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25 Jahre Mauerfall und die passenden Bücher dazu

Am 9. November vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer und die Stadt in einen Ausnahmezustand: jubelnde und tanzende Menschen, ein hupender Autokorso auf dem Kurfürstendamm, Freibier, Wildfremde, die sich in den Armen liegen. Den Gedenktag nehmen wir zum Anlass, um drei Romane aus unserer Backlist wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

<p>Foto: © Lear 21 at English Wikipedia [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html" target="_blank">GFDL</a> or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons</p><br/>

»Es begann an einem Donnerstagabend im November 89. Und von da an war nichts mehr so, wie es einmal gewesen war.« Der Mauerfall und die aufregenden Tage danach aus dem Blick eines jungen Deutschtürken schildert Yadé Kara in ihrem preisgekrönten Roman Selam Berlin.

»Vor unserer Berliner Wohnung, da, wo andere einen Garten hatten, stand bei uns die Mauer. Wir konnten aus den Fenstern über Graffiti, Todesstreifen und Stacheldraht hinweg in den Osten schauen. Auf der anderen Seite, weit in der Ferne, waren Plattenbauten, Wachtürme mit Kameras und Selbstschussanlagen. Zimmer mit Maueraussicht. Niemals hatte ich gedacht, dass die Mauer fallen würde. Nie! Aber sie fiel, und ich war neunzehn.«

Selam Berlin ist ein urbanes, kosmopolitisches Buch, das Fenster und Türen aufstößt, das Klischees aufzeigt und sie zerstört.

Selam Berlin

Die Zeit in Berlin nach der Wende thematisiert auch Jakob Arjouni 1996 in seinem Erfolgsroman Magic Hoffmann. »Wobei zum ersten Mal mit großer Selbstverständlichkeit damals auch Mitte, Prenzlauer Berg und Pankow gemeint war, seinerzeit für West-Autoren noch vollkommen no go« (Tilman Krause, Die Welt).

Für Fred führt sein Traum von Freiheit und dem großen Glück nach Kanada. Doch erst will er in Berlin seine Freunde treffen und sein Geld abholen. So war’s besprochen – doch ›the times they are a-changin'‹. Arjouni zeichnet ein präzises Bild der wiedervereinten Republik mit immer wieder stimmungsvollen Szenen – wie diese hier:

»Das Tanzlokal Zwille lag im zweiten Stock eines Neubaus. Durch
die Fensterfront sah man auf eine Kreuzung und den Platz um die halbe Kirche. Die Straßen waren gesäumt von verschwommenen Leuchtreklamen für Schnellrestaurants, Peepshows und Andenkenläden. Unter einem grauen Schleier bewegten sich Autos und Regenschirme. Gedämpftes Gehupe drang durch die Scheiben.
Tagsüber war das Tanzlokal ein übliches Café mit Frühstück, Kuchenvitrine und Dosenmenüs. Viereckige Tische mit gelben Deckchen und jeweils vier Stühlen drum herum standen ordentlich in Reih und Glied. Auf jeder Tischmitte befanden sich ein Senfglas mit Plastikblumen, eine Maggiflasche und eine Werbekarte mit dem ›aktuellen Feinschmeckertip, heute Hühnerfrikassee‹. Erst abends wurde das Tanzlokal seinem Namen gerecht. Die Tische in der Saalmitte wurden beiseite geräumt, und ein matt glitzernder Steinboden kam zum Vorschein. Auf die restlichen Tische wurden Kerzen gestellt, eine Reihe bunter Scheinwerfer leuchtete auf, neben der Theke öffnete sich ein weinroter Samtvorhang, und eine festlich herausgeputzte Mittfünfzigerband begann zu spielen. ›Beliebte Hits in deutscher Sprache‹: Lass es sein, Frau Robinson oder Segeln. Nach und nach füllten Paare und Singles ab Bandalter den Saal, tranken Ananas-Bowle, assen Senfeier, tanzten Foxtrott und Cha-Cha-Cha und waren gegen elf betrunken. Punkt zwölf schloss das Tanzlokal.«

Magic Hoffmann

Noch zur Zeit des Kalten Krieges lässt Ian McEwan seinen Berlin-Roman Unschuldige spielen. Die 50er Jahre sind eine Blütezeit für Geheimdienste und Spione. Die Mauer steht noch nicht, doch die Stadt ist in Sektoren unterteilt. Der Osten beobachtet den Westen. Der Westen hört den Osten ab.

Der junge englische Fernmeldetechniker Leonard Marnham, soll in Berlin sowjetische Telefonleitungen anzapfen. Es gilt höchste Geheimhaltungsstufe.

»Als sie an West-Berliner Polizei- und Zollbeamten vorbeikamen, fuhren sie langsamer. Hinter diesen war ein halbes Dutzend Grenztruppen postiert. Einer von ihnen leuchtete mit einer Taschenlampe ihr Nummernschild an und winkte sie in den sowjetischen Sektor. Sie fuhren unter dem Brandenburger Tor hindurch. Inzwischen war es schon sehr viel dunkler. Außer ihnen fuhren keine Autos auf der Straße.«

Der Spionagethriller wird zur Liebesgeschichte als er Maria kennenlernt, eine Deutsche, vier Jahre älter ist als er und bereits geschieden. Ausgerechnet am Tag bevor die Abhöraktion tatsächlich beginnt, verschwindet sie im Osten Berlins.

Unschuldige wurde von John Schlesinger unter dem Titel Und der Himmel steht still mit Isabella Rossellini und Anthony Hopkins verfilmt.

Unschuldige