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Eine Kultfigur wird 75 Jahre alt

Mit Coco, dem neugierigen Affen, schufen Margret und H. A. Rey vor 75 Jahren eine Kultfigur: Die Geschichten um Coco zählen zu den am stärksten verbreiteten Kinderbuchserien im angloamerikanischen Sprachraum, die Bücher haben sich weltweit über 25 Millionen Mal verkauft, und alle Kinder kennen und lieben Coco alias ›Curious George‹.

Das weltberühmte und von allen geliebte Äffchen Coco ist vor allem eins: neugierig. Cocos Abenteuer beginnen mit einer langen Seereise aus dem Dschungel in die große Stadt. Ted, der Mann mit dem gelben Hut, holt ihn aus Afrika zu sich. Weil Coco so ungemein neugierig ist, bringt er durch einen Flugversuch schon auf der Überfahrt auf dem Schiff so manches durcheinander. Angekommen in der Stadt, hält er die Feuerwehr auf Trab und erregt durch eine etwas außergewöhnliche ›Ballonfahrt‹ enormes Aufsehen!

Wo immer der neugierige Coco auftaucht, sorgt er für Aufregung und gerät durch seine Neugier von einem Missgeschick in das nächste. Schon wenn der Mann mit dem gelben Hut das Haus verlässt und Coco ermahnt, vorsichtig zu sein, ahnt man, dass dieser sich gleich in Schwierigkeiten begeben wird. Wie Margret Rey treffend erkannte: »Coco kann tun, was Kinder nicht tun können. Er kann ein Zimmer bunt anmalen, er kann von einem Drachen am Himmel herabhängen, und er kann Tiere auf einer Farm freilassen. Er kann all diese frechen Sachen machen, die Kinder auch gerne tun würden.«

Der erste Band der Serie Curious George erschien im Jahr 1941 beim Verlag Houghton Mifflin. Während H. A. Rey erst als alleiniger Schöpfer galt, werden die Illustrationen heute ihm und der Text seiner Frau Margret zugeschrieben. 

Einem breiteren Publikum dürfte der neugierige Affe spätestens duch den Kinofilm bekannt geworden sein, der 2006 in die deutschen Kinos kam. Oder durch die preisgekrönte gleichnamige TV-Serie.

 

Coco im Kino und Fernsehen

Der auf der Kinderbuchserie basierende Zeichentrickfilm Coco, der neugierige Affe kam in Deutschland im Mai 2006 in die Kinos. Er erhielt das Prädikat ›Besonders wertvoll‹ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden. Regie führte Matthew O`Callaghan, den Charakteren ihre Stimme liehen Will Ferrell, Drew Barrymore, Dick Van Dyke, David Cross, Eugene Levy, Joan Plowright und Frank Welker (als Titelfigur). Das Lied Upside Down von Jack Johnson im Soundtrack wurde zum großen Hit. 

Die 96-teilige Fernsehserie wird vom Kinderkanal von ARD und ZDF seit 2006 in regelmäßigen Zeitabständen ausgestrahlt.

 

Flucht aus Europa und ein neues Leben als Kinderbuchautoren

H. A. Rey (Hans Augusto Rey) wurde am 16. September 1898 in Hamburg geboren. Er wuchs in der Nähe des weltberühmten Hagenbeck-Zoos auf und entwickelte bald nicht nur eine lebenslange Zuneigung zu Tieren, sondern auch zum Zeichnen. Die acht Jahre jüngere Margarete Elisabeth Waldstein, später Margret Rey, wurde ebenfalls in Hamburg geboren. Die beiden trafen sich kurz bevor Margret als junge Frau die Stadt für ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie verließ.

Foto links: © Werner J. Kuhn, Foto rechts: © Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien, Zürich

1924 wanderte Hans nach Rio de Janeiro aus, wo er gut zehn Jahre später wieder auf Margret traf. Er verkaufte für das Familienunternehmen Badewannen, sie war vor dem politischen Klima in Deutschland geflohen. Margret überzeugte Hans davon, das Familienunternehmen zu verlassen, so dass sie bald an gemeinsamen Projekten arbeiteten.

Als das Paar nach der Hochzeit im Jahr 1935 in Paris weilte, in das es sich während der Hochzeitsreise in Europa verliebt hatte, sah der legendäre Verleger Gaston Gallimard ein paar von Reys Cartoons mit einer Giraffe und bat ihn, daraus ein Kinderbuch zu machen. Das Resultat hieß Raffy and the Nine Monkeys und beinhaltete auch den ersten Auftritt eines neugierigen jungen Äffchens namens Coco.

Bald entschieden die Reys, dass Coco ein eigenes Buch verdient habe, und begannen an einem Manuskript zu arbeiten. Doch die politische Lage spitzte sich Ende der 1930er Jahre in Europa immer mehr zu, Hitler hatte es auf Paris abgesehen, und für das junge Ehepaar – beide deutsche Juden – wurde die Situation immer bedrohlicher.

Im Wissen, dass sie fliehen müssen, bevor die Nazis die Macht übernehmen würden, baut Hans aus Einzelteilen zwei Fahrräder zusammen. Im Morgengrauen des 14. Juni 1940 verlassen die beiden Paris, nur die wichtigsten Habseligkeiten im Gepäck und fünf Manuskripte. Eines davon ist Coco, der neugierige Affe. Nur Stunden später fallen die Nazis in Paris ein. Die Reys wiederum erreichen nach vier Tagen die französisch-spanische Grenze, wo sie die selbstgebauten Fahrräder für Zugtickets nach Lissabon verkaufen. Von dort schlagen sie sich nach Brasilien und schließlich nach New York City durch, wo sie ein neues Leben als Kinderbuchautoren beginnen.

Seit Curious George im Jahr 1941 erstmals erschienen ist, war das Buch nie vergriffen. Inzwischen sind die Abenteuer des neugierigen Äffchens in unzählige Sprachen übersetzt. Darunter Japanisch, Französisch, Afrikaans, Portugiesisch, Schwedisch, Deutsch, Chinesisch, Dänisch und Norwegisch.

Insgesamt entstanden sieben Bücher über Coco, den neugierigen Affen. Zusammen mit seiner Frau Margret schuf Rey auch Brezel, die Geschichte vom Dackel, der nicht aufhört zu wachsen. 

Hans Augusto Rey starb 1977 in Cambridge, Massachusetts. Nach dem Tod ihres Mannes lehrte Margret Rey Kreatives Schreiben und gründete die Curious-George-Stiftung. Sie starb 1996.

 

Bei Diogenes lieferbar:

Coco, der neugierige Affe. Aus dem Englischen von Bruno Horst Bull.

Coco fährt Rad

Coco kommt ins Krankenhaus. Aus dem Englischen von Erica Ruetz.