaufenthalten immer seine Reisepantoffeln dabei.

Vor der Oper trinkt er stets zwei Margaritas in der Goldenbar, wo sein Stammplatz am hinteren Ende der Bar ist. Nach der Oper geht es dann im Normalfall, um eine Kleinigkeit zu essen, ins Promenade.

Im zweiten Band erfährt man einige Neuigkeiten über Allmens Gewohnheiten und auch Fähigkeiten. So beherrscht er beispielsweise die Kunst der Stenographie:
»Dann wandte er sich seinem Blatt zu und machte sich eine stenographische Notiz.
Er hatte in seiner Zeit als internationaler Bummelstudent einen Stenographiekurs nach Stolze-Schrey absolviert. Nicht weil er sich davon einen direkten Nutzen versprach, sondern weil er damit unter seinen Mitstudenten und bei seinem Vater Aufsehen zu erregen hoffte.«

Auch gibt es neue Beweise für seine gute Erziehung: »Er nahm seinen Drink, prostete der Bardame zu und wandte sich der Tänzerin zu. Die Show bestand aus einer unerotischen Aerobicnummer, die ihn kalt ließ. Trotzdem sah er mit höflichem Interesse zu. Das tat er immer, wenn sich jemand die Mühe machte, ihm etwas darzubieten. Auch während der schon tausendmal gesehenen Sicherheitsinstruktionen des Boardpersonals vor dem Start las er weder Zeitung noch sah er aus dem Fenster. Es war für ihn eine Frage des Respekts. Wer sich die Mühe machte, Allmen etwas vorzuführen, hatte das Recht auf seine Aufmerksamkeit.«
Und auch Pünktlichkeit ist ihm ein Anliegen. »Allmen war etwas früher dort, wie immer zu Verabredungen. Eine Geste der Höflichkeit, die ursprünglich für Damen bestimmt gewesen war, die er aber längst auch auf Männer ausgedehnt hatte.«

Sein Umgang mit Geld hat sich jedoch nicht verbessert. »Die Spesenabrechnung war ein Dauerthema. Es war gegen Allmens Natur, Spesenbelege zu sammeln. Das war etwas für Krämer. Den Mann von Welt interessiert es nicht, wofür sein Geld draufgegangen ist.«

Im Hotel Grand Duc hatte Allmen »das Degustationsmenü bestellt, etwas, was er gerne tat zu Beginn eines längeren Hotelaufenthaltes. Es war nicht nur ein Vertrauensbeweis an den Chef de Cuisine, es verschaffte ihm auch einen guten Überblick über dessen Stärken und Schwächen.«

»Allmen beging auch bei warmen Wetter nie den Stilbruch, kurze Ärmel unter dem Jackett zu tragen, aber leichte Sommerhemden mit einfachen Manschetten und simplen Perlmuttknöpfen schon.«

Zum Glück hat Allmen seinen Bechstein wieder im Gewächshaus, der ihn immer mal wieder zur Ablenkung dient. Er »wäre in Gedanken wohl ebenfalls beim Geheimnis des rosa Diamanten gewesen, wenn er sich nicht mit den Nocturnes abgelenkt hätte. Nicht jede Form des Klavierspiels taugte zur Ablenkung. Wenn er einfach so aus seinem Repertoire vor sich hinklimperte, verließen seine Gedanken bald einmal die Musik, begannen zu wandern, und eh er sich’s versah, landeten sie wieder dort, von wo er sie hatte weglocken wollen. Aber wenn er vom Blatt spielte, brauchte er jeden seiner Gedanken. Das tat zwar seinem Spiel nicht gut, aber es enthob ihn, wie sonst nur das Lesen, der Wirklichkeit.«

Auch im dritten Fall erleben wir Allmen als ausgesuchten Kavalier, Charmeur und Gourmet. So trägt er beispielsweise immer ein Feuerzeug bei sich, obwohl er gar nicht raucht: »›Und wozu das Feuerzeug?‹, wunderte sie sich.
›Zum Feuergeben.‹
›Ach so.‹«
Wenn aber auch Johann Friedrich von ab und an ein paar Ausnahmen von der Wohlerzogenheit machen muss: »Während er auf den Wein war­te­te, tat er etwas, was er bei anderen Leuten nicht ausstehen konnte: Er legte das Handy neben den Teller. So konnte er es stumm­schal­ten und dennoch sehen, wenn der wichtige Anruf kam, den er erwartete.«

Doch bringen seine guten Manieren auch manch­mal kleinere Probleme mit sich: »Allmen ließ seinen Blick zu seiner Margarita zurückwandern und begegnete dabei dem der Pianistin. Er erwiderte ihr Lächeln, obwohl er wusste, dass er damit zu ihrem einzigen Zuhörer geworden war. Das passierte ihm immer mit Barpianisten. Er ließ sich in ihren musikalischen Monolog verwickeln, zu kennerhaftem Kopfnicken nöti­gen, zu einsamem, dünnem Applaus und zu Drinks vom Herrn an der Bar.«

Und auch im Fall mit den verschwundenen Dah­lien verstärkt sich immer mal wieder der Ein­druck, dass an Don John kein Arbeitstier ver­loren gegangen ist: »Die Gründung von Allmen International Inquiries war nicht dem Wunsch nach einer Arbeit entsprungen, sondern dem Wunsch nach einem Einkommen.«

So bleiben die kleinen Auszeiten aus dem Alltag auch weiter ein Bestandteil von Allmens Tages­ablauf: »Schon als kleiner Junge hatte er ge­merkt, welch sicheres Versteck vor dem Leben der Schlaf war. Und so, wie sich dieses Leben in seinem Fall entwickelt hatte, wurde der Schlaf sein bester Verbündeter im Kampf gegen die Wirklichkeit.«
Und auch die kleinen Eitelkeiten, die Allmen jedoch keinesfalls unsympathischer machen, finden neue Ausprägungen, wenn er etwa vor dem Spiegel steht: »Das Licht vor seinem Bade­zimmerspiegel war schmeichelhaft. Das war kein Zufall, Allmen hielt viel von Lebens­lügen. Warum sollte man sich durch Schonungs­losigkeit das Leben schwermachen? Und zur Schonungs­lo­sig­keit gehörte für ihn auch das Licht. Nicht nur das der Wahrheit.«
Oder wie immer zu viele Anzüge auf kurze Rei­sen mitnimmt – »sieben Stück hatte er sich von Carlos packen lassen. Nicht, weil er vor­hatte, so lange zu bleiben. Aber er pflegte sich für den Abend umzuziehen. Und weil die Wahl eines Anzugs nicht nur von Wetter und Ge­le­gen­heit abhing, sondern auch von seiner Stimmung, fand er eine Auswahl von sieben nicht über­trieben.«
Oder es mit der Genauigkeit einer teuren Arm­banduhr nicht so genau nimmt, denn »er hätte sie längst zu seinem Uhrmacher bringen sollen, aber Allmen war es wichtiger, wie eine Uhr aussah, als wie genau sie ging.«

Wie wird man vom Millionenerben zum charmanten Gauner, der ewig pleite ist?
Hier Allmens Werdegang:

Allmen besuchte eine exklusive »Boarding School in Surrey, in die ihn sein Vater auf eigenen Wunsch mit vierzehn geschickt hatte. Allmen wollte dem, wie er es nannte, bäurischen, neureichen Mief seiner Familie entfliehen.«

Dort »gehörte der Umgang mit Schulden zum inoffiziellen Teil der Ausbildung. Sie waren nichts Ehrenrühriges. Im Gegenteil, es förderte die Reputation, welche zu haben. Die Schulordnung limitierte aus pädagogischen Gründen das Taschengeld der Schüler, was zu einem regen Geldleihverkehr führte. Man gab an mit seinen Schulden, bewunderte die, die die höchsten hatten, stundete sie, stotterte sie ab, beglich sie aber stets mit Eleganz und Nonchalance.«

In dieser Zeit und auch später hatte er »das Leben eines internationalen Bummelstudenten geführt, bis ihn der Treuhänder seines Vaters von dessen plötzlichem Tod unterrichtete«.

Danach brachte er gekonnt alle geerbten Millionen durch und später, als »Allmens finanzielle Schwierigkeiten ihn zum Handeln zwangen, wurde er vom Kunden zum Lieferanten« in dem Antiquitätengeschäft von Jack Tanner. »Er verkaufte Tanner immer wieder Stücke aus seiner Sammlung. Der war zwar knauserig, aber was ihm an Großzügigkeit fehlte, machte er durch Diskretion wett.

Im Lauf der Zeit war Allmens Vorrat an verzichtbaren Stücken so geschrumpft, dass er begann, auf Flohmärkten und in Provinzläden auf die Jagd nach verkäuflichen Stücken zu gehen. Aber Jacks Preispolitik drückte so schwer auf Allmens Marge, dass er nach einer anderen Lösung suchen musste. Per Zufall fand er sie in einem Antiquitätengeschäft im Elsass. Er kaufte eine kleine Madonnenstatue, und während der Verkäufer damit beschäftigt war, sie zu verpacken, dachte Allmen: Ich könnte dem jetzt unbemerkt diese Rosenthal-Figurengruppe klauen, wenn ich wollte. Und dann wollte er.«

Schließlich kommt es so weit, dass Allmen seine geliebte Villa Schwarzacker verkaufen muss und er ins Gärtnerhaus zieht: »Auf den Deal mit dem Gärtnerhaus war er stolz. Als er schließlich auch die Villa Schwarzacker verkaufen musste, war er auf die Idee gekommen, sie dem Interessenten zuzuschlagen, der damit einver­standen war, ihm hier ein lebens­längliches Wohnrecht zu gewähren. Mehrere Interessenten wären darauf eingegangen, aber er hatte den Zuschlag der Treuhandfirma gegeben, weil ihm die Vorstellung, dass er nachts und an Wochenenden für sich allein sein würde, gefallen hatte. Und weil der Firmenchef damit einverstanden gewesen war, ihm den größten Teil der Bücherwände der Bibliothek zu überlassen.« Und seine Post lässt er nur an ein Postfach gehen, denn es ist ihm lieber, dass seine Gläubiger nicht wissen, wo er wohnt.

Dann jedoch kommt der Brief von Dörig, einem grobschlächtigen und brutalen Mann, bei dem er auch Schulden hat: »12 455.– inkl. Zinsen. Letzte Frist Mittwoch!! Sonst…!!! Gezeichnet: H. Dörig«. Das lässt sich nicht so gut verdrängen wie die sonstigen Probleme, und »wenn er ehrlich mit sich war – ein sehr seltenes Ereignis in Allmens Leben –, dann musste er zugeben, dass er ziemlich am Ende war. Nein, nicht ziemlich. Er war am Ende, Punkt.«

An einem seiner Opernabende lernt Allmen schließlich Joëlle kennen, Jojo genannt. »Sie mochte Ende dreißig sein, keine besonders schöne Frau, aber das wusste sie geschickt zu verbergen. Die Ponyfransen, die am Haaransatz etwas auftoupiert waren und bis zur Nasenwurzel fielen, verbargen ihre niedrige Stirn. Die kleinen engstehenden, aber wunderbar smaragdgrünen Augen waren durch schwungvolle Lidstriche vergrößert. Sie hatte eine hübsche knabenhafte Figur und bewegte sich selbst im Gedränge der zu ihren Plätzen strömenden Premierenbesucher mit tänzerischer Anmut.« Jojo entpuppte sich als seine Begleitung zur Premiere von Puccinis Madama Butterfly, die – statt wie sonst Serge Lauber – den untervermieteten zweiten Platz neben Allmen einnehmen würde. Und nicht nur den:

Sie schleppt ihn ab wie eine Löwin ihre Beute – in die See-Villa ihres Vaters. Diese durchstromert Allmen von seiner Blase und Schlaflosigkeit getrieben (gestört durch Jojos Schnarchen und verstört, da er »die Zuneigung, die er sich zuvor eingeredet hatte und ohne die er nicht mit einer Frau ins Bett gehen konnte« überhaupt nicht mehr verspürt) und findet »keine Toilette, sondern ein Zimmer von etwa der gleichen Größe wie Jojos Schlafzimmer. Es war früher wohl auch eines gewesen und hatte das Bad mit dem anderen geteilt. Jetzt war es ein Ausstellungsraum. Das Licht, das Allmen angeknipst hatte, drang aus schlichten Glasvitrinen wie jener, die vor der Tür platziert war. Wie Aquarien waren sie um einen einsamen Ledersessel gruppiert, vor dem ein kleiner Glastisch stand.

Ihr Inhalt bestand aus einer Sammlung von Jugendstilgläsern. Vasen, Lampen, Schalen. Unverkennbar – sogar für Allmen, der nicht besonders viel von Jugendstilgläsern verstand – stammten alle aus der Hand des legendären Emile Gallé. Ohne Zögern ging er auf die Vitrine mit den Libellenschalen zu. Sie war verschlossen, aber der Schlüssel steckte.«

Und wie könnte Allmen da widerstehen … Vielleicht hätte er widerstanden, wenn er gewusst hätte, was ihn alles erwarten würde.

Carlos

Allmens Alltag wäre ohne ihn nicht möglich – Carlos ist Koch, Retter und Kompagnon in allen Lebenslagen

»Er hatte glattes, sorgfältig gescheiteltes blauschwarzes Haar und die Gesichtszüge eines Mayas. Er trug ein weißes Kellnerjackett zu einem weißen Hemd, eine schwarze Hose und einen schwarzen Schlips.«

»Carlos kam aus Guatemala. Allmen hatte ihn kurz nach dem Tod seines Vaters beim Besuch eines Freundes kennengelernt. Er wohnte bei dessen Eltern in Antigua, in einer Kolonialvilla mit vielen zauberhaft bepflanzten Patios. Eines Tages kam dieser propere, höfliche Gärtner und bat ihn sehr gewunden, ihn in seine Heimat begleiten zu dürfen. Allmen hatte kurz zuvor die Villa Schwarzacker erstanden und sich die Zeit bis zur Beendigung der Renovierung mit einer Reise durch Mittel- und Südamerika vertrieben, auf deren letzter Station er sich damals befand. Die Villa brauchte einen Gärtner, und er sagte kurzentschlossen ja. Carlos bewährte sich, aber die Sache mit der Aufenthaltsbewilligung hatte Allmen unterschätzt. Nach drei Monaten sah er sich gezwungen, seinen Gärtner zum Flughafen zu fahren und sich schweren Herzens von ihm zu verabschieden. In drei Monaten würde er ihn wieder für weitere drei Monate einfliegen lassen. Wenige Stunden nach diesem Abschied stand Carlos wieder vor dem Tor der Villa. Er war nicht geflogen. Und ab sofort illegal im Land. Er wohnte im Gärtnerhaus bei Kost und Logis und bezog viertausend Franken im Monat – von der Hälfte konnte seine vielköpfige Familie zu Hause komfortabel leben. Im Laufe der Zeit war Allmens finanzielle Situation immer prekärer geworden, sein Personalbestand immer kleiner und dadurch das Pflichtenheft von Carlos immer dicker. Zuletzt war er nicht mehr nur der Gärtner, er kochte, servierte, bügelte, putzte, reparierte, improvisierte, log für Allmen und wurde immer unentbehrlicher. An jenem Abend, als Allmen Carlos eröffnete, dass er die Villa verkaufen, ins Gärtnerhaus ziehen und sich von ihm trennen müsse, nickte dieser nur, sagte: »Muy bien, Don John« und zog sich ins Gärtnerhaus zurück. Aber am nächsten Morgen, als Allmen am Frühstückstisch saß und Carlos ihm Kaffee nachschenkte, sagte er in seiner formellen Art: »Una sugerencia, nada más.«

Das hieß »eine Anregung, mehr nicht« und bedeutete das Gegenteil. Carlos würde ihm einen sehr ausgereiften Plan unterbreiten, von dem er nicht abzubringen sein würde. Diesmal lautete er: Allmen wird ihn als Gärtner und Hauswart an den Käufer vermitteln, und er, Carlos, wird in die Mansarden des Gärtnerhauses ziehen und weiterhin für Don John arbeiten.«

»›Cómo no‹ war Carlos’ Art, ja zu sagen. Es bedeutete mehr als ja. Es bedeutete: sicher, selbstverständlich, unbedingt. Die Antwort kam rasch, wie die meisten von Carlos’ Antworten. Es war, als besäße er einen großen Vorrat an fixfertigen, abrufbaren Antworten auf alle Fragen des Lebens.«

»Die Beziehung zwischen Allmen und Carlos war immer eine respektvoll-distanzierte gewesen. Obwohl sie seit Jahren unter einem Dach lebten, war nie eine Freundschaft zwischen ihnen entstanden. Eine Komplizenschaft schon. Aber keine Freundschaft. Carlos besaß ein ausgeprägtes Gespür für die Distanz, die physische wie die emotionale, die seiner Meinung nach zwischen ihnen geboten war. Wenn Allmen sie unterschritt, wusste Carlos sie sofort wiederherzustellen.«

»Carlos trank nie Alkohol. Sein Vater war daran gestorben, als Carlos fünf und das jüngste der sechs Geschwister zwei Jahre alt war. Im Straßengraben ertrunken, als er dort besoffen schlief und nichts von dem schweren Regen mitbekam. Eines der wenigen persönlichen Details, die er Allmen einmal anvertraut hatte.«

Im neuen Fall für Allmen und Carlos kommen auch neue Seiten und Eigenheiten des Guatemalteken zu Tage:

»Carlos hatte – nicht zum ersten Mal seit Firmenbestehen – aus seinem Teil der Libellen-Erfolgsprämie und persönlichen Ersparnissen der Agentur ein Darlehen gewährt. Nach seiner Buchhaltung schuldete sie ihm mehr als das Aktienkapital von zwanzigtausend Franken, das sie bei der Gründung der GmbH zu gleichen Teilen einbezahlt hatten. Streng genommen gehörte Allmen International Inquiries Carlos Santiago de Leon.»

»Das Einkommen der Agentur bestand in der Hauptsache aus den Stundensätzen, die sie ihren Auftraggebern in Rechnung stellten, und hie und da einer Erfolgsprämie, ein paar Prozent vom Wert des Wiederbeschafften, also demensprechend bescheiden.
Für Carlos genügte dieses Einkommen immerhin, um seine Tätigkeit als Gärtner und Hausbesorger für die Treuhandfirma, die Allmens Villa Schwarzacker gekauft hatte, auf einen Halbtagsjob zu reduzieren.«

Und auch eine Frau wird eine Rolle spielen – María Moreno:

»Er hatte sie nicht gleich erkannt. Er wusste aus den Personalien, die Allmen aufgenommen hatte, dass María Moreno zweiunddreißig war, aber die einzige Latina dieses Alters im Restaurant Kakadu kam ihm zu hübsch vor für eine illegale kolumbianische Putzfrau, zumindest wie er sie sich vorstellte. Es brauchte über zehn Minuten und eine Reihe immer rascher aufeinanderfolgender Blickkontakte, bis Carlos zu ihrem Tisch hinüberging und sich verlegen erkundigte, ob sie zufällig María Moreno sei.
In dem Gespräch, das darauf folgte, fiel es Carlos schwer, den geschäftsmäßigen Ton eines persönlichen Assistenten beim Vorstellungsgespräch einer potentiellen Mitarbeiterin für seinen Chef zu finden. Er konnte sich nicht dagegen wehren, ihr gefallen zu wollen.«

Hatte Maria Moreno im zweiten Fall für Allmen International Inquiries auch schon eine Rolle, wird diese nun für Allmen und vor allem Carlos um etliches größer und wichtiger: »Er bekam etwas Herzklopfen, wie immer, wenn er ihr begegnete. Der Wind hatte eine Strähne aus ihrer strengen Hochsteckfrisur gelöst und blies sie ihr ins Gesicht. María stellte ihre beiden Einkaufstüten ab und wollte Carlos auf den Mund küssen. Er wehrte sie ab, und sie lachte ihn aus. Aber dort, wo Carlos herkam, küsste man sich nicht in der Öffentlichkeit. Auch wenn man sich noch so liebte.« Carlos ist schließlich »ein wenig prüde. Schlief nur mit ihr, wenn der Patrón nicht zu Hause war, und wenn er sich einmal zu einer Ausnahme verführen ließ, hielt er ihr den Mund zu, wenn sie ein wenig laut wurde.«

Doch zum Glück haben Carlos und María nun auch Rückzugsmöglichkeiten, denn »Der Einzug von María Moreno war in Etappen erfolgt. Zuerst waren es gelegentliche Damenbesuche bei Carlos, die Allmen als Mann von Welt selbst­verständlich tolerierte. Wenn auch ein wenig peinlich berührt, denn María Moreno war nicht nur bei ihren Videokonferenzen mit Kolumbien laut. Bald blieb sie das Wochenende über, was ihn nicht weiter störte, denn sie war ein er­freulicher Anblick. Auch als Carlos bei ihm vorsprach und auf seine umständliche Art er­klärte, dass María vorübergehend ohne Wohnung sei, hatte er nichts dagegen einzuwenden gehabt, dass sie eine Zeitlang bei ihnen im Gärtnerhaus Unterschlupf fand. Und als sie Carlos eines Abends plötzlich im schwarzen Kleid mit weißem Schürzchen beim Servieren assistierte, wusste Allmen, dass er den Moment zum Eingreifen verpasst hatte.«

Aber es vertieft sich auch Marías berufliche Aufgabe. »Sie sprach neben Spanisch auch recht gut Deutsch und Englisch und war eine begabte Telefonistin und lernfähige Vorzimmerdame.«, die Allmens (eigentlich meist leeren) Termin­kalender gekonnt nach Kapazitäten durch­for­stet.

Eine von Allmens Leidenschaften gilt dem Lesen und dem Entdecken von Geheimnissen in Büchern. Ein Blick in Allmens Bibliothek:

»Allmen war ein süchtiger Leser. Schon als Leseanfänger war er das gewesen. Er hatte schnell bemerkt, dass Lesen die einfachste, wirksamste und schönste Art war, sich seiner Umgebung zu entziehen. Sein Vater, den er nie mit einem Buch in der Hand gesehen hatte, besaß großen Respekt vor dieser Leidenschaft seines Sohnes. Immer akzeptierte er Lesen als Entschuldigung für die vielen Pflichtversäumnisse seines Filius. Auch heute noch las Allmen alles, was ihm in die Hände kam. Weltliteratur, Klassiker, Neuerscheinungen, Biographien, Reiseberichte, Prospekte, Gebrauchsanweisungen. Er war Stammkunde in mehreren Antiquariaten, und es war schon vorgekommen, dass er ein Taxi beim Sperrmüll vor einem Haus anhalten ließ und ein paar Bücher von dort mitnahm. Allmen musste ein Buch, das er einmal angefangen hatte, zu Ende lesen, selbst wenn es noch so schlecht war. Er tat dies nicht aus Respekt dem Autor gegenüber, sondern aus Neugier. Er glaubte, dass jedes Buch ein Geheimnis habe, und sei es auch nur die Antwort auf die Frage, weshalb es geschrieben wurde. Hinter dieses Geheimnis musste er kommen. Genau genommen war Allmen also nicht süchtig nach Lesen – er war süchtig nach Geheimnissen.«

Aus Allmens Bibliothek:

Balzac, Die Frau von dreißig Jahren
»Es geschah nicht oft, dass Allmen sich von einem Buch nicht ablenken ließ. Seine Lesegier – da machte er sich nichts vor – war schon immer seine Methode gewesen, sich vor dieser Wirklichkeit zu drücken, indem er sich in einer anderen verschanzte.
Aber diesmal hielt die Schanze nicht stand. Er las Balzac, Die Frau von dreißig Jahren, einen Autor, dem es sonst unter Garantie gelang, ihn in eine andere Welt zu entführen. Doch auch Balzac gelang es heute nicht, die Bilder dieses Tages in ihre Schranken zu verweisen.«

William Somerset Maugham. Aus einem englischen Erzählband The Back of Beyond
»Er legte das Buch zur Seite, ging ans Büchergestell und griff zu seinem anderen Fluchthelfer aus der Wirklichkeit: William Somerset Maugham. Der Erzählband war englisch, und er las The Back of Beyond. Aber auch George Moon, der scheidende Resident von Timbang Belud, vermochte ihn nicht wie sonst zu fesseln.«

Georges Simenon, alle Maigret-Fälle
»Er versuchte, mit Hilfe von Kommissar Maigret auf andere Gedanken zu kommen, normalerweise ein todsicheres Rezept. Aber das Kriminalistische an der Geschichte erinnerte ihn zu sehr an seinen eigenen Fall.«

Auch im zweiten Fall hat Allmen immer gern ein Buch bei sich und liest, mal zur Ablenkung und mal zum Zeitvertreib.

Anton Čechov, Anna am Halse
»Im Viennois waren die üblichen Nach-Zehn-Uhr-Gäste versammelt. Allmen saß an seinem angestammten Tisch zwischen dem des pensionierten Literaturkritikers, der mit seinem schweratmenden Pekinesen die in Milchkaffee getunkten Croissants teilte, und dem des auch nicht mehr ganz jungen Models mit den zwei Handys - eines zum ununterbrochen Telefonieren, eines zum Anrufe-von-Agenturen-Erwarten.
Er trank wie immer seine Schale, aß ein Croissant und las eine Geschichte von Anton Čechov, Anna am Halse«.

Bruce Chatwin, In Patagonia
»Er hatte heute Abend Mühe gehabt, sich auf seine Lektüre zu konzentrieren. Zuerst las er wieder einmal in Bruce Chatwins In Patagonia. Dann legte er das Buch beiseite und wandte sich dem schmalen Dossier zu, das Carlos aus Internetinformationen über rosa Diamanten zusammengestellt hatte.«

Daphne du Maurier, The House on the Strand
»Aus der grauen Wolkenschicht vor dem hellgrauen Wolkenhintergrund hing ein dünner Wolkensack fast bis zum Meer herunter. Allmen nahm ein Buch aus der Strandtasche und begann zu lesen. The House on the Strand von Daphne du Maurier. Eine Stunde später wurde er abrupt von etwas aus dieser wunderbaren Zeitreise in die Gegenwart zurückgeholt.«

Helene von Nostiz, Aus dem alten Europa
»Sokolow wandte sich seinem Laptop zu und Allmen seiner Lektüre. Helene von Nostiz, Aus dem alten Europa, ein Buch wie geschaffen für diesen Ort. Aber er konnte sich nicht auf die Vergangenheit konzentrieren. Die Gegenwart beschäftigte ihn viel zu sehr.«

Graham Greene, The Quiet American
»Es war erst kurz vor sechs. Allmen bedankte sich, ging in seine Suite und nahm das Buch vom Nachttisch, das er gerade wieder las: The Quiet American von Graham Greene. Das war eine der wenigen angenehmen Seiten dieses Berufs: Zeit zum Lesen.«

Blaise Cendrars, Wind der Welt
»Allmen hatte vorgehabt, noch am selben Abend ins Schlosshotel zurückzukehren. Aber dann hatte er nach der Lagebesprechnung mit Carlos wahllos ins Büchergestell gegriffen, sich noch ein wenig in den Lesesessel gesetzt und war in Wind der Welt von Blaise Cendrars hängengeblieben.«

Rainer Brambach, Gesammelte Gedichte
»Danach spielte er noch ein Stündchen Klavier, las ein paar Gedichte des wunderbaren Rainer Brambach und zog sich um zum Ausgehen.«

Wie wir alle hat auch Allmen seine Vorlieben und Abneigungen – hier finden Sie eine kleine, aber wichtige Auswahl

Mag ich

Allmen hat eine kleine Liste mit Lebensnot­wendigkeiten, zu denen unter anderem das Opernpremierenabonnement (schon seinem Vater gehörten die beliebten Plätze Parkett Mitte, fünfte Reihe) und seine Highend-Hifi-Anlage zählen.

Einen bestimmten Hotelmoment: »Aufwachen im Halbdunkel eines fremden Zimmers und nicht wissen, wo man ist. In welcher Stadt, in welchem Land, auf welchem Kontinent. Beim Öffnen der Augen sind die Bilder des Raumes noch wie die Fragmente eines Kaleidoskops, kurz bevor sie sich zu einem Bild zusammenfinden und sich das Rätsel löst.« Pflegt sich am Nachmittag jeweils eine halbe Stunde hinzulegen. (Das macht ihm jeden Tag das »Privileg bewusst, Privatier zu sein«, und er nennt es liebevoll »Lebenschwänzen«.) »Es gab nichts Köstlicheres, als die Vorhänge vor dem Treiben da draußen zuzuziehen, in der Unterwäsche unter das kühle Federbett zu schlüpfen und mit halbgeschlossenen Augen den fernen Geräuschen der Welt zu lauschen.«

Er mag Klatschgeschichten, aber »nie wäre er auf die Idee gekommen, selber welche zu verbreiten«.

Und Allmen schätzt schweigsame Taxifahrer, wie seinen eigenen, die »nur sprechen, wenn sie gefragt werden. Er [Herr Arnold] belästigte seine Fahrgäste nicht mit seinen politischen, weltanschaulichen oder verkehrstechnischen Problemen.«

Auch im zweiten Band ist das Viennois Allmens Lieblingscafé und -rückzugsort: »Es gab wenige Orte, an denen Allmen sich so zu Hause fühlte wie in diesem altmodischen Café.«

Allmen mag »den Geruch von frischgemähtem Rasen. Er zog ihn dem von frischgemähtem Gras vor. Dieser erinnerte ihn an seine Jugend. Er war der Vorbote der Heusaison gewesen. Des sonnenverbrannten Nackens, an dem der Heustaub klebte und juckte.« Doch Grasgeruch ist eine Erinnerung an bessere Zeiten, »ein eleganter Duft. Er roch nach Landsitzen, Golfclubs, Lawn Tennis und Garden Parties.«

Mag ich nicht

Allmen verachtet jede Form von Gewalt. Auch die verbale.

Zudem verachtet er Schnäppchen. »Sie waren unter seiner Würde und sollten unter jedermanns Würde sein. Die Dinge sollten das kosten, was sie wert waren, alles andere war schäbig.«

Allmen hat zwar einen Führerschein, fährt aber ungern selbst Auto (»selbst zu steuern hielt er für ähnlich herabwürdigend wie die Verrichtung jeglicher Arbeit, die jemand anderes gegen Bezahlung besser erledigen würde«).

Und er hasst auch noch nach Jahren die Erinnerung an die Jagdausflüge, bei denen der Vater früher seine Flinte abfeuerte und »und der kleine Fritz ein weiteres Häschen, Reh oder Rebhuhn beweinen musste.«

»So wichtig das Finanzielle für Allmen war, so ungern sprach er darüber. Carlos hatte ihm ein Blatt vorbereitet, auf dem die wichtigsten Punkte aufgelistet waren.«

Luxus ist eine meiner ganz großen Schwächen

Johann Friedrich von Allmen ist der neue Serienheld aus Martin Suters Roman Allmen und die Libellen. In seinem ersten Exklusivinterview gibt Allmen pikante Details aus seinem Leben preis und erzählt, wie er in seinen ersten Fall gerutscht ist.

Diogenes: Sie lieben Luxus.
Allmen: Luxus ist eine meiner ganz großen Schwächen.

Diogenes: Was ist der Ihnen liebste Luxus?
Allmen: Am Nachmittag pflege ich mich eine halbe Stunde hinzulegen. Diese kleine Siesta erfrischt mich nicht nur, sie macht mir auch jeden Tag das Privileg bewusst, Privatier zu sein. Zu schlafen, wenn der Rest des Landes einer nützlichen Tätigkeit nachgeht, verschafft mir auch nach all den Jahren ein Glücksgefühl, das ich sonst nur vom Schulschwänzen her kenne. Ich nenne es »Lebenschwänzen«.
Es gibt nichts Köstlicheres, als die Vorhänge vor dem Treiben da draußen zuzuziehen, in der Unterwäsche unter das kühle Federbett zu schlüpfen und mit halbgeschlossenen Augen den fernen Geräuschen der Welt zu lauschen. Um kurz darauf verwundert und belebt aus dem leichten Schlaf des Nachmittags zu erwachen.

Diogenes: Und was bedeutet Ihnen Lesen? Ist Lesen auch ein Luxus?
Allmen: Lesen ist die einfachste, wirksamste und schönste Art, sich seiner Umgebung zu entziehen. Mein Vater, den ich nie mit einem Buch in der Hand gesehen habe, besaß großen Respekt vor meiner Leidenschaft. Immer akzeptierte er Lesen als Entschuldigung für meine vielen Pflichtversäumnisse. Und meine Mutter, die stets kränkelnde und früh verstorbene sanfte Frau, an die ich nur verschwommene Erinnerungen habe, akzeptierte alle Entschuldigungen, die ihr Mann akzeptierte.
Auch heute noch lese ich alles, was mir in die Hände kommt. Weltliteratur, Klassiker, Neuerscheinungen, Biographien, Reiseberichte, Prospekte, Gebrauchsanweisungen. Ich bin Stammkunde in mehreren Antiquariaten und es ist schon vorgekommen, dass ich ein Taxi beim Sperrmüll vor einem Haus anhalten ließ und ein paar Bücher von dort mitnahm.
Ich muss ein Buch, das ich einmal angefangen habe, zu Ende lesen, und sei es noch so schlecht. Ich tue dies nicht aus Respekt dem Autor gegenüber, sondern aus Neugier. Ich glaube, dass jedes Buch ein Geheimnis hat, und sei es auch nur die Antwort auf die Frage, weshalb es geschrieben wurde. Hinter dieses Geheimnis muss ich kommen. Genau genommen bin ich also nicht süchtig nach Lesen – ich bin süchtig nach Geheimnissen.

Diogenes: Am Anfang des geheimnisvollen Falls, in dem Sie die Hauptrolle spielen, steht ein Brief mit dem lapidaren Satz: »12 455.–, inkl. Zinsen. Letzte Frist Mittwoch!! Sonst…!!!, H. Dörig« Sie öffneten den Brief eigentlich gegen Ihre Gewohnheit.
Allmen: Ich öffne tatsächlich aus Prinzip keine Briefe, in denen ich etwas Unangenehmes vermutete. Ich bewahre mir dadurch eine gewisse Gelassenheit, die ich in meiner Situation damals besonders nötig hatte.

Diogenes: Die Situation war sehr unangenehm: Sie hatten kein Geld und wurden von Gläubigern bedrängt.
Allmen: So schlecht ich mit Geld umgehen kann, so gut beherrsche ich den Umgang mit Schulden. Das habe ich in meiner Zeit im Charterhouse gelernt, der exklusiven Boarding School in Surrey, in die mich mein Vater auf meinen eigenen Wunsch mit vierzehn geschickt hatte. Ich wollte dem, wie ich es nannte, bäuerischen, neureichen Mief meiner Familie entfliehen.
Im Charterhouse gehörte der Umgang mit Schulden zum inoffiziellen Teil der Ausbildung. Sie waren nichts Ehrenrühriges. Im Gegenteil, es förderte die Reputation, welche zu haben. Die Schulordnung limitierte aus pädagogischen Gründen das Taschengeld der Schüler, was zu einem regen Geldleihverkehr führte. Man gab an mit seinen Schulden, bewunderte die, die die höchsten hatten, stundete sie, stotterte sie ab aber beglich sie stets mit Eleganz und Nonchalance.

Diogenes: Aber bei der Mahnung von Dörig war von Eleganz wenig zu spüren. Wie konnte es so weit kommen?
Allmen: Von Anfang an hatten die Einkünfte aus meinem Erbe nicht für meinen wachsenden Kapitalbedarf gereicht, und der Treuhänder meines verstorbenen Vaters hatte bald entnervt das Handtuch geworfen. Ihm folgte eine Reihe selbstgewählter Berater, deren Ratschläge nicht meine Einkünfte sondern meinen Geldbedarf in die Höhe trieben. Bald sah ich mich gezwungen, meinen Lebensstandard und meine Neuanschaffungen – neben der Villa Schwarzacker zählten Appartements in Paris, London, New York, Rom und Barcelona dazu – dadurch zu finanzieren, dass ich mich von weniger spektakulären aber solideren Vermögenswerten aus meines Vaters Hinterlassenschaft trennte. Und als auch dieser Vorrat sich dem Ende zuneigte, finanzierte ich mich durch – meist etwas überstürzte – Verkäufe ebendieser Neuanschaffungen. Zuerst Immobilien, dann Möbel, dann Sammlerobjekte, dann nach und nach die immer seltener werdenden Unentbehrlichkeiten meines früheren Lebens.

Diogenes: Die da wären?
Allmen: Das Opern-Premierenabonnement ist ein Kernstück auf meiner Liste der Lebensnotwendigkeiten. Erst wer sich das nicht mehr leisten kann, ist wirklich pleite.
Schon zu Lebzeiten meines Vaters besaß ich zwei der begehrtesten Plätze, Parkett Mitte, fünfte Reihe. Mein Vater hatte damals die Investition von jährlich über viertausend Franken klaglos geleistet, da sie ja unter die Bildungsausgaben fielen. Inzwischen kosten die beiden Plätze das Doppelte und lauten noch immer auf Johann Friedrich v. Allmen. Allerdings habe ich seit Beginn dieser Saison den zweiten Platz untervermietet. Einer meiner vielen weitläufigen Bekannten, Serge Lauber, ein Investmentbanker, hatte mir sechstausend Franken bar auf die Hand geboten. Das war ein Angebot, das ich in meiner Situation schlecht ausschlagen konnte, es finanzierte mir die Hälfte meines eigenen Abonnements. Dessen Zahlung ich übrigens seit Saisonbeginn schulde, ohne dass man mich bis jetzt gemahnt hätte. Mit so langjährigen Abonnenten und großzügigen ehemaligen Sponsoren zeigt man Geduld.

Diogenes: An einem Opernabend machten Sie die Bekanntschaft mit Joëlle, genannt Jojo, der Tochter des steinalten und -reichen Financiers Hirt.
Allmen: Keine besonders schöne Frau, aber das wusste sie geschickt zu verbergen. Erst später sah ich die Spuren eines Lebens mit zu viel Sonne, zu wenig Schlaf, zu viel Spaß und zu wenig Liebe. Am Abend dieses nassen Herbsttages war Premiere von Puccinis Madama Butterfly.

Diogenes: Und durch Joëlle wurden Sie in einen gefährlichen Fall mit fünf wertvollen Libellen-Schalen hineingezogen. Sie wurden wegen dieser Schalen sogar angeschossen und mussten aus Sicherheitsgründen in ein Hotel ziehen.
Allmen: Im Gärtnerhaus war mir das Leben zu gefährlich geworden. Ich entschied mich für das Grand Hotel Confédération, ein elegantes, wenn auch etwas verstaubtes Fünfsternehotel im Stadtzentrum. Ich kannte dort den Direktor, der früher das République in Biarritz geleitet hatte, wo ich in besseren Zeiten gerngesehener Stammgast gewesen war.
Ich hatte vor, ein normales Zimmer zu bestellen, kam aber davon ab, weil ich befürchtete, diese ungewohnte Bescheidenheit könnte falsch interpretiert werden und meine Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Ich bestellte eine Junior Suite.
Ich genoss das Gefühl, im Hotel zu sein. Es lag mir zwar etwas zu nahe bei meiner Wohnung, aber von innen war es so international, dass ich mich irgendwo in der Welt wähnen konnte.
Ich liebe diesen Hotelmoment: Aufwachen im Halbdunkel eines fremden Zimmers und nicht wissen, wo man ist. In welcher Stadt, in welchem Land, auf welchem Kontinent.

Diogenes: Ein schöner Hotelmoment, ganz anders als die Nacht, die Sie wenig später im Hotel Seeschloss verbringen mussten. Hier sollte das Bargeld übergeben werden, das den Fall und Ihre Probleme ein für allemal lösen sollten.
Allmen: Das Seeschloss ist ein tristes Gebäude aus den siebziger Jahren an atemberaubender Lage, falls man den Postkarten glauben will, die an der Rezeption aufliegen. Im Frühstücksraum riecht es nach übergekochtem Filterkaffee, der auf der Heizplatte verdampft. Der Aufschnitt auf dem Buffet sieht aus, als hätte er die ganze Nacht dort gelegen.

Diogenes: Wie haben Sie sich in der letzten Nacht vor der Lösung des Falls abgelenkt?
Allmen: Ich hätte mich gerne mit Klavierspielen abgelenkt und vermisste meinen Bechstein. Dessen Ersatz würde die erste Anschaffung sein, die ich mir später leisten wollte. Ich versuchte, mit Hilfe von Kommissar Maigret auf andere Gedanken zu kommen, normalerweise ein unfehlbares Rezept. Aber das Kriminalistische an der Geschichte erinnerte mich zu sehr an meinen eigenen Fall. Ich legte das Buch zur Seite, ging ans Büchergestell und griff zu seinem anderen Fluchthelfer aus der Wirklichkeit: William Somerset Maugham.

Diogenes: Und jetzt, wo alles vorbei ist, was sind Ihre Pläne?
Allmen: Meine Gedanken hängen möglichen Einkommensquellen nach. Vielleicht sogar regelmäßigen. Ich stelle mir eine Visitenkarte vor. »Johann Friedrich von Allmen. Zwölf Punkt Times mit Kapitälchen. Darunter, zwei Punkt kleiner: International Inquiries.«

Diogenes: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und weitere spannende Fälle.

Leseprobe aus »Allmen und die verschwundene María«

Cheryl Talfeld ging am offiziellen Schlaf­zimmer ihrer Chefin vorbei bis zu ihrem tatsächlichen. Durch die Tür hörte sie eine monotone Stim­me. Es war die ihrer Nacht­pflegerin, die ihr wie jeden Abend vorlas.

Cheryl klopfte, und die Stimme verstummte. Kurz darauf wurde die Tür ein wenig geöffnet, und das Gesicht der Schwester erschien im Spalt. Es entspannte sich ein wenig, als sie Madames Assistentin erkannte, aber ihre Stim­me klang immer noch sehr irritiert, als sie fragte: »Wissen Sie, wie spät es ist?«

»Es handelt sich um etwas Unaufschiebbares.«

»Wer ist es, Schwester?«, rief Dalia Gutbauer.

»Frau Talfeld«, rief diese über die Schulter zurück. »Etwas Unaufschiebbares.«

»Unaufschiebbar ist nur der Tod«, rief Dalia zurück.

Und Cheryl, jetzt auch laut genug für ihre Chefin: »Um diesen handelt es sich, Madame!«

»Lassen Sie sie rein, Schwester.«

Die Nachtschwester öffnete die Tür und trat beiseite. Im Zimmer roch es nach Kampfer, Eukalyptusöl und Menthol, Dalia Gutbauer kämpfte mit einer Erkältung. Die alte Frau lag in ihrem Krankenhausbett. Eine voluminöse Daunendecke verbarg auf den ersten Blick ihren Kopf. Er befand sich außerhalb des Lichtkegels, der auf einen Stuhl neben dem Bett gerichtet war. Auf dessen Sitzpolster aus bordeauxfarbenem Leder lag ein aufge­schla­genes Buch.

Cheryl ging zu ihr. Jetzt sah sie, dass Madame Gutbauer über ihre dichte weiße Wuschel­frisur ein Haarnetz gestülpt hatte. Sie war abgeschminkt und trug keine Brille. Cheryl Talfeld hatte sie schon zwei-, dreimal so ge­sehen. Aber diesmal kam sie ihr noch fremder vor als die anderen Male.

Ihre Stimme machte sie wieder vertrauter. »Setzen Sie sich«, befahl sie. Und zur Nacht­schwester: »Ich klingle dann, Schwester.«

Die Pflegerin verließ das Zimmer und schloss die Tür geräuschlos hinter sich.

Cheryl nahm das Buch vom Stuhl. Es war Hotel Shanghai von Vicki Baum. Sie setzte sich und fühlte, wie die Angst vor der Alten ihre Wut auf sie besiegte.

»Um den Tod von wem noch außer mir?«, fragte Dalia ruppig.

»Von Frau Moreno.« Cheryls Antwort klang nicht so selbstsicher wie beabsichtigt.

»Kenne keine Frau Moreno.«

»Die Mitarbeiterin der beiden Herren von eben.«

»Wie gesagt: Ich kenne sie nicht. Wenn ich mir auch noch um alle, die ich nicht kenne, Sorgen machen würde, wäre ich nicht so alt gewor­den.«

Cheryl besann sich auf ihren ursprünglichen Plan: »Es geht nur indirekt um Frau Moreno. In Wirklichkeit geht es um Sie, Madame Gut­bauer.«

Damit waren sie bei einem Thema, das Dalia Gutbauer interessierte. Vielleicht dem einzigen. Sie richtete sich auf ihrem Kissen etwas auf und fragte: »Um mich? Inwiefern?«

»Das Bild ist Ihre einzige Möglichkeit, die Polizei aus dem Spiel zu lassen.«

Ihre Chefin lächelte müde. »Die Behörden hier sind diskret. Die wissen seit bald zwanzig Jahren, dass ich hier lebe, und noch nie hat die Öffentlich-keit davon erfahren.«

»Aber wir haben es hier mit Allmen Inter­natio­nal Inquiries zu tun«, wandte Cheryl ein. »Das ist keine Behörde.«

»Aber eine Firma, die von der Diskretion lebt«, sagte Dalia Gutbauer abschließend. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass Allmen damit droht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber danke, dass Sie mich gewarnt haben.« Sie griff nach der Klingel, die am Haltegriff über ihr hing.

Doch Cheryl gab nicht auf. »Von Herrn von Allmen haben wir nichts zu befürchten. Aber von seinem Mitarbeiter. Sie haben ja mit­erlebt, wie ver-zweifelt er ist.«

Die knorrige Hand mit den perfekten rot­lackierten Nägeln ließ von der Klingel ab und sank zurück auf die Daunendecke.

»Er liebt die Frau«, doppelte Cheryl nach.

Die alte Frau schloss die Augen, als hätte sie das Gespräch erschöpft. Sie atmete kaum. Ihr Gesicht war bleich und still. Wie eine Toten­maske, fuhr es Cheryl durch den Kopf. Sie dachte daran, der Schwester zu klingeln, aber in diesem Moment seufzte Madame Gutbauer tief. Ohne die Augen zu öffnen, fragte sie: »Glauben Sie an Flüche, Cheryl?«

Als die Assistentin nicht gleich antwortete, fuhr sie fort: »Ich habe bis jetzt nicht daran geglaubt. Aber dieses Bild … Ich glaube, es bringt Unglück.« Sie schlug die Augen so plötz­lich auf, dass Cheryl erschrak. »Die Dahlien sind ein Fluch.«

Cheryl Talfeld fröstelte. Aber sie blieb am Ball: »Dann geben Sie es her. Vielleicht bringt es zum ersten Mal jemandem Glück.«

Dalia Gutbauer seufzte. »Ich glaube, dazu ist es zu spät.«

»Das verstehe ich nicht.«

»Sie werden es gleich verstehen.« Ihre Hand griff wieder nach der Klingel. Diesmal drückte sie sie. Sofort trat die Pflegerin ein.

»Helfen Sie mir, Schwester. Ich muss noch einmal aufstehen.«

»Sie wird es nicht herausgeben«, hatte Carlos gesagt, als Cheryl Talfeld den Raum verlassen hatte.

»Ya veremos«, hatte Allmen, der Optimist, geantwortet. Von da an hatten sie meistens geschwiegen. Carlos hatte vor sich hin gestarrt und manchmal die Lippen bewegt. Allmen wusste nicht, ob im Selbstgespräch oder im Gespräch mit seinem Maximón.

Allmen war aufgestanden und hatte Cheryls Zimmer inspiziert. Das Zimmer einer Heimat­losen. Gerahmte Fotos, ein altes Paar und das gleiche etwas jünger und noch mal sehr jung. Eine Frau und zwei Männer, die Cheryl gli­chen, Geschwister oder Cousins. Sie selbst als Tante Cheryl mit Kindern oder Babys. Grup­pen­fotos mit Arbeitskollegen vor ver­schie­denen Hotels. Die übrigen persönlichen Ge­gen­stände waren Andenken. Kunst­handwerk von überall her, leicht zu transportierende Nippes.

Hatte sie nicht erzählt, dass sie seit zwei­und­zwanzig Jahren bei Dalia Gutbauer war? Und dennoch sah es hier aus, als wäre sie ständig bereit, jederzeit ihre Siebensachen zu packen und ciao.

Allmen stellte sich ans Fenster, um sich den mitleiderregenden Anblick von Carlos zu ersparen. Das Licht einer ganzen Büroetage erlosch, und für einen Augenblick sah es aus, als schwebe die obere Hälfte des Gebäudes davon. Er selbst wäre auch gerne davon­ge­schwebt.

Nach einer halben Stunde kam Cheryl zurück. Ihr Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Carlos war erwartungsvoll aufgesprungen, als er das Geräusch der Türklinke hörte. Als er ihre Miene sah, setzte er sich wieder. »Hija de puta«, murmelte er.

»Sie bleibt dabei, nicht wahr?«, fragte Allmen.

Cheryl seufzte. »Nein. Aber kommen Sie.«

Sie folgten ihr durch den stillen Korridor zum offiziellen Schlafzimmer, das Allmen von frü­he­ren Besuchen kannte.

Cheryl klopfte und trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Dalia Gutbauer erwartete sie, halb sitzend, halb stehend an die Kante ihres überdimensionierten Art-déco-Bettes gelehnt.

Allmen nickte ihr zu und richtete den Blick sofort auf die Stelle, wo die Dahlien hängen sollten. Sie war leer.

Carlos, der den Raum noch nie betreten hatte, folgte Allmens Blick, sah die Lücke zwischen den Frauenporträts und verstand. Er sah Allmen an, fragend oder vorwurfsvoll oder beides.

Dieser wandte sich wieder der alten Frau zu. Sie war jetzt ein wenig geschminkt und frisch frisiert und trug einen schwarzen Kimono mit kleinem goldenen Bambusmuster.

»Ich konnte es nicht mehr sehen«, erklärte sie.

»Und dann?«, fragte Allmen entgeistert.

»Und dann?« Sie deutete mit dem Kinn in die Richtung, wo früher das Bild hing. »Sie sehen ja. Weg. Jetzt geht es mir besser.«

Carlos hielt es nicht länger aus. »¿Dónde se encuentra, señora?«

Sie überraschte ihn mit einem fast akzent­freien spanischen Anpfiff: »Nada te va en eso.« Das geht dich nichts an.

Allmen kannte den Tonfall. So sprach die mittel-amerikanische Oberschicht mit ihren Domestiken. Wie lange hatte sie in den dreißig Jahren ihres Untertauchens wohl in dieser Gegend gelebt?

Carlos akzeptierte die Zurechtweisung mit einer Unterwürfigkeit, als sei er diesen Tonfall von klein auf gewohnt.

Allmen ärgerte sich darüber und reagierte etwas schärfer, als es sonst seine Art war. »Nun sagen Sie schon, wo das verdammte Bild ist. Auch wenn es für Sie nichts taugt, für uns taugt es dazu, ein Leben zu retten.«

Dalia Gutbauer antwortete mit einem Husten­anfall. Allmen wusste nicht, ob er ein Vorwand war, um Zeit zu gewinnen, oder ob sie damit einer Antwort ganz ausweichen wollte. Aber der Anfall dauerte länger, als es dafür nötig gewesen wäre. Sie presste eine Hand auf die hagere Brust und verzog vor Schmerzen das Gesicht.

Carlos ließ sich nicht täuschen. Er setzte sich langsam in Bewegung und ging drohend auf die hustende Greisin zu. Allmen griff nicht ein.

Madame Gutbauer streckte abwehrend die Hand aus und stieß zwischen zwei Husten­anfällen hervor: »Zeigen Sie es, Cheryl.«

Die Assistentin ging am Schminktisch vorbei zu einem schwarz-roten Paravent und verschwand dahinter.

Sie kam mit dem Bild zurück, trug es in die Mitte des Raumes und hielt es vor ihre Brust.

Allmen und Carlos stießen einen erschrocke­nen Schrei aus, der wie aus einer Kehle klang.

In dem Bild klaffte ein großes Loch. Die größte der Dahlien war herausgetrennt. Durch den Vandalenakt hatte die Leinwand ihre Spannung verloren. Die Schnittränder waren gewellt, und die Wellen setzten sich über das Gemälde fort.

Durch das Loch sah man das Muster von Cheryl Talfelds hellgelber Seidenbluse.

Leseprobe aus »Allmen und die Dahlien«

In dem antiken Fahrstuhl wechselten sich Spiegel ab mit Vitrinen, in denen ein Juwelier, eine Parfümerie und ein Optiker ausstellten. Frau Talfeld steckte einen Schlüssel in ein Schloss über dem Knopf zum dritten Stockwerk. Der Lift setzte sich mit einem Ruck in Bewe­gung.

»Sagt Ihnen der Name Dalia Gutbauer etwas?«, fragte sie.

Der Name Gutbauer war Allmen natürlich ein Begriff. In seiner Kindheit stand er – mit einem stilisierten Sämann als Markenzeichen – auf jedem Kanaldeckel und Hydranten des Landes. Es war der Name eines Industrieunternehmens, das in den sechziger Jahren von dessen Haupt­aktionär, Gustav Gutbauer, an einen multi­nationalen Maschinen-konzern verkauft worden war, welcher es aufgeteilt und sich einverleibt hatte. Gutbauer war kurz nach dem Verkauf gestorben, und das Erbe – es war die Rede von über einer halben Milliarde Schweizer Franken – ging an seine einzige Tochter, Dalia Gutbauer.

Diese hatte nach dem Krieg bis in die späten fünfziger Jahre ein aufsehenerregendes Gesellschaftsleben geführt und war von einem Tag auf den anderen aus den Klatschspalten und Gesellschaftsnachrichten verschwunden. Ein wenig wurde noch über ihren Aufenthaltsort spekuliert – Chile, Kenia, Singapur –, aber bald richtete sich das Interesse wieder auf die Anwesenden, und der Name Dalia Gutbauer wäre vollends vergessen worden, wenn er nicht alljährlich in den obersten Rängen der Liste der hundert Reichsten des Landes aufgetaucht wäre. Mit einem Fragezeichen anstelle eines Fotos.

Und jetzt tauchte er in diesem ruckelnden Aufzug auf.

Allmen hatte sich schon als Junge für die High Society interessiert. Das mysteriöse Unter­tau­chen der legendären Dalia hatte ihn fasziniert, auch wenn es vor seiner Geburt geschah. Dass jemand freiwillig auf ein Leben verzichtete, wie er es immer hatte führen wollen, war ihm schleierhaft gewesen.

»Wenn ich mich richtig erinnere, war sie die untergetauchte Gutbauer-Erbin.«

»Falsch.« Der Aufzug stoppte brüsk. »Sie ist es noch immer.«

Die Lifttür glitt auf, und sie betraten eine Halle. Ein älterer Herr in einem Stresemann erwartete sie und bat sie, ihm zu folgen.

Er führte sie in einen Salon, der Allmen, dem Art-déco-Sammler, die Sprache verschlug.

»Madame Gutbauer wird gleich bei Ihnen sein«, sagte der Mann, »was darf ich Ihnen bringen?«

»Für mich einen Espresso, bitte, Monsieur Louis«, sagte Frau Talfeld. Und mit einem Lächeln zu Allmen gewandt: »Der Kaffee hier oben ist nicht zu vergleichen mit der Brühe unten in der Lobby.«

Allmen bestellte ein Perrier mit zwei Stück Eis und einem Schnitz Zitrone.

»Hat sie all die Jahre hier gelebt?«, fragte Allmen, während sie warteten.

Außer einem geheimnisvollen Lächeln erhielt er keine Antwort. Beide schwiegen, bis Monsieur Louis mit den Getränken zurückkam. Er schenk­te Allmen ein und zog sich zurück.

Kurz darauf wurde die Tür geöffnet. Frau Talfeld sprang auf. Allmen erhob sich und knöpfte das Jackett zu.

Dalia Gutbauer betrat den Raum. Sie war eine sehr kleine Frau und stützte sich auf ein Geh­gestell, das wohl eigens für ihre Körpergröße angefertigt worden war. Sie hob es bei jedem Schritt ruckartig an und ließ es geräuschvoll wieder fallen. Dicht hinter ihr folgte konzen­triert eine weißgekleidete Pflegerin, die Hände etwas vorgestreckt, um ihren Schützling jeder­zeit auffangen zu können.

Die alte Frau beachtete Allmen erst, als die Pflegerin und Frau Talfeld ihr behutsam in den Polstersessel geholfen hatten. Als sie saß, sagte sie mit einer für eine so zerbrechliche alte Dame überraschend tiefen Stimme: »Sie haben wieder geraucht, Cheryl.«

»Ihr Näschen möchte ich haben, Frau Gut­bau­er«, antwortete Frau Talfeld in scherz­haftem Ton.

»Da braucht es keinen besonderen Geruchssinn. Sie stinken gegen den Wind.« Jetzt sah sie zu Allmen empor. »So setzen Sie sich doch, ich habe einen steifen Nacken.«

Allmen gehorchte, und sie musterten sich ge­gen­seitig.

Dalia Gutbauer hatte einen dichten Wusch weißer Haare, der so frisiert war, dass er einen großen Teil des zerknitterten Gesichts verbarg. Sie trug eine geschwungene diamantenbesetzte Brille, die ihre tiefblauen Augen etwas ver­größ­erte. Die faltigen Lippen waren im Scharlachrot ihrer Nägel geschminkt. Sie sahen aus wie frisch aus dem Nagelstudio und bildeten einen schar­fen Kontrast zu den gekrümmten, fleckigen Hän­den. Sie trug ein Chanel-Kostüm aus hellgrauem Tweed mit schwarzer Bordüre und eine schwar­ze Seidenbluse mit Schlingkragen.

»Sind Sie ein ehrlicher Mann?«, fragte sie.

»Nach Möglichkeit.«

»Kommt es oft vor, dass es nicht möglich ist?«

»Doch, schon. Berufsbedingt.«

Sie nickte verständnisvoll. »Aber wenn auch nicht immer ehrlich, so doch stets gesetzes­treu?«

Allmens Intuition, auf die er ein wenig stolz war, gab ihm die folgende Antwort ein: »Stets. Es sei denn, es würde unserer Klientel zum Nachteil gereichen.«

Dalia Gutbauer wechselte einen Blick mit Frau Talfeld und wandte sich an die Pflegerin: »Ich rufe Sie dann, Schwester.«

Die Pflegerin verließ den Raum.

Frau Gutbauer richtete sich wieder an Allmen. Es schien ihm, als habe er die Prüfung be­stan­den. »Sagt Ihnen der Name Henri Fantin-Latour etwas?«

Allmen kannte ihn. Es war ein Maler, der mitten im Impressionismus realistische Blumenbilder und Porträts gemalt hatte, die heute auf dem Kunstmarkt hohe Preise erzielten. Vor allem die Blumenbilder waren zauberhaft. Wenn auch nicht ganz nach seinem Geschmack. Er nickte.

»Es handelt sich um ein Werk von ihm. Bitte, Cheryl.«

Frau Talfeld zog ein Mäppchen aus der Hand­tasche, entnahm diesem ein Foto und reichte es Allmen.

Es zeigte einen Strauß Dahlien in verschiedenen Rot- und Weißtönen in einer schlichten, weißen, taillierten Vase. Warmes Licht fiel auf ein paar davon, andere lagen im Schatten, dahinter wa­ren im geheimnisvollen Dunkel weitere Blüten zu erahnen.

Das Bild kam Allmen bekannt vor. »Könnte es sein, dass ich es kenne?«

»Fantin-Latour hat viele Dahlien gemalt«, ant­wortete Dalia Gutbauer. »Aber das sind seine schönsten.«

Jetzt erst fiel Allmen das Detail mit dem Namen auf. Dalia, Dahlien. Er zog ein ledergebundenes Notizbuch mit Goldschnitt und den goldenen Initialen j. f. v. a. aus dem Jackett – er er­öff­nete für jeden Fall ein neues – und schrieb den Titel »Dahlien« hinein. »Und seit wann ver­mis­sen Sie das Bild?«

»Vermissen? Wie könnte ich es vermissen! Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen, dass es weg ist. Es begleitet mich seit sechzig Jahren. Verstehen Sie?«

Allmen verstand. Er wandte sich an Frau Tal­feld. »Seit wann ist das Bild verschwunden?«

Sie sah ihre Chefin an. Die hob die Schultern. »Erst gestern haben wir entdeckt, dass es fehlt. Es befand sich in einem Raum, der nicht täglich betreten wird.«

»Darf ich ihn sehen?«

Wieder konsultierte Frau Talfeld ihre Chefin mit einem Blick. Diese nickte. »Ich warte hier.«

Das Schlafzimmer, in das Allmen geführt wurde, war mit ausgesuchten Stücken aus dem ame­ri­ka­nischen Art déco eingerichtet. Allmen erkannte viele seiner Lieblinge wieder: Donald Deskey in dem Schlafzimmerset aus tropischem Furnier, schwarzem Lack und Messing; Kem Weber in den stromlinienförmigen Sesseln aus Leder und Chrom; Wolfgang Hoffmann in dem fast schwe­re­losen Schminktischchen aus spiegelndem Lack und schmalen Nickel-bändern.

An den Wänden hingen vier Porträts derselben Frau. Eines sah nach Allmens Gefühl nach Niklaus Stoecklin aus. Eines hätte von Rudolf Schlichter stammen können, eines war unver­kennbar ein Meredith Frampton, das vierte konnte er niemandem zuordnen.

»War sie nicht eine Schönheit?«

Allmen nickte, obwohl er sich für ein anderes Wort entschieden hätte. Schönheit war nicht das zutreffende. Nicht bei den Porträtisten, die sie gewählt hatte. Alle vier hatten dem Aus­druck mehr Bedeutung beigemessen als der Ähnlichkeit und das Hauptmerkmal auf Dalia Gutbauers blaue Augen gelegt. Man sah, dass sie eine sehr selbstbewusste und aparte Frau ge­wesen war. Aber schön? Schön waren vor allem die Werke.

»Madame Gutbauers Vater war ein großer Kunst­freund, und seine Tochter hat diese Leiden­schaft von ihm geerbt«, erklärte Frau Talfeld.

Im Zimmer lag der Duft von Parfum und der frischen Bettwäsche des akkurat aufge­schla­ge­nen Bettes. Die Vorhänge – auch sie in einem geometrischen, schwarzweißen Art-déco-Muster – waren zugezogen, der Raum lag im Licht von fünf Bilderspots. Vier waren auf die Porträts gerichtet. Der fünfte erhellte eine leere Stelle an der Wand.

»Hier hingen die Dahlien«, sagte Frau Talfeld unnötigerweise.

»Aber wenn das Bild im Schlafzimmer war, wes­halb wurde sein Fehlen nicht sofort be­merkt?«

»Madame Gutbauer schläft meistens in einem anderen Zimmer. Einem etwas zweckmäßigeren mit einem Krankenhausbett, Sie verstehen.«

»Aber das Personal? Hier wird doch bestimmt ab und zu gelüftet, abgestaubt, gesaugt.«

»Das Mädchen, das für dieses Zimmer zuständig ist, hat ihre kranke Mutter in Spanien besucht. Und ihre Vertretung war eine Temporär­ange­stellte.«

Allmen sah sich die Stelle an der Wand an. Der Spot warf keinen Kegel, sondern ein scharf begrenztes Viereck, das sagte: »Hier fehlt ein Bild.«

»Das Bild wurde also während der Abwesenheit des Zimmermädchens und vor dem Arbeits­beginn seiner Stellvertreterin gestohlen. Sonst wäre ihr das Fehlen des Bildes aufgefallen.«

»An dieser Stelle habe nie ein Bild gehangen, hat sie gesagt.«

»Wissen Sie, welche Zeitspanne das betrifft?«

»Laut Monsieur Louis, der auch für das Haus­per­sonal zuständig ist, war Carmen am Mittwoch, dem dritten April, morgens zum letzten Mal im Zimmer. Und gestern zum ersten Mal wieder. Am sechsten April sprang die Aushilfe ein.«

»Drei Tage.« Wieder glaubte Allmen, den Anflug eines spöttischen Lächelns um Frau Talfelds schmale Lippen zu entdecken. Als mache sie sich über seine Rechenkünste lustig.

»Falls die Temporärbeschäftigte die Wahrheit sagt. Sonst wären es sieben.«

»Weshalb sollte sie lügen?«

»Vielleicht, weil sie etwas mit dem Ver­schwin­den des Bildes zu tun hat.«

Cheryl Talfeld zog es in Erwägung. Dann schüttelte sie den Kopf. »Zu dumm.«

Als sie zurückkamen, war Dalia Gutbauer ein­ge­nickt. Der Kopf war ihr auf die rechte Schulter gefallen, und ihr Mund stand offen. Frau Talfeld komplimentierte Allmen wieder hinaus. »Ma­dame Gutbauer würde so nicht gesehen werden wollen«, flüsterte sie. Sie öffnete die Tür ein zweites Mal, diesmal mit einem lauten »So, da wären wir wie-der«.

Über dem Polster ihres Sessels erschien jetzt ein Schopf weißer Haare. Als sie um die Rücken­lehne her umgegangen waren, hatte sie ihre blauen Augen weit aufgerissen. »Und?«, fragte sie.

Allmen und Frau Talfeld setzten sich wieder auf ihre Plätze. Die Tassen waren weggeräumt, an ihrer Stelle stand etwas Blätterteiggebäck.

»Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?«

Die alte Dame winkte ungeduldig ab. »Fragen Sie, fragen Sie.«

Allmen zückte wieder sein Notizbuch. »Die erste Frage, die wir routinemäßig stellen, lautet: Weshalb wenden Sie sich nicht an die Polizei?«

»Nächste Frage.«

Allmen sah sie überrascht an.

Cheryl Talfeld schüttelte fast unmerklich den Kopf, und Madame Gutbauer überwand sich: »Aber das fällt unter das Klientengeheimnis: Das Bild ist … Man weiß nicht so genau, woher es stammt.«

»Raubkunst?« Allmen war etwas schockiert.

»Nicht im üblichen Sinn. Cheryl!«

Frau Talfeld übernahm: »Das Bild war ein Ge­schenk an Madame Gutbauer. Eine kleine Auf­merk­sam­keit eines Verehrers, wegen der Namensgleichheit, Dalia und Dahlien, Sie verstehen.«

Allmen verstand. »Und Sie vermuten, dass das Bild nicht ganz rechtmäßig erworben sein könnte?«

»Nun, jedenfalls überstieg es vermutlich die finanziellen Mittel des Schenkenden.«

Der alten Frau wurde das Drumherumgerede zu viel: »Das Bild war geklaut, basta. Nächste Frage.«

»Wie hoch schätzen Sie den Wert des Werks?«

»Für mich ist es unbezahlbar.« Sie sah Cheryl Talfeld an, die wieder ihr Dossier aus der Hand­tasche nahm und darin blätterte. »Im Jahr 2000 ging bei Christie’s New York ein Blumen­bild von Fantin-Latour für über dreieinhalb Millionen Dollar …«

»Kein Vergleich«, unterbrach Dalia Gutbauer verächtlich, »die Dahlien sind hundertmal schöner.«

»Es war ein bisschen größer als die Dahlien«, fuhr Frau Talfeld fort, »aber es ist auch eine ganze Weile her.«

»Kein Vergleich«, wiederholte Madame Gut­bauer. »Sie würden es also höher einschätzen?«, fragte Allmen.

Sie wollte antworten, besann sich aber anders und fragte: »Ihr Erfolgshonorar besteht aus einem Prozentsatz des Wertes, nicht wahr?«

»Zehn Prozent des fakturierten Aufwands oder des Wertes des Wiederbeschafften, je nachdem, was höher liegt.« Allmen waren Honorar­ge­sprä­che immer etwas peinlich. Aber Dalia Gutbauer offensichtlich nicht.

»Kommt es oft vor, dass Ihr Honorar höher ist als zehn Prozent des Wertes des Diebesguts?«, erkundigte sie sich lächelnd.

»Es gibt Fälle, in denen es um den imma­te­ri­el­len Wert geht. Und der liegt manchmal weit über dem tatsächlichen«, gab Allmen etwas formell zur Antwort.

»Dann gehen Sie meinetwegen von diesen drei­einhalb Millionen aus. Materiell. Im­ma­te­riell das Doppelte.«

Allmen machte sich eine Notiz.

»Nächste Frage«, sagte Madame Gutbauer.

Allmen ging seine Standardfragen durch, die er mit Carlos’ Hilfe memoriert hatte wie ein Schü­ler seine Vokabeln. Haben Sie einen Verdacht? Haben Sie etwas beobachtet? Wer hat alles Zugang zur Wohnung? Wer wusste von dem Bild?

Die Damen hatten weder einen Verdacht noch etwas beobachtet. Frau Talfeld diktierte ihm die Namen der Leute, die Zugang zur Wohnung hatten und von dem Bild wussten, während Dalia Gutbauer eine Goldkette aus ihrem Schling­kragen fischte, an der ein roter Funk­sen­der hing. Sie drückte darauf, und einen Augen­blick später betrat die Pflegerin den Raum und half Madame Gutbauer auf die Beine.

Allmen erhob sich und bot ihr seinen Arm. Ihre krumme Hand mit den perfekten roten Nägeln hielt sich daran fest wie die Krallen eines Falken.

»Das Administrative erledigt Frau Talfeld, nicht wahr, Cheryl?«, sagte sie. Und: »Ich verlasse mich auf Sie, Allmen. Ich will das Bild zurück.«

Er sah ihr zu, wie sie ihr Gehgestell aus dem Salon wuchtete und unter den wachsamen Augen ihrer Pflegerin im Korridor verschwand.

Sobald sie wieder allein waren, bemerkte Frau Talfeld: »Ich nehme an, Sie brauchen einen Vorschuss.«

»Ach so«, antwortete Allmen vage, »unsere Buchhaltung wird gegebenenfalls auf Sie zu­kommen.«

Leseprobe aus »Allmen und der rosa Diamant«

Allmen hatte schon viel Gutes über das Haus gehört. Der nachtblaue Bentley Mulsanne, der ihn vom Flughafen Rostock abholte, schien diesen guten Ruf zu bestätigen.
Das Polster war aus schnurfarbenem Leder, das Furnier aus dunklem Vavona, der Fahrer war ein schweigsamer Uniformierter, der das Fahrzeug mit der Sicherheit und Rücksicht eines alten Herrschaftschauffeurs steuerte.
Allmen genoss die Fahrt von Rostock nach Heiligendamm. Er lehnte sich zurück und betrachtete die vorbeiziehenden Alleen, die ab und zu von Gehöften mit schweren Rieddächern unterbrochen wurden. In diesem Moment war der Beruf des Ermittlers genau nach seinem Geschmack.
Im Grand Duc wurde er wie ein alter Stammgast begrüßt. Der Direktor war schon bei der Einfahrt des Bentleys in das Hotelareal informiert worden und erwartete den Herrn von Allmen in der Lobby. Er gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass das Wetter sich schon am nächsten Tag bessern werde und begleitete den neuen Gast zum Empfang, wo er ihn der Obhut einer Rezeptionistin anvertraute.
Diese hatte den Meldezettel so weit vorbereitet, dass Allmen nur noch zu unterschreiben brauchte. Einzig, als sie ihn um einen Abdruck seiner Kreditkarte bat, entstand eine kleine Unebenheit im reibungslosen Ablauf der Empfangsformalitäten.
»Kreditkarte?«, wunderte sich Allmen, »eine Kreditkarte habe ich nie besessen und werde ich auch nie besitzen.« Er zeigte sein bezauberndstes Lächeln. »Aber ich nehme doch an, Sie nehmen auch richtiges Geld?«
Die Rezeptionistin erwiderte sein Lächeln, entschuldigte sich aber doch für einen Augenblick und verschwand im Büro hinter dem Empfangstresen. Kurz darauf kam sie zurück, erneut lächelnd. Die Kreditkarte erwähnte sie mit keinem Wort mehr. »Wenn ich Ihnen jetzt bitte Ihre Suite zeigen dürfte?«
Auf dem Weg zum Lift bestätigte Allmen, dass dies sein erster Besuch im Grand Duc sei. Im Lift versicherte er ihr, dass er gut gereist sei und auch nicht zu müde von den Strapazen. Im Korridor gab er sich beruhigt über die Aussicht, dass sich das Wetter bessern werde. Und im Zimmer zeigte er sich befriedigt über selbiges.
Daran gab auch tatsächlich nichts auszusetzen. Es besaß ein geräumiges Schlafzimmer mit anschließendem Bad, eine separate Toilette, einen begehbaren Schrank und einen großen Salon mit Blick auf die Ostsee und den mit Strandkörben besetzten Strand. Allmen hatte sich für die höchste Zimmerkategorie entschieden. Er sah nicht ein, weshalb er auf Firmenkosten bescheidener logieren sollte als auf eigene.
Carlos hatte noch am Vortag die Rechnung über den zweiten Vorschuss an Montgomery gemailt, Fälligkeit bei Erhalt. Begründung: Aufwand für grenzüberschreitende Ausweitung der Recherchen. Wohin, hatten sie nicht präzisiert. Falls doch eine Verbindung zwischen Montgomery und den anderen Ermittlern bestand, wollten sie ihren möglichen Vorsprung nicht aufs Spiel setzen.
Allmen rechnete jeden Moment mit dem Zahlungseingang auf dem Firmenkonto. Er hatte also keinen Grund, sich finanzielle Sorgen zu machen und nahm sich vor, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.

Noch nie, auf keiner seiner zahlreichen Reisen, hatte er das Meer so erlebt wie hier. Dieser mächtige Gleichmut, diese verhaltene Verheißung, diese geheimnisvolle Symbiose zwischen Nord und Süd.
Obwohl der Himmel bedeckt war, war das Klima mild, sanft, schmeichlerisch, feucht, fast tropisch. Nur das Licht war anders. Ernster, feierlicher.
Ein langer Bootssteg ragte weit ins Wasser hinaus, wie eine Brücke zu einem verschwundenen Ufer. Darauf waren ein paar Menschen zu sehen. Sie bewegten sich in beide Richtungen. Langsam, wie Schiffspassagiere, die den Abschied oder die Ankunft hinauszögern wollten.
Noch bevor Allmen seine Koffer auspackte und die Schränke einräumte, zog er die Badehose an, schlüpfte in den Bademantel und ging zum Strand. Nur wenige Körbe waren besetzt.
Er warf den weißen Frotteemantel mit dem Hotelemblem in den feinen Sand und ging zum Wasser.
Es war nicht so kalt, wie es aussah, und er konnte es über einen Sandteppich betreten, der so sanft abfiel, dass ihm genügend Zeit blieb, seinen Körper an die Abkühlung zu gewöhnen.
Erst als er den Kontakt zum Boden verlor, begann er zu schwimmen. Und erst als er den äußersten Punkt des Landestegs hinter sich gelassen hatte, wendete er.
Er sah den Strand, die Körbe, die Schirme und die schneeweißen Hotelpaläste.
Irgendwo dort war der Mann, den er suchte.

Am nächsten Tag war das Wetter noch schlechter. Allmen hatte nach alter Gewohnheit um sieben Uhr einen Tee ans Bett bestellt und vom Zimmerkellner den Ratschlag bekommen, noch lange liegenzubleiben.
Zwei Stunden später wurde er von Regenböen geweckt, die gegen die große Fensterfront prasselten.
Die Schwalben, die sonst unentwegt für ihre Brut Versorgungsflüge flogen, warteten jetzt aufgeplustert vor den Nestern der nahen Schwalbentürme auf das Nachlassen des Regens.
Am Abend zuvor hatte sich Allmen früh sein Abendessen aufs Zimmer bestellt. Danach war er durch die Hotelanlage geschlendert und hatte dabei unauffällig die verschiedenen Restaurants, die Lobby, den Rauchsalon, die Bibliothek und die Bar abgesucht. Er war niemandem begegnet, der Sokolow ähnlich sah. War er inzwischen abgereist?
Nach seinem Rundgang telefonierte er mit Carlos und bat ihn, im Hotel anzurufen und Sokolow zu verlangen. Kurz darauf rief Carlos zurück mit der Auskunft, Herr Sokolow sei außer Haus und werde erst morgen wieder erwartet.
Allmen war beruhigt zu Bett gegangen und hatte wunderbar geschlafen. Nach dem Early Morning Tea hatte er sich das Frühstück aufs Zimmer bestellt: Milchkaffee, Croissants, Butter und Honig, Rührei mit Schinken und etwas geräucherten Aal. Eine nahrhafte Mahlzeit. Er hatte vor, es später den Unentwegten gleichzutun, die er unten am Strand trotz der Witterung in die Brandung springen sah.
Um zehn Uhr rief er Carlos an. Allmen wusste, dass er heute Vormittagsdienst hatte und um diese Zeit sein Handy einschaltete. Denn um zehn Uhr machte er seine Pause. Wie jeder Mensch spanischer Sprache, wo immer auf der Welt.
Carlos war »sin novedad, gracias a Dios«. Eine Redensart aus seiner Heimat Guatemala, wo Neuigkeiten in der Regel nichts Gutes bedeuten. Ohne Neuigkeiten, Gott sei Dank.
Von Montgomery hatte Carlos nichts gehört, was Allmen hoffen ließ, dass dieser den zweiten Vorschuss geschluckt hatte. Geld war allerdings noch keines auf dem Konto eingetroffen. Carlos würde in der Mittagspause wieder den Kontostand von Allmen International prüfen, versicherte er ihm.
Kurz nach dem Anruf ließ der Regen nach. Allmen packte die Strandtasche, eine geflochtene, mit Kunststoff gefütterte Einkaufstasche mit dem Hotelemblem. Er zog eine Badehose an und darüber ein paar verwaschene Chinos. In einem Sweatshirt mit dem Charterhouse-Emblem und seiner geliebten alten Barbour-Windjacke, die Carlos ihm vor der Abreise frisch eingewachst hatte, verließ er seine Suite.
Auf dem Gang begegnete er der Gouvernante. Es war eine großgewachsene knochige Frau Mitte vierzig.
»Schmierig, heute«, sagte sie.
Allmen verstand nicht.
»Es regnet aus allen vier Himmelsrichtungen«, erklärte sie.
»Ach, und dazu sagt man schmierig?«
»Ich sag dem so.«
Gouvernanten waren nach Allmens Hotelerfahrung fast so wichtig wie Concièrges und Maîtres d'Hôtel. Wer sich mit ihnen gut stellte, der hatte stets ein aufgeräumtes Zimmer, dem wurden kleine Sonderwünsche erfüllt, dessen Wäsche kam schnell aus der Wäscherei, dessen Anzüge waren gebürstet und aufgebügelt, dessen Kleenex aufgefüllt und dessen Bademantel täglich frisch. Allmen erkundigte sich nach ihrem Namen, gab ihr hundert Euro Trinkgeld und wünschte ihr einen nicht allzu schmierigen Tag.
Frau Schmidt-Gerold hieß sie. Er merkte sich den Namen.
Das Gittertor zum Strand war verschlossen. Erst als der unterbeschäftigte Strandwärter herbeeilte, begriff Allmen, dass man es mit der Zimmerkarte öffnete.
Er ließ sich einen Strandkorb herrichten, machte es sich bequem, starrte auf den Strand und schaute den Möwen zu.
Lange verharrten sie reglos. Urplötzlich sammelten sie sich kreischend, flogen undurchschaubare Figuren und ließen sich nieder, um wieder reglos zu verharren.
Oder sie trippelten am Rande der Brandung und warteten auf essbares Strandgut im zurückfließenden Wasser.
In der Ferne waren drei Containerschiffe zu erkennen. Etwas näher ein Trawler. Vom Strand stieß der kleine Katamaran der hoteleigenen Segelschule ab, an Bord ein paar Kinder in riesigen, leuchtfarbenen Schwimmwesten.
Aus der grauen Wolkenschicht vor dem hellgrauen Wolkenhintergrund hing ein dünner Wolkensack fast bis zum Meer herunter.
Allmen nahm ein Buch aus der Strandtasche und begann zu lesen. The House on the Strand von Daphne du Maurier.
Eine Stunde später wurde er abrupt von etwas aus dieser wunderbaren Zeitreise in die Gegenwart zurückgeholt. Er brauchte einen Moment, bis ihm klar wurde, was es war.
Eine russische Männerstimme.

Er hatte nicht bemerkt, dass sich das Wetter gebessert hatte. Es hatte aufgehört zu regnen, der Wind hatte sich gelegt, und manchmal ließ die Wolkendecke sogar ein paar Sonnenstrahlen durch.
Allmen stand von seinem Strandkorb auf und sah sich um.
Es waren jetzt einige Hotelgäste an den Strand gekommen. Viele hatten ihre Körbe so gedreht, dass die raren Sonnenstrahlen nicht wie bei Allmen nur die Rückwand trafen. Kinder spielten im Sand, und ein paar Tische bei der Strandbar waren besetzt.
Die russische Stimme war genau hinter ihm. Sie klang nicht nach einem knapp Vierzigjährigen, sie musste einem alten Mann gehören. Sie erzählte gemächlich von einer anderen Zeit.
Allmen hörte zu. Militärische Ränge kamen vor, und Ausdrücke wie Kantonnement, Feldküche, Offiziersmesse, Wachkommando, Inspektion. Der alte Mann erzählte vom Militär. Und bald wurde Allmen klar, dass er von der Zeit sprach, als das Grand Duc von der Roten Armee requiriert war und er als junger Offizier die, wie er es nannte, schönste Zeit des Krieges verbracht hatte.
Die Stimme des anderen Mannes klang jünger. Aber sie beschränkte sich auf einsilbige Kommentare und Ausdrücke der Bewunderung, Überraschung und des Erstaunens.
Allmen ging zwischen den Körben vorbei zur Strandbar. So konnte er einen Blick auf den Erzähler werfen. Es war ein sehr bleicher Mann, dessen Körperfülle beide Plätze des Strandkorbs in Anspruch nahm. Er hatte den Kopf zurückgelehnt und und sah mit halbgeschlossenen Augen auf den Mann hinunter, der vor ihm im Sand kauerte.
Der Zuhörer hatte Allmen den Rücken zugewandt, er konnte sein Gesicht nicht sehen. Aber sein Haar war schütter. Und dunkelblond.
An der Strandbar bestellte Allmen ein Glas Champagner. Gegen das Herzklopfen.
Der Strandkorb Nummer zweiunddreißig war nur von hinten zu sehen. Allmen behielt ihn im Auge. Auf dem Rückweg würde er von der anderen Seite daran vorbeigehen und so einen Blick auf den Zuhörer werfen können. Nach dem zweiten Glas hatte das Herzklopfen aufgehört, und die Mischung aus Euphorie und Sorglosigkeit, für die er dieses Getränk so liebte, hatte sich eingestellt.
Er unterschrieb die Rechnung und gab dem Barmann ein Trinkgeld, das diesem helfen würde, sich Allmens Namen und Zimmernummer zu merken. Dann schlenderte er zu seinem Korb zurück.
Der alte Mann war noch immer am Erzählen. Aber der Zuhörer kauerte nicht mehr, er stand. Es war ein kleiner Mann, er kam nicht annähernd auf den einen Meter neunzig von Sokolow. Sein Gesicht war rundlich, und seine Augen lagen nicht tief.
Allmen setzte sich wieder in seinen Korb und widmete sich seiner Lektüre.
Nach einer Weile machte sich der Strandwächter am Nachbarkorb zu schaffen. Schloss ihn auf, entfernte das Holzgitter, zog die Fußstützen heraus, klopfte den Sand ab.
»Danke«, sagte der Gast, der ihn begleitete. »Bitte bringen Sie mir einen Milchkaffee.«
Sein Akzent ließ Allmen aufblicken.
Der Mann war groß, hatte ein schmales Gesicht, schütteres, dunkelblondes, nach hinten gekämmtes Haar und tiefliegende Augen.

Bereits am zwölften Tag nach der Auftragserteilung hatte Allmen International Inquiries den Gesuchten also ausfindig gemacht.
Eine Erfolgsmeldung, mit der Allmen gerne sofort bei seinem Auftraggeber aufgetrumpft hätte. Aber er musste sich noch ein wenig gedulden. Natürlich wollte er sich erst mit Carlos absprechen.
Allmen zog Hose und Sweatshirt aus und ging ins Wasser. Er schwamm eine Weile, bis er das Gefühl hatte, er könne nun zu seinem Korb zurückgehen und dabei Sokolow beobachten, ohne den Eindruck zu erwecken, er sei einzig deswegen ins Wasser gegangen.
Der Russe saß mit angezogenen Beinen quer in seinem Strandkorb. Er hatte einen kleinen Laptop auf den Knien und tippte. Als Allmen an ihm vorbeiging, sah er kurz auf und konzentrierte sich sofort wieder auf seinen Bildschirm.
Allmen massierte sich die Haare trocken und schielte dabei unter dem Frottiertuch hervor. Sokolow war nicht zum Baden gekleidet. Seiner Haut sah man nicht an, dass er schon über einen Monat in einem Seebad verbracht hatte. Er sah harmlos aus. Harmlos und ein wenig einsam.
Noch fast eine Stunde, bis Allmen Carlos anrufen konnte. Er verbrachte sie lesend, keine zwei Meter neben dem Mann, der ihnen - wenn alles gut lief - zu eins Komma acht Millionen verhelfen würde.
Zwanzig Minuten zu früh packte Allmen seine Strandtasche. Im Vorbeigehen nickte er seinem neuen Korbnachbarn zu. Dieser hatte den Sonnenstore so tief heruntergezogen, wie es nur ging, und blickte nicht von seinem Laptop auf.
»Jetzt, wo es endlich schön wird, gehen Sie?«, wunderte sich der Strandwächter. Allmen gab ihm ein Trinkgeld und bat ihn, den Strandkorb Nummer siebzehn für die ganze Zeit seines Aufenthalts für ihn zu reservieren.
Punkt zehn nach zwölf rief er zu Hause an.
»Allmen International«, meldete sich Carlos mit seinem spanischen Akzent.
»Ich habe ihn, Carlos«, meldete Allmen.
„Felicitaciones!“
Allmen berichtete ihm kurz, wie er ihn angetroffen hatte, von der zufälligen Strandkorbnachbarschaft und von dem Eindruck, den Sokolow auf ihn machte.
»Wenn Sie ihn gefunden haben, hat Mongomery gesagt, beschatten Sie ihn und informieren uns. Dann besprechen wir das weitere Vorgehen.«
Sie schwiegen. Beide dachten dasselbe. Es war Allmen, der es aussprach:
»Wir trauen ihm nicht, nicht wahr, Carlos?«
»No, Don John.«
»Ist das Geld überwiesen?«
»Leider nicht, Don John.«
»Sehen Sie.«
»Una sugerencia, nada más.«
»Ja?«
»Wir informieren ihn, dass er gefunden ist. Aber wir sagen nicht, wo.«
Allmen dachte darüber nach. Die Idee gefiel ihm. So konnten sie erfahren, wie Montgomery weiter vorgehen wollte, ohne zu riskieren, dass er ihnen die Beute wegschnappte. »So machen wir’s.«
»Aber… Don John?«
»Ja?«
»Sie sollten Ihr Handy ausschalten und nicht mehr benutzen. Handys kann man orten.«

Leseprobe: Kapitel zwei aus »Allmen und die Libellen«

Vormittags um halb elf war eine angenehme Stunde im Viennois, vielleicht die angenehmste.
Alles Abgestandene der vergangenen Nacht hatte sich verflüchtigt, und das Muffige des Tages sich noch nicht festgesetzt. Es roch nach der fauchenden Lavazza, an der Gianfranco gerade die Milch für einen Cappuccino aufschäumte, den Croissants auf Tresen und Tischchen und den Parfums und Eaux de Toilette der paar Müßiggänger und Flaneure, denen um diese Zeit das Viennois gehörte. Einer von ihnen las ein Buch. Ein englisches Paperback, dem er den Rücken gebrochen hatte, damit er es einhändig lesen konnte wie einen Kioskroman und die andere Hand frei hatte für sein spätes Frühstück und die kalte Zigarettenspitze, mit der er sich seit Jahren das Rauchen abgewöhnte. über der Lehne seines zweisitzigen Plüschfauteuils lag ein beiger Regenmantel. Er trug einen mausgrauen, auch in dieser zusammengesunkenen Stellung noch annehmbar sitzenden Anzug, eine schmale, kleingemusterte Krawatte und ein eierschalenfarbenes Hemd mit weichem, kleinem Kragen. Er mochte etwas über vierzig sein. Sein gutgeschnittenes Gesicht hätte eine etwas weniger platte Nase verdient. Auf dem weißgedeckten Tischchen standen ein leerer Unterteller aus schwerem Porzellan mit den überbleibseln eines Croissants und eine fast leere Tasse, an deren Innerem sich ein Milchschaumbelag festgesetzt hatte. Der Mann war einer der letzten Gäste des Viennois, die »eine Schale« bestellten, wie man früher den Milchkaffee nannte. Gianfranco brachte eine neue Tasse an den Tisch und stellte die ausgetrunkene auf den freigewordenen Platz auf dem ovalen Chromtablett. »Signor Conte«, murmelte er. »Grazie«, antwortete Allmen, ohne aufzuschauen.
Sein voller Name lautete von Allmen, mit Betonung auf dem von, wie Vonäsch, Vonlanthen oder von Arx. Es war ein sehr verbreiteter Familienname mit tausendsiebenhundertachtunddreißig Telefonbucheinträgen und hatte ursprünglich keine andere Bedeutung, als dass sein Träger von den Alpen kam. Aber schon in jungen Jahren hatte von Allmen in einer republikanischen Geste auf das »von« verzichtet und diesem damit eine Bedeutung verschafft, die es nie besessen hatte. Mit seinen beiden Vornamen Hans und Fritz, die er nach Familientradition von seinen beiden Großvätern geerbt hatte, war er umgekehrt verfahren. Er hatte ihnen den bäurischen Geruch genommen, indem er schon früh den bürokratischen Aufwand auf sich genommen hatte, sie amtlich zu Johann und Friedrich zu veredeln. Von seinen Freunden ließ er sich John nennen, Fremden stellte er sich knapp und bescheiden als Allmen vor. Aber in offiziellen Dokumenten hieß er Johann Friedrich von Allmen. Und die Briefumschläge, die er vor dem späten Frühstück im Viennois von seinem Postfach abholte und achtlos neben die Kaffeetasse legte, waren an Herrn Johann Friedrich v. Allmen adressiert, wie es in seinem Briefkopf stand. Diese Schreibweise sparte nicht nur Platz, sie verschob den Akzent auch automatisch vom »O« des »von« auf das »A« von »Allmen«. Und hatte ihm auch zum nur halb scherzhaften Ehrentitel »Conte« verholfen, den ihm Gianfranco verliehen hatte. Die meisten Nach-zehn-Uhr-Gäste des Viennois kannten sich. Trotzdem hielten sie sich streng an ihre ungeschriebene Sitzordnung. Die einen allein an ihren Tischchen, die sie mit allerlei Mänteln, Handtaschen, Mappen und Lesestoff belegten, damit ja niemand auf die Idee kam, sich dazuzusetzen. Andere zu zweit mit immer demselben Partner, wieder andere mit einer Stammtischrunde in ebenfalls gleichbleibender Besetzung. Manche der Nach-zehn-Uhr-Gäste grüßten sich vernehmlich, manche nickten sich stumm zu, manche ignorierten sich seit Jahren. Eine der Stammtischrunden befand sich zwei Tische von Allmens Tisch entfernt. Vier Ladenbesitzer, alle um die sechzig, trafen sich dort täglich außer sonntags von Viertel nach zehn bis Viertel vor elf. Ihre und Allmens Präsenzzeiten überschnitten sich jeweils um eine Viertelstunde. Einen der vier kannte Allmen etwas näher. Er besaß ganz in der Nähe ein gehobenes Antiquitätengeschäft. Sein Name war Jack Tanner. Ein eleganter Mann Ende fünfzig, der sich in seinen Antiquitäten bewegte, als seien sie nicht zum Verkauf bestimmt, sondern einzig zur Befriedigung seiner ästhetischen Ansprüche. Allein durch seine Erscheinung rechtfertigte er die überhöhten Preise seines Angebots. Er war von der für seinen Beruf unabdingbaren Diskretion, sowohl was seine Käufer als auch seine Verkäufer betraf. Das hatte Allmen dazu bewogen, sich für ihn zu entscheiden, wenn er gezwungen war, gewisse bessere Stücke aus seiner Sammlung zu veräußern. Nie ließen sich die beiden bei ihren flüchtigen Begegnungen im Viennois auch nur im Geringsten anmerken, dass sie auch geschäftlich gewisse Berührungspunkte besaßen. Vor dem Schaufenster neben Allmens Tischchen begannen die Passanten ihre Schirme aufzuspannen. Die graue Suppe über den Dächern nieselte jetzt als kalter Wasserstaub auf die Stadt. Allmen verschob seinen Aufbruch und bestellte noch eine Schale. Es war kurz nach halb zwölf, als er sich zum Gehen bereitmachte, obwohl das Wetter sich nicht gebessert hatte. Er gab Gianfranco das Zeichen für die Rechnung, unterschrieb sie und drückte dem Ober eine Zehnernote in die Hand. Allmen hatte gelernt, das bisschen Geld, über das er noch verfügte, in seine Kreditwürdigkeit zu investieren anstatt in seinen Lebensunterhalt. Gianfranco brachte ihm den Mantel und begleitete ihn zum Ausgang. Er blickte der Gestalt, die mit hochgeschlagenem Mantelkragen zwischen den Regenschirmen verschwand, versonnen nach und murmelte: »Un cavaliere

Hörbuch Allmen und der rosa Diamant Hörbuch Allmen und die Libellen Hörbuch Allmen und die Dahlien Hörbuch Allmen und die verschwundene María
Gelesen von Gert Heidenreich
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Martin Suter

Allmen und der rosa Diamant

Roman – Diogenes

Leinen, 224 Seiten
ISBN 978-3-257-06799-6
€ (D) 18.90/ sFr 29.90
€ (A) 19.50

Hörbuch
4 CD, 277 Min.
ISBN 978-3-257-80313-6
€ 24.90/ sFr 42.90

Die Allmen-Serie geht weiter: Ein sehr wert­voller rosa Diamant ist verschwunden, und ebenso ein mysteriöser Russe mit Wohnsitz in der Schweiz, der verdächtigt wird, ihn ent­wendet zu haben. Das Duo Allmen/Carlos soll ihn ausfindig machen, und die Spur führt von London über diverse schäbige Zürcher Außen­quartiere zu einem Grandhotel im deutschen Ostseebad Heiligendamm, und zurück zum Gärtnerhaus der Villa Schwarzacker. Wo es bald sehr ungemütlich wird …

Martin Suter

Allmen und die Libellen

Roman – Diogenes

Leinen, 208 Seiten
ISBN 978-3-257-06777-4
€ (D) 18.90/ sFr 33.90
€ (A) 19.50

Hörbuch
4 CD, 244 Min.
ISBN 978-3-257-80305-1
€ 24.90/ sFr 43.90

Allmen, eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, hat über die Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht. Das hochherrschaftliche Anwesen musste er verkaufen, er hat sich mit seinem lebenserfahrenen Faktotum Carlos aus Guatemala ins bescheidene Gärtnerhaus zurückgezogen.
So schlecht er mit Geld umgehen kann, so virtuos beherrscht er den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Bredouille. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt.
Bis ihn nach einem alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die See-Villa ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden Jugendstil-Schalen entdeckt, jede ein kleines Vermögen wert. Und jede mit einem Geheimnis behaftet.
Eine Herausforderung, an der er wachsen – oder die ihn das Leben kosten kann.

Martin Suter

Allmen und die Dahlien

Roman – Diogenes

Leinen, 224 Seiten
ISBN 978-3-257-06860-3
€ (D) 18.90/ sFr 26.90
€ (A) 19.50

Hörbuch
4 CD, 280 Min.
ISBN 978-3-257-80338-9
€ 24.90/ sFr 35.90

Ein millionenschweres Dahlienbild von Henri Fantin-Latour wird entwendet und Allmen International Inquiries mit der Ermittlung beauftragt. In der Tat ein Fall für Allmen, Carlos und dessen reizende Lebensgefährtin María Moreno, die seit kurzem das Duo bereichert, und nicht weniger pikant als die beiden letzten Fälle.
Denn das Bild war bereits Diebesgut, bevor es die unrechtmäßige Besitzerin wechselte. Und die alte Dame, die es besaß – Dalia Gutbauer, steinreiche Erbin und Inhaberin eines in die Jahre gekommenen Luxushotels –, hat eigentlich Geld genug, um einfach einen neuen Fantin-Latour zu erwerben. Warum bloß hängt sie so an diesem Bild?
Johann Friedrich von Allmen begreift recht spät, auf welch glattem Parkett er hier auch ermittelt. Unter halbseidenen Halbganoven sowie unter seinesgleichen: heimlichen Experten im Kein-Geld-Haben, mit mehr Ansprüchen als Mitteln. Doch eines ist noch gefährlicher: alternde Männer mit jungen Frauen.

Martin Suter

Allmen und die verschwundene María

Roman – Diogenes

Leinen, 224 Seiten
ISBN 978-3-257-06887-0
€ (D) 18.90/ sFr 26.90
€ (A) 19.50

Hörbuch
4 CD, 297 Min.
ISBN 978-3-257-80345-7
€ 24.90 / sFr 35.90

Eben noch hat sich Allmen International über die erfolgreiche Wiederbeschaffung des wert­vollen Dahlienbildes gefreut, da verschwindet Carlos' Lebensgefährtin María Moreno. Kein Liebesstreit, wie Allmens Faktotum erst vermutet hat, sondern die brutale Revanche derer, die sich ihrerseits beraubt fühlen. María gegen das Dahlienbild – so lautet die Forderung der Ganoven. Doch sie haben ihre Rechnung ohne die alte Dalia Gutbauer ge­macht. Denn die ist nicht bereit, das Bild wieder herauszurücken, und hat ihre eigenen Vorstellungen, was mit ihm geschehen soll. Damit bringt sie Allmen und Carlos und natür­lich María in eine äußerst prekäre Situation. Handeln tut not, und in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit gibt jeder sein Bestes.

Foto Martin Suter
© Bastian Schweitzer / Diogenes Verlag
Cover Honoré de Balzac, Die Frau von dreißig Jahren Cover W. Somerset Maugham, Der Büchersack Georges Simenon, Maigret und Pietr der Lette
Cover Anton Cechov, Anna am Halse Cover Rainer Brambach, Gesammelte Gedichte
Zum Interview Zum Impressum Der rosa Diamant Der rosa Diamant Der rosa Diamant Animierte Dahlie Animierte Dahlie Animierte Dahlie Animierte Dahlie
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