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In Erinnerung an Jean-Jacques Sempé

Vor wenigen Tagen ist Jean-Jaques Sempé gestorben. Heute, an seinem runden 90. Geburtstag, denken wir ganz besonders an den einzigartig französischen Künstler, der seit 1959 das Verlagsprogramm geprägt hat. Was wäre der Diogenes Verlag ohne ihn?

Foto: © Lian Hong / Opale

Neben dem federleichten Malen mit Tusche- und Aquarell hat Jean-Jaques Sempé zudem mit René Goscinny die Kinderbuchserie Der kleine Nick herausgegeben und verschiedene Romane von Patrick Süskind illustriert. Sein Stil ist unverkennbar: Anders als andere Karikaturist:innen nahm Sempé einen hohen Standpunkt ein, um seine winzigen Figuren in eine detaillierte Umgebung platzieren zu können und so die Pointe seiner feinfühligen Beobachtungen zu verstärken.
    Doch wer war der Mensch hinter diesen außergewöhnlichen Zeichnungen? Auf den Punkt gebracht hat es Jacques Réda, der im bald erscheinenden Band Endlich Ferien die Einleitung Der Mensch bei Sempé geschrieben hat. Und die wollen wir euch auf keinen Fall vorenthalten:

Der Mensch bei Sempé

Jacques Réda

Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der Sempé nicht mag. Eine solche Person müsste völlig unempfänglich sein für Sempés künstlerische Perfektion – jene Perfektion, die ebenso selbstverständlich wie überraschend wirkt und sich gewissermaßen noch für ihr eigenes Perfektsein zu entschuldigen scheint. Viel eher kann man sich eine Person vorstellen, die ausschließlich Sempé liebt: Durch diese Vorliebe wäre sie übermäßig anspruchsvoll geworden und könnte sich nur noch für Dinge interessieren, die ähnlich perfekt sind.
     Es wäre falsch, Sempé für einen Meister des humoristischen Zeichnens zu halten. Zugegeben, er ist ein Meister, aber seine Zeichenkunst verdient eine andere Bezeichnung als humoristisch. Dabei wollen wir gar nicht leugnen, dass sie uns zum Lachen bringen kann; aber in noch größerem Maße bringt sie uns zum Schmunzeln: Es ist ein Schmunzeln, dessen Ursache wir – anders als bei einem plötzlichen Lachanfall – nie genau ausmachen können. Irgendetwas an dieser Komik bleibt stets unklar und lässt sich nicht leicht benennen, weil der Künstler selbst es im Unklaren lässt; nicht, indem er etwas vor uns verbirgt, sondern indem er so vieles offen lässt in dem weiten Raum, den seine Figuren bevölkern. Mit ein paar Strichen, ein paar andeutungsreichen Details, nimmt der Hintergrund der Zeichnung eine Gestalt an, die zugleich von einem Philosophen, Soziologen, Romancier und Dichter geschaffen zu sein scheint, insofern in ihr ein makelloses Künstlertum zum Ausdruck kommt. Sempé braucht nur einen Hauch von Nichts, um einen Augenblick menschlicher Existenz vollständig festzuhalten, mitsamt ihrem persönlichen Schicksal und den Zwängen ihres Milieus, und mit allen angedeuteten (aber niemals symbolisch aufgeladenen) milieutypischen Umgangsformen und Eigenheiten. Durch diesen andeutungsvollen Hintergrund dringt der Stachel des Witzes nur noch deutlicher hervor, doch er berührt uns meist nicht dort, wo er eine heftige Reaktion auslösen würde (jenes krampfartige Lachen aus dem Bauch heraus), sondern an einer anderen Stelle, wo er wie eine feine Akupunktur wirkt. Dann entfaltet sich eine stille Heiterkeit, begleitet höchstens von einem leichten Zucken der Lachmuskeln.

Aus: Sempé in New York, herausgegeben von Martine Gossieaux, © 2009 Diogenes Verlag, Zürich (Cover The New Yorker 7.9.1981).

Sempés Figuren, die häufig schüchterne oder gar eingeschüchterte Wesen sind, zeichnen sich durch eine tiefe und eigentümliche Bescheidenheit aus. Sempé scheint sie liebzuhaben und manches von sich selbst in ihnen wiederzufinden; etwa eine liebenswürdige und etwas schrullige Unsicherheit bei sogenannten wichtigen Ereignissen, zum Beispiel bei der Sitzung des Verwaltungsrats einer Bank, bei der Einweihung eines Monuments, einer Tanzveranstaltung am Samstagabend oder bei einem Fahrradrennen.
     Sei es in der Gestalt eines Industriellen oder eines kleinen Mädchens, eines Amateurcellisten oder einer Dame, die gerade vom Markt zurückkommt: immer herrscht bei dem Menschen von Sempé eine leichte Unstimmigkeit zwischen dem, was er zu sein glaubt, und dem, was er wirklich ist. Oder aber man merkt ihm an, dass er allzu beflissen versucht, seiner vermeintlichen Rolle gerade nicht zu entsprechen, und auch dann hat er etwas Unstimmiges an sich. So kommt es, dass der Mensch bei Sempé immer ein etwas schiefes Bild von sich selbst hat, ohne dass er sich darüber recht klar wäre, und eben deshalb wirkt er auf uns so komisch und liebenswürdig.
     Der Mensch bewegt sich bei Sempé in einem gewaltigen Raum der Stille, der ihn verletzlich macht. Er wirkt darin ganz alleingelassen und der Nichtigkeit seiner eigenen Wünsche und Handlungen preisgegeben. Beinahe hat er etwas Tragisches an sich, so unsicher und einsam wirkt er im Umgang mit Anderen, deren soziale Spielregeln er nicht richtig beherrscht. Aber das dauert meist nur einen Augenblick. Man ahnt, dass er sich gleich wieder zurechtfinden wird, denn er leidet ja bloß an einer gewissen Schüchternheit oder Zerstreutheit. Deshalb ist er auch kein Held, sondern eine Figur, mit der wir uns alle, wenn wir nur ehrlich sind, mehr oder weniger identifizieren können. Der Mensch hat bei Sempé eine Kindlichkeit, die ihn davor bewahrt, jemals lächerlich zu wirken. Aus dieser Kindlichkeit bezieht er einen erstaunlichen Mut und sogar eine gewisse Kühnheit. Man sieht ihn mit seinem Fahrrad durch verlassene Landschaften jagen, unter entsetzlichen Gewitterwolken von shakespearescher Unruhe. Er scheint verunsichert. Aber kehrt macht er nicht. Im ‚Café des Amis‘ wartet man nämlich auf ihn. Er wird also kommen. Er ist schließlich einer von uns.


90 Jahre Sempé – unsere neun Lieblingsbücher

Eigentlich wollen wir die gesamte Sempé-Backlist auflisten! Unsere Auswahl ist zuletzt dann doch auf diese neun Titel gefallen. Sie sollen die unterschiedlichen Facetten und Lebensphasen von Jean-Jaques Sempé beleuchten.

Angelehnt an Rédas Einleitung darf das Kunstbuch Endlich Ferien nicht fehlen. Lange geht es nicht mehr: Am 24. August 2022 erscheint der neuste Band Sempés.

Endlich Ferien
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Endlich Ferien

Mit einem Vorwort von Jacques Réda. Aus dem Französischen von Jakob Emanuel

Sommer, Strandleben, Entdeckungstouren mit dem Rad, Aperitif zur blauen Stunde und Tanzvergnügen bei Mondschein.


Schon als er 12 Jahren alt war, zeichnete Jean-Jaques Sempé. In seinen prachtvollen Bildern malte er mit unglaublichem Humor eine Kindheit, die »ziemlich grauenvoll und ein bisschen tragisch« war: Stift und Tusche und Aquarellpapier wurden für den jungen Sohn zum Panzer gegen Alkoholfahnen des Stiefvaters, großer Armut, Einsamkeit und Melancholie.

Kindheiten
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Kindheiten

Aus dem Französischen von Patrick Süskind

»Seit ich mit 12 Jahren mit dem Zeichnen anfing, wollte ich immer glückliche Menschen zeichnen.« Eine Kindheit, die nicht immer glücklich war, aber wie Sempé sie zeichnerisch umsetzte, wird für den Betrachter zu einem überwältigenden, farbigen und beglückenden Erlebnis. Eine anrührende Autobiografie in Worten und Bildern.


Wenn wir an unsere eigene Kindheit und Schulzeit denken, kommt uns Der kleine Nick in den Sinn. Diese Kinderbuchreihe hat Sempé mit René Goscinny über viele Jahre hinweg »in einer Symbiose« hervorgebracht. Dabei ist ein unglaubliches Werk entstanden, das Generationen nach Generationen verzaubert. Von Der kleine Nick und die Mädchen bis zu Der kleine Nick spielt Fußball: Aktuell sind im Diogenes Verlag mehr als 20 Bände lieferbar. Wir haben uns in diesem für Das große Buch vom kleinen Nick entschieden. 50 Geschichten kann man darin entdecken.

Das große Buch vom kleinen Nick
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Das große Buch vom kleinen Nick

Die 50 besten Abenteuer
Aus dem Französischen von Hans-Georg Lenzen. Mit einer Vorbemerkung des Übersetzers

50 prima Geschichten von Nick und seinen Freunden und allem, was in ihrer Welt wichtig ist: Schule, Fußball, Baumhäuser bauen, Raufereien auf dem Schulhof, die Lehrer ärgern, Lesen (das ist eine Krankheit!) und selbst so was Schwieriges wie Mädchen. Geschrieben von Asterix-Autor Goscinny und hinreißend illustriert von Sempé.


Sempé war der Zeichner von Paris. Dabei malt meistens nicht die Realität, sondern die verträumte Fantasie, die wir alle in uns tragen. In seinem Aquarell entschweben wir in eine Stadt von hohen Fenstern, schmiedeeisernen Balkonen, Dachmansarden. Wir entdecken Autos, die eigentlich nur noch in einem 50er-Jahre-Film zu sehen sind und Mode, die nicht dem neusten Trend folgt, sondern klassisch und leichtfüßig ist. Das nächste Buch auf der Liste ist daher Vive la France, obwohl wir eigentlich finden, dass es Vive le Sempé heißen sollte.

Vive la France
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Vive la France

Begleiten wir Sempé auf seinen Streifzügen durch Paris und durch die französische Provinz, zu Fuß, auf dem Fahrrad, ein noch warmes Baguette unterm Arm. Seine Zeichnungen sind wie Szenen aus ungeschriebenen Romanen, sorg­fältig komponiert, voll traumhafter Menschenkenntnis – ein untergegangenes, ein modernes und ein ewiges Frankreich.


Aber Jean-Jaques Sempés Bekanntheit geht weit über Frankreich, weit über den deutschprachigen Raum, weit über Europa hinaus: Seit 1978 malte er für den New Yorker über 50 Titelblätter, die im exklusiven Band Sempé in New York alle versammelt sind.

Nicht nur für Magazine wie Paris Match, L'Express, Punch, New York Times oder New Yorker hat Sempé gezeichnet. Für uns Verlagsmenschen, Buchhändler:innen und Lesehungrigen gibt es das perfekte Buch, das wir besonders stolz in diesen Blogbeitrag aufgenommen haben: Für Bücherfreunde. Denn die sind wir alle.

Für Bücherfreunde
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Für Bücherfreunde

Ausgewählt von Daniel Keel und Daniel Kampa

Heute, wo immer weniger Menschen lesen, wird der Umgang mit Büchern gesellschaftlich zunehmend zum Kuriosum. Wie können Leute stundenlang einen Stoß Papier in den Händen halten? Noch dazu ohne Werbepause, um sich ein Getränk aus dem Kühlschrank zu holen? 


Die neusten Werke von Sempé, die er 1990 bis 2019 gemalt hat, sind in folgendem Prachtband versammelt, der letztes Jahr bei Diogenes erschienen ist. Die Bilder sind gleichermaßen altmodisch und entrückt, und wir können uns in ihnen nach einer Zeit sehnen, in der noch nicht alles so kompliziert und überfordernd war. Hin und weg heißt das Kunstbuch, und das sind wir, von den Geschichten, von den Zeichnungen darin, aber insbesondere auch von Sempé.

Hin und weg
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Hin und weg

Aus dem Französischen von Jakob Emanuel

Junge Liebende, charmante alte Damen, verhinderte Künstler und kluge Kinder, sie bevölkern Sempés Welt. Ein Prachtband zum Schwelgen und Schmunzeln.


Mit unserer Liebeserkärung an Jean-Jacques Sempé sind wir nicht allein. Der Titel Mit vorzüglicher Hochachtung bezieht sich natürlich nicht nur auf den Inhalt dieses wunderbaren Buchs, sondern auch auf die großen, feiernden Worte, die an den Künstler gerichtet werden. So schreibt Charles McGrath in der The New York Times: »Sempés präzise, elegante Zeichnungen beschwören meist ein Paris, von dem sogar die Pariser träumen (...) Winzig nehmen sich in den Zeichnungen seine Figuren aus – französische Jedermanns, würdevoll und gleichzeitig gebeutelt vom Kampf der Geschlechter, der täglichen Mühe, die Fassade zu wahren, dem endlosen Kreislauf von kleinen Siegen und großen Niederlagen.«

Mit vorzüglicher Hochachtung
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Mit vorzüglicher Hochachtung

Aus dem Französischen von Patrick Süskind
Ein Arbeiter sucht in einer fließbandproduzierten Schaufensterpuppe das unverwechselbare gewisse Etwas; ein Kleinunternehmer zieht aus seinem Betrieb Rückschlüsse auf die griechische Tragödie; ein streikender Arbeiter mischt sich auf offener Bühne in eine klassische Liebesszene. Alle suchen sie nach einer Verbindung zwischen ihren Sehnsüchten und ihrem banalen Alltag – »treuherzig, tapfer, verletzlich, wehmütig, aber nie lächerlich. Continuez, s'il vous plaît, Monsieur Sempé« (Nathalie Crom, Télérama, Paris).

Kunst, Cartoon, Fotografie
Hardcover Leinen
26,5 × 30 cm
104 Seiten
erschienen am 28. Oktober 2008

978-3-257-02095-3
€ (D) 34.90 / sFr 48.90* / € (A) 35.90
* unverb. Preisempfehlung

Zuletzt stellen wir Freundschaften vor. Mit dem kleinen Nick, Benjamin Kiesel und Paul Tamburin hat Jean-Jaques Sempé unsterbliche Freunde erschaffen. Und auch wir behalten den humorvollen, feinfühligen und unvergleichbaren Künster im Herz, schauen in seinen Zeichnungen aus Tuschefedern auch nach seinem Tod durch sein verträumtes, melancholisches und unkonventionelles Auge auf die Welt.

Freundschaften
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Freundschaften

Aus dem Französischen von Patrick Süskind
»Freundschaft erfordert Zurückhaltung, Ehrlichkeit und Treue.« Das klingt so einfach. Erst als Sempé, sehr jung, zu zeichnen anfängt, findet er Freunde – indem er sie (oft im Duo mit Goscinny, Süskind oder Modiano) erfindet: den kecken kleinen Nick, den chronisch errötenden Benjamin Kiesel, den geheimnisvollen Fahrradhändler Paul Tamburin – unsterbliche Freunde in allen Lebenslagen, auch für seine Millionen Leser.