Noch nie Raymond Chandler gelesen? Kein Problem.
Anlässlich des Erscheinens des Marlowe-Krimis ›Lebwohl, mein Liebling‹ haben wir diese Woche mit Christine Stemmermann gesprochen, die die Neuedition in neuer Übersetzung betreut. Sie erzählt uns einiges, was wir wissen müssen, und liefert ein paar umwerfende Zitate sowie zwei Lieblingsszenen gleich mit. Wir garantieren: Nach dem Lesen dieses Artikels gönnt man sich einen guten Schluck Whiskey, alles von Raymond Chandler und steigt in den virtuellen Flieger nach Los Angeles.
Covermotiv von Lebwohl, mein Liebling
Foto von Alex Prager, ›Barbara, 2009‹ Copyright © Alex Prager
Courtesy Alex Prager Studio and Lehmann Maupin, New York, Hong Kong and Seoul
Liebe Christine, wer ist eigentlich Philip Marlowe, was macht ihn aus?
Philip Marlowe ist der erste Großstadtdetektiv überhaupt, ein Vorbild für alle späteren – und in der Neuübersetzung heutiger denn je. Die Szenerie kennen wir nur zu gut aus Filmen: das Los Angeles der 30er- und 40er-Jahre. Und ja: Staubmäntel und Hüte, wie Bogart sie trägt, und schöne Frauen wie Lauren Bacall sind auch Teil des Charmes der Marlowe-Romane.
Doch da wir beim Lesen die meiste Zeit im Inneren von Marlowes Gedanken sind, ist es der weiche Kern unter der harten Schale, der heute vor allem fasziniert: Marlowes unbedingter Einsatz für andere und für die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft – so ungleich, wie sie es heute wieder zu werden droht. Sein Scharfblick. Und vor allem seine unübertroffen coole Sprache.

