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»Natürlich war ich bei Protestmärschen in Minsk dabei.« Ein Interview mit Sasha Filipenko

Sasha Filipenkos prophetisches Debüt Der ehemalige Sohn geht in Minsk von Hand zu Hand. Der Roman über Stillstand und Aufbruch unter dem Lukaschenko-Regime. Eine junge, literarische Stimme aus Belarus.

Foto: Lukas Lienhard / © Diogenes Verlag
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»Es ist besser, nicht zu leben als nicht zu lieben.«

Im Vorwort zu seinem neuen Werk, in dem er Henry Drummonds weltberühmte Predigt für unsere Zeit adaptiert, gibt Paulo Coelho den Ton des Buches vor.

Foto: © Xavier González
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Louis Soutter – ein radikaler Outsider und Künstler. Eine Geschichte von äußeren Fesseln und innerer Freiheit.

Lukas Hartmann über seinen biographischen Roman Schattentanz, in dem er sich dem Leben des Schweizer Künstlers Louis Soutter nähert.

Foto: © Bernard van Dierendonck
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Eine zauberhafte Mehrgenerationen-WG. Eine kriminelle Komödie, launig und pikant.

Ingrid Noll über das titelgebende Lied ihres neuen Romans Kein Feuer kann brennen so heiß, über die wichtigsten Eigenschaften im Umgang mit zu pflegenden Menschen, über Humor und über die Materialermüdung im Alter.

Foto: Renate Barth / © Diogenes Verlag
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»Manchmal liegt das Glück darin, Widersprüchliches auszuhalten.«

Ein Kloster – Sehnsuchtsort für eine Auszeit. Doch was macht es mit denen, die dort Zuflucht suchen? Wir haben mit Moritz Heger über seinen Roman Aus der Mitte des Sees und seine eigenen Erfahrungen im Kloster Maria Laach gesprochen.

Foto: Maurice Haas / © Diogenes Verlag
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»Dieses schnelle, manchmal völlig unlogische Umschlagen der Emotionen hat mich immer fasziniert, alles geschah gleichzeitig. Oder um es mit einem 80’s-Song zu sagen: Dancing With Tears In My Eyes.«

Was macht einen guten ersten Satz aus? Wie geht man mit Erfolg und inneren Zweifeln um? Was wäre aus Hard Land geworden, wenn es in Bayern spielen würde? Das Interview mit Benedict Wells über seinen neuen Roman Hard Land.

Foto: Roger Eberhard
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»Was mich bei Dürrenmatt von Anfang an faszinierte, waren die Gegensätze« Fragen an Anna von Planta, Lektorin im Diogenes Verlag

Friedrich Dürrenmatt wäre am 5. Januar 2021 100 Jahre alt geworden. Lesen Sie hier ein Interview mit der langjährigen Dürrenmatt-Lektorin Anna von Planta aus dem Diogenes Verlag von der großen Lesekreis-Plattform mein-literaturkreis.de.

Foto: © Pixabay
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»Kochen bedeutet Transformation, und in jeder guten Geschichte geschieht ebenfalls eine Verwandlung.« Doris Dörrie im Interview

Wenn Doris Dörrie über das Essen schreibt, liest sich das, als umarme sie die Welt. Essen und Kochen sind für sie Inbegriff von Lebensfreude und Genuss, Grund zur Dankbarkeit und Eigenverantwortung und ein Weg zum besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, die uns umgibt.

Wir haben mit Doris Dörrie über ihr Buch gesprochen.

Ein Kochbuch? Eine Kurzgeschichtensammlung? Worum geht es in Ihrem Buch? 

Es sind Texte übers Kochen, Essen, Lebensmittel und meine Erfahrungen und Erinnerungen daran.  Kochen bedeutet Transformation, und in jeder guten Geschichte geschieht ebenfalls eine Verwandlung. Wie verwandelt mich selbst das Kochen? Und das Essen? Ich erinnere mich an das Lieblingsessen in meiner Kindheit, an die Zubereitung, an die Familie am Esstisch und an meine jetzige Situation beim Kochen und Essen. Bin ich das, was ich esse?  Wenn man ein Lebensmittel genau anschaut, kann man darin die ganze Welt entdecken. Die eigene, aber auch politische und soziale Zusammenhänge. Was bedeutet es, wenn wir diese Zusammenhänge leugnen – oder sie erkennen? Wie verhalten wir uns angesichts dieser Widersprüche?  Wie gehe ich mit meinem schlechten Gewissen um? Was esse ich besonders gern? Wie hat sich der Vorgang des Kochens verändert? Wer bin ich, wenn ich koche?  Und wer, wenn ich esse? Inwieweit verbinde ich mich mit dem Wissen meiner Mutter und Großmutter? Fragen über Fragen, denen ich in diesen Texten meist mit Humor, oft mit Furor und Begeisterung nachforsche. 

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»Jetzt denke ich, dass diese Erfahrung eine der wichtigsten ist, die ich je beim Schreiben gemacht habe.« Marco Balzano über ›Ich bleibe hier‹

Marco Balzano schreibt über das Leben einer widerstandsfähigen Frau, einer Frau, die sich mit Leib und Seele für ihr Dorf einsetzt. Wie es dazu kam, dass er ein Buch über diese wahre historische Begebenheit schrieb, erzählt der Bestsellerautor den italienischen Letteratitudine News.

Marco Balzano über sein Buch Ich bleibe hier

Marco Balzano über Ich bleibe hier

Schon lange wollte ich einen Roman mit einer weiblichen Hauptfigur schreiben. Ich wollte „ich“ sagen und eine Frau sein. Jetzt denke ich, dass diese Erfahrung eine der wichtigsten ist, die ich je beim Schreiben gemacht habe. Denn alles wurde ursprünglich, emotional, mütterlich. Verletzlichkeit und Mut, zwei Eigenschaften, die ich nie als gegensätzlich empfunden habe, verstärkten sich in ungekannter Weise. Trina (Caterina) – dies der Name der Protagonistin – heißt wie meine Tochter, wie die Dorfkirche des Grenzorts, an dem die Geschichte spielt, und vor allem wie die Frau, die das Dorf als Letzte verließ, als der Montecatini-Konzern die Häuser sprengte, die Bewohner in Container verbannte, das Staubecken volllaufen ließ und alles für immer überflutete. Als das Wasser schon hoch stand, wurde bemerkt, dass eine alte Frau dortgeblieben war, ein Foto zeigt sie auf einem Tisch kniend, die Hände an das Fensterbrett geklammert. Ich stelle mir Trina vor, die schreit „Ich bleibe hier!“, und stur Widerstand leistet, auch als sie keinen Boden mehr unter den Füßen hat, sondern Wasser. Ich sehe sie, wie sie sich weigert mitzukommen, als man sie mit einem Boot abholen will und sie wegtragen muss. So eine Frau wollte ich, eine, die so unbeirrbar an ihrer Welt und den ihr lieben Menschen festhält.

In meinen früheren Romanen habe ich immer erzählt, dass es absolut legitim ist wegzugehen, dass die Emigration eine außerordentliche Metapher für unseren berechtigten Wunsch ist, unser Leben zu verbessern und, warum nicht, unser Glück zu finden. Allerdings übersehe ich trotz dieser Überzeugung nicht, wie sehr wir auch Menschen brauchen, die es verstehen dazubleiben, Widerstand zu leisten, die Dinge von innen heraus zu verändern. Doch das ist nicht alles: Ich wollte einen Roman schreiben, der vor einem anderen Hintergrund spielt und ein anderes Thema behandelt, aber dennoch weiter die Benachteiligten, das am wenigsten bekannte Italien beleuchtet, also dem sozialkritischen literarischen Ansatz treu bleiben. Ich fühlte, dass ich mich auf ein anderes Wissen einlassen musste, das mir nicht vertraut war, um die Unruhe und den Hunger dessen zu spüren, der Neuland betritt. Als ich dann an jenem Sommertag im Vinschgau, in diesem Dörfchen wenige Kilometer von der Schweiz und von Österreich entfernt, ankam und den Kirchturm aus dem Wasser ragen sah, dachte ich sofort, dass hier eine Geschichte wartete. Ein Schriftsteller ist zuallererst einer, der Geschichten sucht und es versteht, ihnen zuzuhören: Hier ist mir die Geschichte zum ersten Mal von sich aus entgegengekommen. Der Kirchturm erzählt mit seiner Präsenz davon, dass dort unten eine Zerstörung stattgefunden hat und dass es vor der Auslöschung einen vielschichtigen Kosmos von Leuten gegeben haben muss, die mühevoll und mit Würde ihr Leben fristeten. Bauern, Hirten, Senner. Meine Geschichte würde von den Untergegangenen handeln, während sich darüber ganz ahnungslos die Geretteten tummeln. Ja, denn dem Blick des Ankömmlings bietet sich in Graun eine überraschende und beunruhigende Szenerie: Leute, die in der Sonne liegen, Segelboot fahren, am Ufer des Stausees Ball spielen, ein Tretboot mieten, um den Kirchturm zu umrunden, und mit der Kirche im Hintergrund Selfies knipsen. Zwischen dem damaligen Hirten- und Bauerndorf und dem jetzigen Massentourismus besteht keine Verbindung. Zwischen dem seinerzeit armen Südtirol voller Analphabeten und dem Südtirol von heute – reich, ordentlich, mit Geranien an den Fenstern – besteht keine Verbindung. Dieses Dorf und diese Region scheinen auszudrücken, dass sich die Geschichte einfach überlagert, ohne jegliches dialektisches Verhältnis: ohne jegliches Vermächtnis.

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