Eine andere Geschichte
Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten – aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.
Curtis Melnitz spricht in seiner Psychoanalyse oft in unvollendeten Sätzen. Wenn ihm etwas zu nahe geht, bricht er ab mit den Worten: »Das ist eine andere Geschichte«, und setzt neu an. Pointiert und gewitzt erzählt er tausendundeine Episode aus seinem Leben als Filmagent und -produzent zwischen Leipzig, Berlin und Hollywood, wo er die besten und schlimmsten Zeiten erlebt hat: die Ära der ersten Stummfilm-Euphorie – und die beiden Weltkriege. Er, der nur filmisch denkt, wird seit einer Weile gewisse Bilder nicht mehr los. Sie rauben ihm den Schlaf und haben ihn tablettenabhängig gemacht. Er ist zutiefst erschüttert. Deshalb muss er erzählen, und sei es in abgerissenen Sätzen – bis es nicht mehr geht.










