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Esmahan Aykol und ihr Istanbul

Istanbul, die westlich-orientalische Perle am Bosporus, besticht mit faszinierenden Gegensätzen. Das Zusammenspiel von Ost und West, das Kultur, Kunst, Architektur und Küche prägt, ist einzigartig. Esmahan Aykol, die Schöpferin der sympathischen Kati-Hirschel-Romane, lebt nach längeren Aufenhalten in Berlin wieder vorrangig in der türkischen Metropole.

<p>Foto: Daniel Burka via <a href="https://www.goodfreephotos.com/">Good Free Photos</a></p><br/>

1. Was lieben Sie an Istanbul?

Bevor ich mit 18 zum Studium nach Istanbul kam, war ich schon in die Stadt verliebt. Es ist für mich die schönste Stadt der Welt mit einer großartigen Geschichte. Die Stadt wurde 658 v. Chr. als eine dorisch- griechische Kolonie unter dem Namen Byzantion gegründet. Kaiser Konstantin machte sie 330 n. Chr. zu seiner Hauptresidenz. Nova Roma (neues Rom) hieß sie damals. Über Jahrhunderte hinweg war Istanbul die Stadt überhaupt. Nach der Eroberung durch die Osmanen, 1453, wurde die Stadt Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Viele Kulturen, Völker, Religionen haben jahrhundertelang nebeneinander existiert. Seit den 50ern ist das leider so nicht mehr der Fall, aber die Stadt trägt diese Offenheit gewißerweise in sich.

2. Welcher Ort symbolisiert für Sie die Stadt?

Das Galata-Viertel, die genuesische Kolonie während des Oströmischen Reiches, mit seinen engen Gassen und dem Galata-Turm ist in letzter Zeit gewiss das Symbol der Stadt geworden. Die Heldin meiner Romane, Kati Hirschel, betreibt hier eine Krimi-Buchhandlung, und ich bin sehr glücklich, dass ich direkt am Galata-Platz mit Blick auf den Turm wohne.

3. Welches Gefühl verbinden Sie mit Istanbul, wenn Sie an die Stadt denken?

Ein portugiesischer Begriff, der in keiner anderen Sprache existiert, beschreibt am besten meine Gefühle. Die ›Saudade‹: ein Gefühl von Sehnsucht, Melancholie, Schmerz und Nostalgie.

4. Was ist Ihr liebster Platz in der Stadt?

Es gibt mehrere. Ich liebe die Süleymaniye-Moschee. Wenn ich meine Ruhe brauche, gehe ich einfach da hin. Die Hagia Sophia, die leider wegen Renovierungsarbeiten seit Jahren zum Teil geschlossen bleibt, ist auch ein Lieblingsort. Sie ist eine große Inspiration. Das Café Pierre Loti in Eyüp, mit einem atemberaubenden Panorama über das Goldene Horn, finde ich auch wunderschön.

5. Wo finden Sie Ihre Ruhe in Istanbul?

Istanbul ist alles andere als ruhig. Es ist eine Stadt mit 20 Millionen Einwohnern, die rund um die Uhr lebt. Es wird ständig gebaut. Zu Hause mit geschlossenen Fenstern höre ich den Lärm der Planierraupen.

6. Wo gibt es den besten Fisch?

Meine Lieblings-Fischrestaurants sind beide in Cihangir: Savoy Balık und Cihangir Balıkçısı.

7. Wie hat sich Istanbul in den letzten Jahren verändert?

In den letzten Jahren wurde so viel gebaut, dass es besonders im Zentrum keine Grünflächen, keine Parks mehr gibt. Es ist überall Beton. Sie haben sogar das Meer mit Beton aufgefüllt, damit man Flächen gewinnt, um noch mehr bauen zu können. Es ist zu schade um die Stadt. Experten meinen, dass spätestens in fünf Jahren ein Erdbeben in Istanbul zu erwarten ist. Niemand weiß, was dann passiert.

8. Wo gibt es das andere, alte Istanbul noch?

Auf der historischen Halbinsel, Sultanahmet, und um das Goldene Horn herum gibt es Stücke der prachtvollen oströmischen Hauptstadt. Entlang der Stadtmauer gibt es Kirchen, die während des Osmanischen Reiches zu Moscheen umgewandelt worden sind wie z.B. Fethije oder Gül. Das Museum Chora mit wunderschönen Mosaiken und Fresken steht in voller Pracht da. Einige hundert Meter entfernt ist das Blachernen-Palastviertel. Die Topographie der Stadt hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, aber mit Phantasie kann man vieles im Kopf rekonstruieren.

9. Wie ist der Charakter der Istanbuler?

Die Ur-Istanbuler waren die Griechen. Im Türkischen nennen wir sie Rum: die Römer. Zum größten Teil haben sie die Stadt nach dem Pogrom von Istanbul 1955 verlassen. Die Stadt hat mit dem Weggehen der Istanbuler Griechen viel verloren. Aber das Wunderbare an Istanbul ist, dass es traditionell eine offene Stadt ist. Jeder fühlt sich hier willkommen.

Ein Interview mit dem Gute Reise-Magazin.

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Esmahan Aykol, geboren 1970 in Edirne in der Türkei, arbeitete während des Jurastudiums als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Darauf folgte ein Intermezzo als Barkeeperin. Heute konzentriert sie sich aufs Schreiben. Zuletzt erschien ihr Roman Istanbul Tango. Ein Fall für Kati Hirschel, aus dem Türkischen übersetzt von Antje Bauer. Auch als ebook.

<p>Foto: © Hüseyin Özdemir</p><br/>