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Zum 50. Todestag von W. Somerset Maugham

Er schrieb von Liebe, Tod und Eifersucht, vom Aufbegehren gegen das Schicksal und der Verzweiflung über die eigene Unzulänglichkeit. Wie kein anderer durchschaute er Eitelkeit und Wahnsinn der Menschen, doch spürt man hinter der leisen Ironie immer auch Mitgefühl. Heute vor 50 Jahren ist W. Somerset Maugham, »der meistgelesene englische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts« (Neue Zürcher Zeitung), gestorben.

Foto: Archiv Diogenes Verlag

»Vor einem Engländer, der perfekt Französisch spricht, sollte man immer auf der Hut sein.«

Geboren wurde William Somerset Maugham am 25. Januar 1874 unter bemerkenswerten Umständen: in der britischen Botschaft in Paris, und ist damit – auf ›englischem Boden‹ – englischer Staatsbürger. Sein Verhältnis zum Vaterland ist allerdings zeit seines Lebens gespalten. Bis zu seinem zehnten Altersjahr lebt Maugham in Frankreich und wächst zunächst französischsprachig auf. Die englische Sprache, das englische Leben sind ihm fremd, so dass er später sagen wird: »Ich bin England verbunden, habe mich dort aber nie sehr heimisch gefühlt. Gegenüber Engländern bin ich sehr unsicher. Richtig wohl gefühlt habe ich mich erst, wenn zwischen mir und England mindestens der Ärmelkanal lag.«

Mit zehn verliert Maugham seine Eltern und wird in England nur widerwillig von einem Onkel aufgenommen, einem Geistlichen, der ein patriarchalisch-puritanisches Erziehungsregiment führt. Für seine Mitschüler ist Maugham ein gefundenes Fressen: Er war von kleiner Statur und sprach gebrochen Englisch, weil er stotterte und ihm Französisch vertrauter war. Tatsächlich müssen seine Englischkenntnisse minimal gewesen sein; eine Anekdote besagt, dass er, als er einmal vom Eisenbahnfenster ein Pferd sah, ausrief: »Regardez, Maman, voilà un l’orse.« Dennoch arbeitet er sich zum Klassenprimus hoch, verlässt aber aus Trotz ein Jahr vor dem Abschluss die Schule. 

Als vagabundierender Student geht er nach Heidelberg, wo sich ihm eine neue Welt öffnet, die der Kunst, der Literatur und der Erotik. Um sich und seinem Onkel zu beweisen, dass er auch im bürgerlichen Sinne zu etwas taugt, studiert er Medizin. Den Arztberuf übt er aber nur kurz aus, dafür sind seine ersten Romane und Theaterstücke zu erfolgreich. Zum ersten Mal macht der junge Assistenzarzt Maugham mit dem Roman Liza von Lambeth (1897) von sich reden. Er erzählt die Geschichte von Liza, dem schönsten und eigenwilligsten Mädchen in einer tristen Straße des Londoner Arbeiterviertels Lambeth. Die Heiratsanträge des gutmütig-schüchternen Tom weist sie ab, da sie leidenschaftlich in den viel älteren, verheirateten Jim verliebt ist. Ohne Ausschmückungen und ohne Übertreibung beschreibt Maugham in diesem eindringlichen Roman die Menschen, die er während seiner Arbeit als Gynäkologieassistent im Krankenhaus und in den Slums kennengelernt hatte. Er beschreibt, was er in den Häusern, zu denen er gerufen wurde, erlebt oder, wenn nichts zu tun war, auf seinen Spaziergängen gesehen hat. »Fakten und Fiktion sind in meinem Werk so eng miteinander verwoben, dass ich heute, im Rückblick, das eine kaum vom anderen zu unterscheiden vermag«, sagte er einmal.

Gefeierter Autor brillanter Gesellschaftskomödien

Mit den nächsten Romanen kann Maugham nicht an diesen Erfolg anknüpfen, so dass er sich dem Theater zuwendet. Doch auch die ersten Stücke werden entweder abgelehnt oder stoßen beim Publikum nur auf geringe Begeisterung. Erst mit Lady Frederick gelingt 1907 der Durchbruch. Ein Jahr später werden vier seiner Stücke gleichzeitig auf den Londoner Bühnen gegeben (Lady Frederick, Jack Straw, Mrs. Dot und The Explorer) – ein bis heute unerreichter Rekord (der Anlass zu einer Karikatur im Punch gab, die einen vor Wut und Neid an den Nägeln kauenden Shakespeare vor Ankündigungen von Maughams Stücken zeigt). Die brillanten Gesellschaftskomödien machen den schüchternen Maugham im London der Jahrhundertwende zu einem Szenestar. 

Schließlich beginnen die strengen Regeln des Theaters ihn zu langweilen, und er sehnt sich nach der Freiheit des Romanciers: »Ich wurde der Notwendigkeit überdrüssig, meinen Themen ein bestimmtes Korsett zu geben, sie unnötig auszudehnen oder zu kürzen, bloß weil ein Stück, um Erfolg zu haben, von einer ganz bestimmten Länge sein muss.« Er schreibt vier letzte Theaterstücke und widmet sich fortan der erzählenden Kunst. Zu den großen Romanen, die in der Folge entstehen, gehören Mrs.Craddock (1902), Silbermond und Kupfermünze (1919), Der bunte Schleier (1925), Rosie und die Künstler (1930), Auf Messers Schneide (1944) und sein wohl bekanntester Der Menschen Hörigkeit (1915).

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Wie Flaubert und Maupassant beobachtet und erzählt Maugham, ohne zu verurteilen, beschreibt, ohne anzuklagen. Guy de Maupassant ist auch der Schriftsteller, der ihn nach eigenem Bekunden am meisten beeinflusst hat. Seine Klarheit, sein Gespür für Form und dramatischen Effekt beeindruckten Maugham sehr. So kommt Langeweile bei Maughams Werken nicht auf. Sein analytischer, unverstellter Blick auf die Welt ist bestechend; seine Gabe, Charaktere und Situationen in wenigen Worten zu umreißen, brillant. Er ist der Autor, der »nie eine langweilige Zeile geschrieben hat.« (Hessischer Rundfunk). 

Seine Erzählungen umspannen den ganzen Erdball

Neben dem Schreiben, zu dem er sich nach eigener Aussage »wie eine Ente zum Wasser« hingezogen fühlt, sind ausgedehnte Reisen Maughams andere große Leidenschaft. Sie führen ihn bis nach Ostasien und auf die Südseeinseln, Missionen für den britischen Geheimdienst während des Ersten Weltkriegs nach Russland und in die Schweiz. »Manche beneidenswerten Menschen finden Freiheit in sich selbst. Ich, der ich nicht so viel geistige Energie besitze, finde diese Freiheit auf Reisen.« Zu reisen ist für Maugham eine Notwendigkeit. Hier erfährt er Freiheit, hier findet er Geschichten. Er lernt die ganze Welt und Menschen aus allen Kulturen kennen und findet sie am Ende so unterschiedlich nicht: Ihre Eitelkeit und ihren Wahnsinn durchschaut Maugham mit distanziertem Blick, doch spürt man hinter seiner Ironie neben Skepsis auch Mitgefühl.

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»Ich wollte ein berühmter Schriftsteller werden. Ich setzte mich jeder Situation aus, die mir die Chance versprach, reicher an Erfahrungen zu werden.« Maugham notiert unermüdlich, und so spielen seine Erzählungen und Romane nicht zufällig in den entlegensten Winkeln der Welt: auf einer Teeplantage, im Kasino in Monaco, im Armenviertel in London oder auf einem Kreuzfahrtschiff, in Schanghai, in Burma oder in Ländern, deren Namen es gar nicht mehr gibt. Die Geschichten aber haben nichts an Aktualität und Reiz verloren, denn Maugham erzählt von Menschen – und deren Sorgen und Leidenschaften sind zeitlos.

Ein schillerndes, rastloses Leben

Seine Bücher machen ihn zum Millionär und zum meistgelesenen englischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Wer hätte das gedacht von einem Mann, der das Englische erst mit zehn Jahren erlernte und der noch in reifem Alter von seiner Sekretärin für sprachliche Ungenauigkeit gemaßregelt wurde. Als er ihr einmal die Fahnen eines Romans zur Durchsicht gab, versah sie sie pflichtbewusst mit stilistischen Empfehlungen: »Präpositionen am Satzende mochte sie nicht hinnehmen. Ein Ausrufezeichen deutete ihre Missbilligung einer umgangssprachlichen Wendung an. Sie fand, dass man auf einer Seite ein Wort nicht ein zweites Mal verwenden dürfe, und hatte bei jeder Stelle ein Synonym vorgeschlagen. Wenn ich mir den Luxus eines Satzes von zehn Zeilen erlaubt hatte, schrieb sie: ›Unklar. Lieber in zwei oder mehr Sätze aufteilen.‹ Wenn ich mich der angenehmen Pause bedient hatte, die ein Semikolon ermöglicht, schrieb sie: ›Punkt.‹ Und wenn ich einen Gedankenstrich gewagt hatte, bemerkte sie beißend: ›Altmodisch.‹«

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1928 ließ Maugham sich auf Cap Ferrat an der Riviera nieder, wo er, abgesehen vom Krieg, bis zu seinem Tod 1965 lebte. Nachdem seine Ehe mit Syrie Barnado Wellcome nach zehn Jahren geschieden worden war, hatte er ein Verhältnis mit seinem Sekretär Gerald Haxton. Über 30 Jahre währte diese Gemeinschaft; Haxton war ihm Sekretär, Vertrauter und Lebensgefährte, und gemeinsam gingen sie auf die großen Reisen. Nach Haxtons Tod 1944 füllte Alan Searle, den er bereits seit 1928 kannte, diesen Platz. Maugham war Arzt, Schriftsteller, Reisender, Geheimagent – er führte ein schillerndes, rastloses Leben. Doch am wichtigsten für Maugham waren das Schreiben und das Lesen. »Wenn ich eine Weile davon abgehalten werde,« so bekannte er, »reagiere ich ebenso gereizt wie ein Süchtiger, dem seine Droge vorenthalten wird. Ich würde lieber einen Fahrplan lesen oder einen Katalog als überhaupt nichts.« Am besten solle man jedoch nur lesen, was einem Vergnügen bereite, so der gute Rat eines Viellesers. 

Sein Leben lang hat Maugham gelesen und die Menschen beobachtet, am Ende musste er aber dennoch bekennen: »Ich habe sie vierzig Jahre lang studiert, bewusst und unbewusst, und noch immer sind mir Menschen unerklärlich.« Maughams Neugierde auf den Menschen, dessen Taten und Leidenschaften, die umso spannender sind, als sie sich oft nicht erklären lassen – sie zeigt sich in Maughams Büchern. »Was Maugham über seine Position in der Literatur zu sagen liebte: Er sei nur ein ›story-teller‹, ein Geschichtenerzähler, ein ›entertainer‹. Er war es – aber nicht ›nur‹.« (Der Spiegel, Hamburg)

 

Von W. Somerset Maugham lieberbar sind neben den Gesammelten Erzählungen in zwei Bänden die Romane in revidierten Übersetzungen und Neusatz. Zudem Books and You. Eine kleine persönliche Geschichte der Weltliteratur, der Band Die halbe Wahrheit. Keine Autobiographie sowie das Notizbuch eines Schriftstellers, die Biographie Leben und Werk u.v.a.m.

Maughams beste Erzählungen gibt es auch als Diogenes Hörbuch Sammler-Edition. Gelesen von Marietta Bürger, Hans Korte, Friedhelm Ptok und Werner Rehm.

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