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»Daniela Krien erzählt mit psychologischem Raffinement vom Chaos der Gefühle und von den kurzen Halbwertzeiten moderner Lebensentwürfe.« VOGUE

»Diese Frauen werden beim Lesen zu Vertrauten, sie offenbaren sich und bleiben so unverstellt und vor allem: glaubwürdig. Vielleicht ist das die Kunst, das literarische Konzept von Daniela Krien, diese distanzlose Wahrhaftigkeit ihrer Figuren, die berührende Intimität.« stern

»A punchy, contemporary read whose female protagonists will be eagerly received by English-language readers.« New Books in German

Die Liebe im Ernstfall

Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzte. Als Kinder und Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit, müssen sie erkennen, ist nur eine andere Form von Zwang: der Zwang zu wählen. Fünf Frauen, die das Leben aus dem Vollen schöpfen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht.

Mehr zum Inhalt

Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzt. Sie sind aufgewachsen in den Grenzen der DDR, nun, nach der Wende, wollen sie alles, bekommen vieles, doch immer sticht der Stachel ihrer Rolle als Frau: Muss man gefallen? Muss man gefällig sein? Ist allein zu sein eine Option, oder ist man nur mit Mann oder Familie eine wirkliche Frau? Und wie kann sie gehen, die Liebe in Zeiten wie diesen? 

Paula lernt an einem heißen Sommerabend ihren zukünftigen Mann kennen. Sie heiraten, sie bekommen ein Kind, doch das Kind stirbt, und die uferlose Trauer reißt alles mit sich. Judith, Paulas beste Freundin, eine arrivierte Ärztin, eine kultivierte Frau, sich ihrer selbst gewiss, sucht über den Umweg durchs Bett den Mann zum Leben. Hinter ihrer ironischen Abgeklärtheit steckt der fast mädchenhafte Wunsch nach zärtlicher Liebe. Dann wird sie vom richtigen Mann zum falschen Zeitpunkt schwanger und treibt das Kind heimlich ab. Brida ist Schriftstellerin und eine Frau, die alles wollte; die sich aufrieb zwischen der Liebe zu ihren Kindern und der inneren Notwendigkeit zu schreiben. Malika war als Teenager ein vielversprechendes Geigentalent, doch die Hoffnung auf eine große Karriere verlöscht ebenso wie ihre Hoffnung auf Familie und Kinder, als ihr Mann sie verlässt. Doch dann tritt Jorinde auf. Malikas jüngere Schwester, erfolgreich und interessant, die alles hat, was Malika nicht hat. Sie macht ihrer Schwester ein unerhörtes Angebot.

Es sind fünf Frauen, die das Leben aus dem Vollen schöpfen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht.


Hardcover Leinen
288 Seiten
erschienen am 01. März 2019

978-3-257-07053-8
€ (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als
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Leseprobe

 

PAULA

Der Tag, an dem Paula feststellt, glücklich zu sein, ist ein Sonntag im März.

Es regnet. Bereits in der Nacht hatte es angefangen und seither nicht mehr aufgehört. Als Paula gegen halb neun erwacht, prasselt es auf das schräge Schlafzimmerfenster. Sie dreht sich zur Seite und zieht die Decke bis ans Kinn. In der Nacht ist sie nicht ein einziges Mal aufgewacht. Auch an Träume kann sie sich nicht erinnern.
Ihr Mund ist trocken und ein leichter Druck im Kopf erinnert sie an den vorangegangenen Abend. Wenzel hatte gekocht und einen französischen Rotwein dazu aufgemacht. Später hatten sie nebeneinander auf dem Sofa gesessen und Musik gehört – Mahlers Lied von der Erde, Beethovens letzte Klaviersonate, Lieder von Schubert, Brahms und Mendelssohn. Auf Youtube hatten sie nach diversen Interpreten gesucht, die sie miteinander verglichen, und sie freuten sich wie Kinder, wenn sie einer Meinung waren.
Paula hätte bei ihm bleiben können, die Nacht mit ihm verbringen können, aber sie behauptete, ihr Medikament zu Hause vergessen zu haben. Das Hydrocortison befand sich in ihrer Handtasche. Was fehlte, waren Zahnbürste und Gesichtsreinigung. Wenzel hätte diese Dinge unwichtig gefunden und sie zum Bleiben überredet.
Gegen zwei Uhr nachts war sie in ein Taxi gestiegen. Wenzel hatte vor dem Haus gestanden, bis das Auto um die Ecke bog.

Sie greift nach der Wasserflasche neben dem Bett und trinkt, dann schaltet sie das Telefon ein und liest seine Nachricht. Guten Morgen, Liebste. Mein erster Gedanke gilt wie immer Dir. Jeden Morgen und jeden Abend ein Gruß. Seit zehn Monaten schon, ohne Ausnahme. Auch Leni mag Wenzel, und Wenzel mag Leni.
Bei ihrer ersten Begegnung hatte er sie mit einer sekundenschnellen Zeichnung ihres Gesichts beeindruckt. Die Ähnlichkeit war frappierend, und Leni wollte mehr, um in der Schule damit angeben zu können.

Paula sieht auf die Uhr. Noch neun Stunden, bis Leni zurückkommt. Sie wird ihre Sachen abwerfen, ein Hallo murmeln und sich in ihr Zimmer zurückziehen oder aber einen ohne Punkt und Komma vorgetragenen Wochenendbericht abliefern, inklusive Fotos ihrer Halbgeschwister und Schwärmereien über Filippas Kochkünste.
Während Paula seinen Morgengruß beantwortet, sehnt sie sich nach Wenzel.
Früh ist ihre Lust auf ihn am größten. Als sie in der Küche den Kaffee aufsetzt, schreibt sie ihm eine eindeutige Nachricht.
Seit es Wenzel gibt, vermisst sie Leni an den Wochenenden weniger. Und was kann sie schon tun? Leni ist kein kleines Kind mehr. Morgens vor dem Spiegel übt sie auf unterschiedliche Weise zu lächeln, sie schneidet Löcher in Hosen, trägt Shirts, die ihr scheinbar beiläufig von der Schulter rutschen, benutzt Lipgloss und verschickt rätselhafte Nachrichten an den Klassenchat der 7b, meist bestehend aus Emojis und Abkürzungen. Sie redet manchmal ohne Unterlass, nur um kurz darauf in aggressives Schweigen zu verfallen. Mit nächtlichen Alpträumen kommt sie allein zurecht, und nackt hat Paula ihre Tochter schon lange nicht mehr gesehen. Nicht einmal, als Leni eines Morgens fragte, ob man mit dreizehn schon Hängebusen haben könne. Sie habe sich ihre Brüste angeschaut und festgestellt, dass sie so eine Form hätten. Und dann zeichnete sie mit der rechten Hand eine lächerlich übertriebene Form in die Luft, den linken Arm hielt sie vor ihren Oberkörper gepresst. Und noch bevor Paula etwas erwidern konnte, beschuldigte Leni sie, ihr überhaupt nur das Schlechteste vererbt zu haben, die Sommersprossen und die helle Haut, die roten Haare, die knochigen Knie, die Kurzsichtigkeit und die Begriffsstutzigkeit in den Fächern Physik und Chemie. Vererbung sei Zufall und keine Entscheidung, hatte Paula bemerkt und wollte ihrer Tochter übers Haar streichen. Doch Leni entzog sich ihr, lief hinaus und schlug die Tür zu. Kurz darauf kam sie wieder und warf sich in Paulas Arme, wie um sich aufzufüllen für die nächste Stufe der Distanz.

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