Filter

  • Neuste Beiträge
  • Archiv
  • Monat
  • Foto/ Video/ Audio
  • Esther Schüttpelz über ihren neuen Roman und die Kunst, sich beim Schreiben an die eigene Wahrheit heranzutrauen

    Es ist das Normalste der Welt: Eine Frau geht mit einer Freundin ins Kino, der Abend ist schön, der Film ganz passabel. Danach setzt sie sich in ihr Auto und fährt heim –  bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Immer weiter entfernt sie sich von ihrem Zuhause, ihrem Mann und dem Leben, das dort auf sie wartet.

    Esther Schüttpelz wirft in ihrem zweiten Roman Grüne Welle mit kleinstmöglichem Personal und gewaltigem Sog unser Kopfkino an: Was zunächst aussieht wie eine Irrfahrt, wird mit jedem Kilometer mehr zu einer Flucht vor der Gegenwart, einer Reise in die Vergangenheit.

    Im Interview erzählt die Autorin, weshalb ihre Protagonistin immer weiter fahren muss, warum sie keinen Namen trägt und welche tragende Bedeutung Freundschaft in ihrer Geschichte einnimmt.

    Foto: Julia Sellmann / © Diogenes Verlag

    In Ihrem zweiten Roman Grüne Welle steigt eine Frau nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin ins Auto und fährt nicht zu ihrem eigentlichen Ziel, ihrem Haus, wo ihr Mann auf sie wartet, sondern wie von einem unsichtbaren Faden gezogen einfach weiter. Innerhalb einer Nacht und des darauffolgenden Tages durchläuft sie eine rasante Entwicklung. Was ist ihr Antrieb?
    Das ist genau die Frage, die der Text stellt und gerade nicht eindeutig beantwortet. Man wird sagen müssen, dass die Frau zunächst von Angst angetrieben wird. Sie möchte nichts falsch machen und fürchtet sich vor Konsequenzen, die, egal wie sie sich entscheidet, überall auf sie zu warten scheinen. Deshalb entscheidet sie nichts. Jedenfalls nicht bewusst.

    Wie auch in Ihrem Debütroman Ohne mich bleibt »sie«, die Protagonistin, »die Frau« – bis auf eine spielerische Ausnahme – namenlos. Weshalb? Und warum ist die Ausnahme wichtig?
    Die Ausnahme ist, ohne jetzt zu viel vorwegzunehmen, in der Tat wichtig, und ihre Bedeutung ist mit ihrem Ausnahmecharakter unmittelbar verknüpft. Es hat sich dadurch eigentlich wie von selbst ergeben, dass »die Frau« im Regelmodus »die Frau« bleibt.

    Freundschaft spielt eine zentrale Rolle in Grüne Welle. Darin treten zwei Freundinnenpaare auf – die Frau und die Freundin der Frau, außerdem die zwei Mitfahrerinnen. Welche Bedeutung haben diese Freundschaften, und verändert sich Freundschaft mit dem Älterwerden? Auch in Hinblick auf das sich zunächst diffus andeutende und im Hintergrund schwebende Thema der häuslichen Gewalt?
    Freundschaft ist ein ganz zentrales Thema des Textes. Natürlich verändert sich Freundschaft ständig, und ich denke, es lohnt sich, da hinzuschauen, Freundschaften ernst zu nehmen als Quelle allen möglichen Glücks und Unglücks. Die Frau im Roman hat mit ihrer Freundin vielleicht ihren ersten richtigen Heartbreak erlebt und offenbar Spuren davongetragen. Gleichzeitig bleibt diese Freundschaft ihr Rettungsanker, sosehr sie sich auch verändert hat. Das klingt kitschig und ist es auch. Meiner Erfahrung nach ist es aber wirklich wahr, und wenn mir eines beim Schreiben von Grüne Welle wichtig war, dann, mich an meine Wahrheit heranzutrauen, sie nicht zu ironisieren. Den halbherzigen Zynismus habe ich auf die Frau ausgelagert, mir als Autorin habe ich ihn verwehrt, was teilweise durchaus beängstigend war.

    Grüne Welle
    Im Warenkorb
    Download Bilddatei
    Kaufen

    Kaufen bei

    • amazon
    • bider und tanner
    • buchhaus.ch
    • genialokal.de
    • hugendubel.de
    • kunfermann.ch
    • orellfuessli.ch
    • osiander.de
    • Schreiber Kirchgasse
    • thalia.at
    • thalia.de
    • tyrolia.at

    Grüne Welle

    Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim – bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.


    Hardcover Leinen
    208 Seiten
    erschienen am 25. Februar 2026

    978-3-257-07381-2
    € (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70
    * unverb. Preisempfehlung
    Auch erhältlich als

     

    Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, studierte Jura in Münster und arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman Ohne mich wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland.

    Weiterlesen
  • Micha Lewinsky über Flucht, Aufbrechen und Ankommen

    Was würden Sie tun, wenn Krieg ausbricht? Wohin würden Sie gehen? Und mit wem?

    Micha Lewinskys Romandebüt Sobald wir angekommen sind hallt lange in uns nach und stellt uns vor genau diese Fragen. Zugleich ist es ein schwungvoller Text, der durch humorvolle Passagen und die neurotischen Charakterzüge des Protagonisten Ben Oppenheim immer wieder für Leichtigkeit sorgt. Im Diogenes Interview spricht der Autor über die besondere Mischung aus Komödie und Drama, über die Rolle, die das jüdische Leben in seinem Roman spielt, und über die erschreckende Aktualität des Weltgeschehens, das er in seiner Geschichte skizziert.

    Foto: © Doris Fanconi
    Weiterlesen
  • Peter Zantingh über seinen Roman ›Zwischen uns und morgen‹ und die Playlist zum Buch

    Haben Sie den neuen Roman von Peter Zantingh schon in unserem letzten Blogpost entdeckt? Zwischen uns und morgen ist Teil unserer neuen Reihe Diogenes Tapir und erzählt von einem jungen Paar, das sich zwischen sehnlichem Kinderwunsch und der Verantwortung für ein neues Leben in Zeiten des Klimawandels beinahe verliert. Die Frage, die dem Roman zugrunde liegt: Wie vertretbar ist es, ein Kind in diese Welt zu bringen, in der eine Naturkatastrophe die nächste jagt?

    Die Lektüre von Zwischen uns und morgen lässt sich wunderbar musikalisch untermalen: Wie schon bei seinem ersten Roman Nach Matthias teilt Peter Zantingh seine Playlist zum Buch und lässt uns damit noch intensiver in die Atmosphäre der Geschichte eintauchen. Wir haben den Autor gefragt, wie die Playlist zustande kam und was sie ihm bedeutet. Peter Zantinghs Antwort darauf lesen Sie in diesem Blogbeitrag. Wir freuen uns außerdem, Ihnen in unserem Diogenes Interview mit dem Autor Einblick in diesen aktuellen und berührenden Roman und seine Entstehung geben zu dürfen.

    Foto: Maurice Haas / © Diogenes Verlag
    Weiterlesen
  • Vorwort aus Thomas Meyers ›Hat sie recht?‹

    Das Leben stellt uns vor viele Fragen. In seiner Kolumne Meyer rät hat Thomas Meyer, der Autor von Trennt euch!, einige davon beantwortet – und gibt unkonventionelle sowie erfrischende Denkanstöße. Einige davon sind jetzt neu im Paperback Hat sie recht? erschienen. Im Vorwort verrät Meyer die Philosophie hinter seinen Ratschlägen.

    Foto: Lukas Lienhard / © Diogenes Verlag
    Weiterlesen
  • »Familie beruht auf unseren Träumen, Wunschvorstellungen und Projektionen.« Ein Gespräch mit Caroline Albertine Minor

    In ihrem neuen Roman Der Panzer des Hummers erzählt Caroline Albertine Minor die Geschichte der drei Geschwister der Familie Gabel, die sich nach dem Tod der Eltern auseinandergelebt haben. Ein zärtliches und beglückendes Buch über die Suche nach Familie, Vergangenheit und Identität. Im Gespräch erzählt sie, wie ein Vortrag sie zu der Geschichte inspirierte und über die Veränderung des Konzepts ›Familie‹.

    Foto: © Martin Reinard
    Weiterlesen
  • »Es wäre schön, wenn die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, nicht verloren ginge.« Ein Interview mit Stefanie vor Schulte

    In ihrem Debütroman Junge mit schwarzem Hahn erzählt Stefanie vor Schulte die Geschichte des elfjährigen Martin. Er besitzt nichts bis auf das Hemd auf dem Leib und seinen schwarzen Hahn. Doch Martin trotzt dieser schauerlichen Welt dank seines Mitgefühls und Verstandes und wird zum Retter wird für jene, die noch unschuldiger sind als er. Stefanie vor Schulte im Diogenes-Interview über die Inspiration zu ihrem Roman, Verstand und Mut.

    Foto: © Gene Glover
    Weiterlesen