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Abenteuer auf hoher See – B. Travens Roman ›Das Totenschiff‹ neuentdeckt.

B. Travens Roman Das Totenschiff erschien im Jahr 1926. Bei Diogenes gibt es jetzt eine Neuausgabe des Klassikers, erstmals mit einem Nachwort von Volker Kutscher. Es erwarten uns spannende Einblicke in die Schaffenszeit von B. Traven, eines Autors, dessen Identität nie gänzlich geklärt wurde. Volker Kutschers Begeisterung für die Abenteuerliteratur ist absolut mitreißend. Lesen Sie das Nachwort hier, und lassen Sie sich mit Abenteuer- und Leselust anstecken!

Werfen Sie außerdem einen Blick in Thoralf Czichons ausführliche Video-Rezension zur Neuausgabe. Die Besprechung gibt es samt ersten Texteindrücken nachzuhören auf dem Youtube-Kanal LiteraturNews:


Persönliches Nachwort von Volker Kutscher

Ich muss zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sein, als ich Das Totenschiff zum ersten Mal las. Das Buch stand in der Stadtbücherei Wipperfürth bei den Abenteuerromanen, sonst hätte ich es womöglich niemals in die Finger bekommen. Weder davor noch danach habe ich so viel und so leidenschaftlich gelesen wie in jenen Jahren; regelmäßig bin ich nach der Schule quer durch die Stadt zur Bücherei gegangen, und immer landete ich dort vor den Regalen mit der Abenteuerliteratur. Ob Karl May oder Jack London, Joseph Conrad oder Lederstrumpf, Trivial- oder Weltliteratur, das war mir gleich, ich las alles, vorausgesetzt, es waren Abenteuergeschichten, es ging in fremde Länder oder auf hohe See. Dass beim Totenschiff noch hinzukam, dass es von einem mysteriösen Unbekannten namens B. Traven geschrieben worden war, der irgendwo im mexikanischen Dschungel lebte, dürfte auch eine Rolle gespielt haben, ausschlaggebend aber war das Genre.
Es ist ein Missverständnis, das diesen Roman bis heute begleitet: dass er ein Abenteuerroman sei. Ist er natürlich – Gott sei Dank, sonst hätte ich ihn womöglich nie gelesen –, aber er ist eben auch viel mehr als das. Es beginnt ja eher harmlos, beinahe pikaresk. Wie der mittel- und dokumentenlose Matrose Gales durch halb Europa irrt, wie es ihn mal hier-, mal dorthin verschlägt, wie er sich gezwungenermaßen treiben lässt, aber trotz aller Rückschläge immer zu überleben weiß, das hat ja etwas Hans-im-Glück-Haftes. Da verzweifelt er noch nicht am Irrsinn der Welt, da weiß er diesen Irrsinn sogar ab und an für sich zu nutzen. Die Art und Weise, wie der amerikanische Matrose seine Abenteuer erträgt, hat mir, dem Zwölfjährigen, imponiert, nicht weniger der rotzige und zugleich naiv-ironische Ton, in dem er all die Widrigkeiten schildert, die ihm begegnen. Dass er sich nicht kleinkriegen lässt, ganz gleich, wie übel ihm mitgespielt wird. Und trotz seiner scheinbaren Naivität wartet der Ich-Erzähler immer wieder mit pointierten politischen Ansichten auf, über den Kapitalismus etwa oder über den modernen Verwaltungsstaat, für den man ohne Papiere nicht existiert.
Spätestens aber, als Gales an Bord der ›Yorikke‹ kommt und im Bauch des maroden Schiffes in immer tiefere und heißere Höllen gerät, wird die Diskrepanz zwischen Inhalt und Sprache größer und größer. Der sarkastisch flapsige Stil bleibt, doch mit einem Mal ist es die Hölle auf Erden (oder besser: auf hoher See), die da geschildert wird. Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann dämmerte mir, dass mein Held dieses Schicksal nicht so leicht und locker meistern wird wie zuvor, dass es plötzlich ernst wird. Bis hin zum bösen Schluss, bei dem sich nur ein naiver Leser, wie ich es damals war, mit der Einsicht trösten konnte, dass wenigstens Gales die Katastrophe doch überlebt haben muss, sonst hätte er sie ja nicht erzählen können. Trotz dieses zweifelhaften Trostes hat Das Totenschiff mir den alten (durch Romane wie Die Schatzinsel sicherlich befeuerten) Kindheitstraum, vielleicht einmal zur See zu fahren, endgültig verleidet. So realistisch hatte ich noch nirgends gelesen, unter welchen Bedingungen die Heizer und Kohlenschlepper auf den großen Dampfern arbeiten mussten. Als ich wenige Jahre später, politisch gerade erwacht, Günter Wallraffs frühe Industriereportagen las und dessen Schilderung der Arbeit in der Sinteranlage von Thyssen, musste ich wieder an Gales und die Kohlenschlepper im höllenheißen Kesselraum der ›Yorikke‹ denken.
Das Totenschiff ist natürlich keine Reportage, es ist ein Roman. Allerdings merkt man jedem Satz an, dass hier einer schreibt, der sich auskennt. Und tatsächlich hat B. Traven ja immer behauptet, alles von ihm Geschilderte selbst erlebt und nur der besseren Lesbarkeit halber in Romanform gekleidet zu haben. Das ist, wie wir heute wissen, ein Teil der Karl-May-haften Legendenbildung, mit der er sein Werk umgab und zugleich geschickt vermarktete. Dazu gehört auch die Geheimniskrämerei um seine Person. Über den geheimnisvollen, in Mexiko lebenden Autor war im Jahr 1926, als sein Debütroman erschien, so gut wie nichts bekannt, nicht einmal seine Nationalität stand fest, ob Deutscher oder US-Amerikaner. Traven selbst trug aktiv zu diesem Verwirrspiel bei.

Teils mag das Verwischen jeglicher biografischer Spuren an der politischen Vergangenheit des Autors gelegen haben: Bereits 1927 hatte Erich Mühsam vermutet, bei B. Traven könne es sich um einen seiner Wegbegleiter handeln, einen Revolutionär der Münchner Räterepublik mit dem Pseudonym Ret Marut, der die Presseabteilung des Zentralrats geleitet und die anarchistisch-revolutionäre Schrift Der Ziegelbrenner herausgegeben hatte. Heute wissen wir, dass er richtiglag, doch wer sich hinter dem Pseudonym Ret Marut verbirgt, ist nach wie vor ungeklärt. Marut selbst, dem 1919, bereits wegen Hochverrats verhaftet, die Flucht aus dem nachrevolutionären München gelang, gab bei einer Vernehmung durch Scotland Yard (wegen fehlender Papiere!) 1923 in London an, er sei der 1882 im brandenburgischen Schwiebus geborene und 1907 abgetauchte Gewerkschaftssekretär Otto Feige. Travens Erben jedoch sind sich sicher, dass er in Wahrheit der 1882 geborene uneheliche Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau ist – was ihn zum Halbbruder des 1922 ermordeten deutschen Außenministers Walther Rathenau machen würde. Viele Indizien deuten darauf hin, dass dies stimmen könnte, aber bis heute gilt: Letztendliche Klarheit gibt es nicht. Fest steht immerhin, dass der Mann, der sich Ret Marut nannte, nach einer Odyssee quer durch Europa 1924 schließlich in Mexiko landete und sich dort den Namen B. Traven gab. Und mit diesem Namen seine schriftstellerische Karriere begründete.
Was für eine seltsame Existenz muss das sein? Du bist weltberühmt, doch niemand kennt deine wahre Identität. Im Grunde der Gegenentwurf zum Totenschiff-Matrosen Gales und seinen Leidensgenossen, denen ihre Identität wegen fehlender Papiere abgesprochen wird; die sich wie lebende Tote fühlen, weil sie wissen, dass bereits jetzt kein Hahn nach ihnen kräht und dass erst recht niemand sie vermissen wird, wenn sie einmal sterben. Ein Schicksal, das den Autor ebenfalls hätte ereilen können, gegen das er aber anschreibt: Moritz Rathenau/Otto Feige mag keine Papiere haben und für niemanden mehr existieren, umso existenter und präsenter aber ist der berühmte Schriftsteller B. Traven.
Der Autor selbst hat diese Geheimniskrämerei in einem Brief an die Büchergilde-Leserschaft damit begründet, sein Werk solle für sich sprechen, »darum soll der schöpferische Mensch keine andere Biografie haben als seine Werke«. Ironischerweise haben die zeitlebens erfolgreichen Versuche, in der Anonymität zu bleiben, aber das genaue Gegenteil bewirkt: Das Rätselraten um die wirkliche Identität B. Travens überdeckte die Beschäftigung mit dem Inhalt seiner Romane immer wieder. Und die professionellen Rezensenten mutmaßten ganz im Sinne des Autors, dass »alles Wesentliche auf direktem Erlebnis zu beruhen scheine«, so schon 1926 der sozialdemokratische Vorwärts, eine Einschätzung, der viele zeitgenössische Rezensenten folgten und der B. Traven selbst nur allzu gerne Futter gab. Zumal das verwirrende Versteckspiel nicht verhindert, sondern im Gegenteil eher befördert hat, dass der geheimnisvolle Autor sehr schnell sehr berühmt wurde, und das nicht nur in Deutschland.
Am Anfang dieser Weltkarriere stand der Roman, um den es hier geht: Das Totenschiff, im April 1926 erschienen in der Büchergilde Gutenberg, einem gewerkschaftlichen Buchclub, angetreten mit dem Anspruch, der Arbeiterschaft proletarische Literatur zu erschwinglichen Preisen anbieten zu können. Die kurz zuvor gegründete Büchergilde hatte mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Boykottiert von der bürgerlichen Verlagskonkurrenz und dem Buchhandel gleichermaßen, fiel es schwer, Autoren zu rekrutieren. Da stieß Cheflektor Ernst Preczang auf den noch völlig unbekannten, im fernen Mexiko lebenden Schriftsteller B. Traven, dessen Roman Die Baumwollpflücker gerade als Fortsetzungsgeschichte im Vorwärts erschien.
Nach einem regen Briefwechsel einigten sich Autor und Verlag schließlich, statt der Baumwollpflücker ein anderes Manuskript zu veröffentlichen: Das Totenschiff. Der Roman wurde gleich nach Erscheinen zu einem gewaltigen Erfolg. Er war nicht nur der Beginn der jahrelangen Zusammenarbeit Travens mit der Büchergilde, er war auch der Roman, der das proletarische Buchgemeinschaftskonzept etablierte und der Gilde viele neue Mitglieder zuführte. B. Traven war der erfolgreichste Autor der Gilde – und zugleich der einzige, der bei der Vorstellung der führenden Gildeautoren im Septemberheft 1926 ohne Fotografie aufgeführt wurde. Aufgeführt werden musste – weil er trotz mehrfacher Anfrage kein Autorenfoto zur Verfügung stellte. Auf einem Werbeplakat vier Jahre (und sechs Romane) später hatte der Verlag aus der Not bereits eine Tugend gemacht: Dort ist lediglich die Silhouette eines Mannes mit angedeutetem Sombrero zu sehen, der ein Gewehr trägt, und darüber die Sätze: »Wer ist Traven? Lesen Sie seine Bücher!«
Die Zusammenarbeit lief ebenso erfolgreich weiter, wie sie begonnen hatte, obwohl sich die politischen Ansichten des gewerkschaftskritischen, anarchistisch linken Autors nicht immer mit denen der brav sozialdemokratisch-gewerkschaftlich geprägten Büchergilde deckten. Die Auseinandersetzungen, gerade angesichts der von Traven kritisierten Verbürgerlichung seines Verlags, wurden schärfer (zumal als der Buchclub seinen proletarischen Lesern im Sommer 1932 eine zehnbändige Goethe-Ausgabe zumutete), da sollte ein gemeinsamer Feind die zerstrittenen Parteien einen. Denn dieser Feind regierte jetzt Deutschland.
Am 2. Mai 1933, Adolf Hitler war seit drei Monaten Reichskanzler, zerschlugen die Nazis, nur einen Tag nach der pompös zelebrierten Maifeier, mit der sie den traditionellen Kampftag der Arbeiter gekapert hatten, die deutschen Gewerkschaften. Bewaffnete SA-Männer stürmten auch das Verbandshaus der deutschen Buchdrucker in Berlin-Kreuzberg und besetzten die Räume der Büchergilde, die dort ihren Sitz hatte. Die sozialdemokratisch-gewerkschaftliche Buchgemeinschaft wurde umgehend der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront einverleibt.
Und nur eine Woche später brannten die Bücher. Auf dem Opernplatz in Berlin und in vielen anderen deutschen Städten warfen nationalsozialistische Studenten stapelweise als undeutsch gebrandmarkte Literatur ins Feuer. Auch Travens Romane landeten in den Flammen. Ein Mann namens Wolfgang Herrmann (ausgerechnet ein Bibliothekar!) gab Hilfestellung; er hatte Verbotslisten erstellt, auf denen explizit auch zwei Traven-Titel, Regierung und Die Carreta, vermerkt waren.
Die neue Nazi-Verlagsleitung der umgehend gleichgeschalteten Büchergilde war gleichwohl unverfroren genug, sich die Popularität des erfolgreichsten Gilde-Autors weiterhin nutzbar machen zu wollen. Neun Traven-Bestseller waren seit 1926 erschienen, und als SA-Sturmführer Otto Jamrowski die Gilde-Verlagsleitung übernahm, machte er einfach weiter Geschäfte mit den Titeln des beliebten Autors, zwei Kündigungsschreiben Travens glattweg ignorierend. Erst nach einem weiteren Brief, in dem der Autor dieses bigotte Geschäftsgebaren vor aller Welt offenzulegen drohte, lenkte die Nazi-Gildeleitung ein – im September 1933. Der Bestsellerautor wanderte mit seinem Werk zur Exil-Büchergilde, die sich bereits im Mai in Zürich gebildet hatte und bei der auch sein vertrauter Lektor Ernst Preczang untergekommen war. Auf späteren Verbotslisten tauchen dann sämtliche Romane Travens auf, auch Das Totenschiff, das seinen Ruhm sieben Jahre zuvor begründet hatte.
Den Erfolg des Autors konnte das Verbot in Deutschland nicht stoppen, er war längst international erfolgreich, seine Bücher in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Neben den anderen deutschen Autoren und Autorinnen, deren Werke auf den Scheiterhaufen und Verbotslisten der Nazis landeten, nimmt B. Traven eine Außenseiterrolle ein: ein Deutscher, der in Mexiko lebt und Abenteuerromane schreibt und dessen Biografie mindestens ebenso spannend ist (oder zu sein scheint) wie dessen Romane. Und im Gegensatz zu vielen anderen in NS-Deutschland verbotenen Autoren sollte Traven auch im Nachkriegsdeutschland wieder gelesen werden, im Osten wie im Westen, in der DDR wie in der Bundesrepublik, wenn auch mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen.
Die Lektüre lohnt auch heute noch. Meist läuft es ja auf eine herbe Enttäuschung hinaus, wenn man die Romane, Filme und Fernsehserien, die zu Jugendzeiten großen Eindruck hinterlassen haben, als Erwachsener noch einmal liest und schaut. Nur wenige Werke halten einer solchen Revision stand. Das Totenschiff tut es. Obwohl es eine kleine Ewigkeit her ist, dass ich den Roman zum ersten Mal gelesen habe, spült die erneute Lektüre so viele Erinnerungen nach oben, dass mir nun erst bewusst wird, wie sehr das abgegriffene Buch aus der Stadtbücherei Wipperfürth meine weiteren Leseerfahrungen geprägt hat. Warum ich mit den Traven-Bewunderern Ernest Hemingway oder Charles Bukowski mehr anfangen kann als mit Hermann Hesse oder Uwe Tellkamp. Hemingways lakonischen Stil habe ich schon bei Traven kennengelernt, ebenso die illusionslose Betrachtung der (Arbeits-)Welt und die ungeschliffene, raue Sprache eines Charles Bukowski. Und die Düsternis an Bord der Totenschiffe, die alptraumhafte Ausweglosigkeit haben mir eine Vorstellung davon gegeben, was kafkaesk bedeutet, noch bevor ich Kafka gelesen hatte. Der Roman funktioniert auch auf metaphorischer Ebene, er funktioniert auf vielen Ebenen, lässt sich nicht eindeutig auf eine Interpretation und ein Genre festnageln. Was lässt sich Lobenderes über ein Buch sagen?
B. Traven hat den harten kapitalistischen Arbeitsalltag in den Abenteuerroman gebracht, er hat das Abenteuer jeglicher Romantik entkleidet. Die taz hat das einmal auf die ebenso schöne wie griffige Formel gebracht: Karl May meets Karl Marx. Das trifft es nicht ganz, denn zum einen ist Traven ein um Welten besserer Autor als Karl May und zum anderen viel zu anarchistisch eingestellt, als dass er je der reinen marxistischen Lehre hätte folgen können. Und doch bleibt, dass er den namenlosen Unterjochten ein Denkmal gesetzt hat, indem er sie zu Romanhelden machte. Das ist, neben der literarischen Qualität seiner Romane, seine Hinterlassenschaft.
Und den Grundstein dazu legte er 1926 mit dem Totenschiff. Es ist wirklich erstaunlich, wie jung dieser nun schon fast hundert Jahre alte Roman geblieben ist. Und wie aktuell, denn die Verdammten und Heimatlosen dieser Erde gibt es immer noch, und zwar zahlreicher als je zuvor.

Nachwort von Volker Kutscher aus B.Traven: Das Totenschiff. Diogenes Verlag 2023. Seiten 407 bis 416.

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Das Totenschiff

Mit einem Nachwort von Volker Kutscher

Der amerikanische Seemann Gales verpasst in den Kneipen Antwerpens sein Schiff, auf dem sich sein einziges Identitätsdokument befindet, wird als Staatenloser über europäische Landesgrenzen abgeschoben und heuert schließlich in Barcelona auf dem Schiff ›Yorikke‹ mit illegaler Ladung und Besatzung und höllischen Arbeitsbedingungen an. Und es kommt noch schlimmer.


B. Traven (1882–1969), war bis 1915 unter dem Pseudonym Ret Marut als Schauspieler und Regisseur in Norddeutschland tätig. Es folgte der Umzug nach München, wo er 1917 die radikal-anarchistische Zeitschrift Der Ziegelbrenner gründete und sich an der bayerischen Räteregierung beteiligte, die 1919 gestürzt wurde. Es gibt heute Hinweise, dass er der uneheliche Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau und damit der Halbbruder von Walther Rathenau war, der 1922 als deutscher Außenminister ermordet wurde. Nach seiner Flucht nach Mexiko 1924 schrieb er unter dem Namen B. Traven 12 Bücher (darunter sein wohl bekanntester Roman Das Totenschiff) und zahlreiche Erzählungen, die in Deutschland Bestseller waren und in mehr als 40 Sprachen veröffentlicht und weltweit über 30 Millionen Mal verkauft wurden. Viele davon wurden verfilmt, so Der Schatz der Sierra Madre (Hollywood 1948), Das Totenschiff (Deutschland 1959) und Macario (Mexiko 1960). 1951 wurde er mexikanischer Staatsbürger, heiratete 1957 Rosa Elena Luján, seine Übersetzerin und Agentin, und starb am 26. März 1969 in Mexiko-Stadt.