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›Der kleine Nick erzählt vom Glück‹ – Ticket-Verlosung zum Kinostart

Der kleine Nick erzählt vom Glück ist nun auch in unseren Kinos zu sehen! 
Der Animationsspielfilm in 2D erzählt die Geschichte der Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden Erfinder des kleinen Nick Jean-Jacques Sempé und René Goscinny. Das Buch zum Film von Anne Goscinny ist dieses Jahr bei Diogenes erschienen.

Zu diesem freudigen Anlass verlosen wir 10x2 Kinotickets.

Zum Trailer

Der Film feierte seine Weltpremiere bei den 75. Filmfestspielen von Cannes und wurde als Bester Spielfilm beim Festival in Annecy ausgezeichnet.
Regie: Amandine Fredon, Benjamin Massoubre
Drehbuch: Michel Fessler, Anne Goscinny, Benjamin Massoubre

Im Interview mit der Schriftstellerin und Drehbuchautorin Anne Goscinny erfahren wir mehr über ihren familiären Bezug zu Cannes, über die Entstehung des Filmprojekts und über ihre wohl schönste persönliche und berufliche Erfahrung.

Wann nahm das Projekt seinen Anfang?

Anne Goscinny: Es muss 2015 gewesen sein. Der Produzent Aton Soumache, mit dem ich bereits an der Fernsehserie zu Der kleine Nick gearbeitet hatte, sagte mir, dass er eine ganz andere Art von Film machen wollte, einen, der Archivmaterial und Animation kombinieren würde, um die Geschichte vom kleinen Nick nachzuzeichnen. Damals hatte ich keine klare Vorstellung davon, was das bedeuten könnte oder wer das Publikum für so einen Film sein würde, denn Animation und Dokumentation richten sich an sehr unterschiedliche Zielgruppen. Dann schlug er mir vor, dass ich mitmache und eine Zusammenfassung schreibe. Obwohl ich ein paar Romane geschrieben hatte, hatte ich nicht viel Erfahrung mit dem Drehbuchschreiben, außer dass ich viele Drehbücher gelesen und einige bearbeitet hatte. Immer wenn ein Film gedreht wird, der die Charaktere meines Vaters auf die Leinwand bringt, lese und ändere ich das Drehbuch, um es so werkgetreu wie möglich zu machen. Es mag wie ein kleiner Schritt erscheinen, vom Umschreiben zum Schreiben, aber es ist eine andere Herausforderung. Da stellte mir Aton Soumache einen Drehbuchautor vor, sowohl ein vollendeter Profi als auch ein Mann von großer Liebenswürdigkeit: Michel Fessler.

Wir wurden enge Freunde und waren uns einig, dass der gesamte Film animiert werden sollte. Nach langem Nachdenken stieß ich auf die Erklärung, die notwendig war, um die Erzählung ins Gleichgewicht zu bringen. Sempé musste sich fragen, ob er Nick sagen sollte, dass mein Vater tot ist oder nicht. Deshalb haben wir uns entschieden, den Film als Rückblende zu gestalten, mit der zentralen Frage: "Wie sagt man einer Figur, dass ihr Co-Schöpfer sie nicht mehr zum Leben erwecken wird?" So rechtfertigten wir die Existenz des Films, indem wir die Geschichte der Autoren miterzählen.

© 2022 Onyx Films – Bidibul Productions – Rectangle Productions – Chapter 2

Wie haben Sie die Episoden von Der kleine Nick für den Film ausgewählt?

Anne Goscinny: Michel Fessler mochte bestimmte Geschichten besonders, wie zum Beispiel Der Sandhaufen. Ich liebe sie alle, aber wir mussten uns entscheiden. Und wir hatten uns damit zu beschäftigen, dass die Welt vom kleinen Nick nur Jungs enthält. Also haben wir zwei Geschichten mit starken weiblichen Charakteren aufgenommen, eine mit Marie-Edwige und eine mit Louisette. Wir wollten das weibliche Publikum nicht ausschließen!

Wollten Sie mit diesem sehr persönlichen Projekt das Erbe Ihres Vaters weiterführen?

Anne Goscinny: Als ich zustimmte, meinen Vater zu einer animierten Figur zu machen, wusste ich, dass ich meine Emotionen professionalisieren musste. Um also genügend Abstand zwischen mich und das Werk zu bringen, haben Michel Fessler und ich meinen Vater und Sempé zu fiktiven Charakteren gemacht. Es war eine besondere Erfahrung. Ich dachte, es wäre angebracht, das Publikum daran zu erinnern, dass der Mann, der zusammen mit Sempé diese französische Kindheit erfunden hat, keinen Tropfen französischen Bluts in seinen Adern hatte! Und mein Vater schuf gemeinsam mit Albert Uderzo, dessen Eltern beide Italiener waren, einen französischen Mythos des 20. Jahrhunderts: Die Abenteuer von Asterix. Mein Vater war mütterlicherseits Russe und väterlicherseits Pole.

Ich zähle mich zu denen, die fest daran glauben, dass wir niemals aufhören dürfen, Geschichte zu unterrichten, da der Unterricht der einzige Weg ist, sie nicht zu wiederholen. Ich wollte das Publikum auch daran erinnern, dass die Familie meines Vaters den gelben Stern trug, deportiert wurde und in Auschwitz ermordet. Schließlich ist diese skurrile Kindheit, die Nick erlebt, zumindest teilweise die Kindheit, die den Cousins meines Vaters, die in Europa blieben, verwehrt wurde, während mein Vater das Glück hatte, 1928 nach Argentinien auszuwandern.

Welche Dokumente, die in den Film einflossen, haben Sie am meisten berührt?

Anne Goscinny: Es ist immer sehr bewegend, Fotos mit den Künstlern und Animatoren zu teilen. Wenn du diese Bilder für dich behältst, erzeugen sie intensive Emotionen, aber wenn du sie teilst, wenn du sie besprichst und zum Leben erweckst, machst du sie fast unsterblich. Solange du dich erinnerst, solange die Erinnerung lebendig gehalten wird, kann der Tod keinen Halt finden. Ich entdeckte einige Fotos vom Onkel meines Vaters, Léon, der mit seinen zwei Brüdern deportiert wurde. Ich habe auch dieses Foto gefunden, auf dem man das Schild Beresniak Printing sehen kann, das Familienunternehmen, das kurz im Film erscheint. Zu sehen, wie diese sehr persönlichen Bilder und mein Vater durch die Kunstform wiederbelebt wurden, die ihm so sehr am Herzen lag, den Animationsfilm, das war wahrscheinlich die schönste berufliche und persönliche Erfahrung.

Wie sind Sie bei der Recherche zu Sempés Leben vorgegangen?

Anne Goscinny: Ich bin mit seiner Biografie vertraut. Michel Fessler und ich haben das Interview, das Jean-Jacques Sempé in dem Buch Enfances Marc Lecarpentier gegeben hat, noch einmal gelesen. Es ist ein sehr persönliches, einfühlsames Buch, in dem alles wahr ist. Ich kenne Jean-Jacques auch schon mein ganzes Leben lang. Mir war bewusst, dass seine Kindheit keine sehr glückliche war. Wir beschlossen, uns auf den Großvater zu konzentrieren, den er so sehr liebte und der ihn zu Fußballspielen mitnahm.

Es gibt ein Wort, das perfekt zu meinem Vater und Sempé passt: Resilienz. Das könnte ihr gemeinsames Motto sein. Des einen Familie wurde in die Hölle geschickt, dem anderen verweigerte man die Liebe, die es einem Kind ermöglicht, aufzublühen. So schufen sie den kleinen Nick und seine skurrile märchenhaften Kindheit, in der die Liebe der Eltern zu ihrem Sohn alles überstrahlt, in der seine Freunde und der Lehrer die Helden sind.

Gleichzeitig stellte die Animation von Sempés Zeichenstil die Animatoren vor eine echte Herausforderung, da sein Stil auf Auslassungen und leeren Räumen basiert, die dem Leser Platz zum Träumen, zur Identifikation mit der Geschichte und zur Interpretation lassen. Optisch unterscheidet sich Der kleine Nick von Asterix dadurch, dass Albert Uderzos Stil keinen Spielraum für Ambivalenz lässt. Seine Zeichnungen sind sich ihrer selbst absolut sicher, während Sempé Menschen, die träumen wollen, die Möglichkeit gibt, sich zu den Figuren zu gesellen und sogar selbst Teil der Zeichnung zu werden.

© 2022 Onyx Films – Bidibul Productions – Rectangle Productions – Chapter 2

Welche Bindung haben Sie zu Amandine Fredon und Benjamin Massoubre aufgebaut?

Anne Goscinny: Beide kamen aus dem Animationsbereich und waren sofort begeistert von dem Projekt. Ich hatte eine engere Verbindung zu Benjamin, da wir das Drehbuch gemeinsam überarbeitet haben, um es mit der Animation kompatibel zu machen. Es schien, als würde er sein ganzes Leben in jede Szene, in jedes Wort investieren. Es war seine erste Regiearbeit und das Gefühl der Dringlichkeit, das er an den Tag legte, sein Engagement und seine Begeisterung, erinnerten mich an die Zeit, als ich mein erstes Buch verfasste.

Haben Sie bereits während der Drehbuchphase über die Musik nachgedacht?

Anne Goscinny: Ich bin ein großer Fan französischer Chansons. Ich wollte, dass sich die Leute auf ihrem Weg vom Kino nachhause glücklich fühlen, und dass sie dieses Glück mitsummen lässt. Ray Venturas Qu-est-ce qu'on attend pour être heureux war die erste Wahl für das Thema. Und da Sempé gerne Pianist geworden wäre, obwohl er unbestreitbar über mehr Talent für das Zeichnen als für das Klavierspiel verfügte, haben wir uns die Szene ausgedacht, in der er Teil der Ray Ventura Schulkinder-Gruppe ist. Und dann gibt es die Schulschwänzer-Szene, in der die Kinder glauben, dass sie Galeerensklaven sind. Ich konnte nicht anders, als an das legendäre Lied Le galérien [Der Galeerensklave] zu denken, das von Maurice Druon geschrieben und von Leo Poll, Michel Polnareffs Vater, nach einer russischen Melodie arrangiert wurde. Im Film ist die Musik nicht Teil des Hintergrunds, sie ist kein Detail, sie ist eine Figur für sich. Es ist oft das, woran man sich am meisten erinnert, wenn man das Kino verlässt. Als ich erfuhr, dass Ludovic Bource, der für seine Arbeit an The Artist einen Oscar® erhalten hat, die Musik komponieren würde, war ich beeindruckt, glücklich und fasziniert zugleich. Jeder hat seine eigene private Musik, die ihm durch den Kopf geht, wenn er eine Geschichte liest. Was wäre wohl seine?

Wie erklären Sie sich, dass Der kleine Nick noch immer das Idealbild einer Schule in Frankreich darstellt und seine Geschichten offenbar nichts an Aktualität einbüßen?

Anne Goscinny: Der kleine Nick aus den Büchern und Filmen hat nichts mit den heutigen Schulkindern zu tun. Die Technologie hat sich verändert. Wo früher ein Federmäppchen und eine Tafel standen, ist heute alles digital. Sogar die Lehrbücher wurden digitalisiert. Aber diese Unterschiede sind nur Details, das Wesen liegt woanders. Technologie kann obsolet werden. Aber Freundschaft auf der anderen Seite und die Kameradschaft, die sich so oft im Klassenzimmer entwickelt, das ist uralt. Junge Menschen gehen oft enge Verbindungen mit ihren Lehrern ein, weil diese oftmals die ersten sind, die Kinder mit dem Lesevergnügen und der Freude am Lernen vertraut machen. Die Schule ist häufig der einzige Ort, an dem die Menschen bereichert werden. Aber sie ist auch der perfekte Ort, um die Regeln zu brechen und Wege zu finden, sich danebenzubenehmen. In jeder Klasse, ob 1960 oder 2022, gibt es immer den Liebling des Lehrers, den Streber, einen Dummkopf, ein Kind, das immer Süßigkeiten nascht, eins das in Auseinandersetzungen gerät. Diese Stereotypen sind langlebig und machen die Geschichten von Der kleine Nick so aktuell.

Hätte sich Ihr Vater gefreut, dass der Film für die Festspiele von Cannes ausgewählt wurde?

Anne Goscinny: Mein Vater war filmbegeistert und verrückt nach den Filmfestspielen und der Stadt Cannes. Wir hatten dort sogar eine Wohnung. Ich wurde am 19. Mai geboren, fast genau am Eröffnungstag von Cannes. Ich erinnere mich, dass all meine Geburtstage dort gefeiert wurden und ich beobachten konnte, wie meine Eltern jeden Abend in Smoking und Abendkleid zu den Vorführungen gingen. Mein Vater hätte genug Fantasie gehabt, sich vorzustellen, wie er als animierter Charakter auf der großen Leinwand agiert.

Ich bin mir sicher, dass, wo auch immer meine Eltern jetzt sind, eine Kinoleinwand eingerichtet wurde, um den Film zu zeigen. Vielleicht sehen sie mich die Stufen hinaufgehen, vielleicht werden sie berührt davon sein, wie bewegt ich bin. Und da ich weiß, dass Der kleine Nick in mehr als vierzig Sprachen übersetzt wurde, dass er in Polen und Deutschland ein Star ist und dass die Leute ihn in Korea lieben, bin ich mir sicher, dass die Filmfestspiele von Cannes dem Film zu internationalem Erfolg verhelfen werden.

© Presseheft Leonine Studios

 

Nun möchten wir von Ihnen wissen, wie die beiden Erfinder des kleinen Nicks hei­ßen. Na, wissen Sie es?

Hinterlassen Sie Ihre Antwort bis zum 16.12.2022.
Wir verlosen 10x2 Kinotickets. 

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Teilnahmebedingungen