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Lage traumhaft, Zimmer toll, Wäsche wieder sauber – Bericht einer Lesereise

Von Martin Walker

Das Leben unterwegs auf Lesereise kann für einen Schriftsteller wunderbar sein: Er trifft die Leser und Buchhändler und erfährt, was ihnen an seinen Büchern am meisten gefällt. In diesem Herbst hatte ich gleich drei Bücher im Gepäck: Provokateure, den siebten Fall für Bruno, Chef de police, das Bruno-Kochbuch und einen Zukunftsthriller, Germany 2064.

<p>V.l.n.r.: Alexandra von Arx, Sonja Riesen, Martin Walker, Lucie Machac, Monika Schärer</p><br/>

Als Schriftsteller arbeiten wir allein im stillen Kämmerlein, und gerade im Fall meines allerneusten Buches, Germany 2064, war es für mich spannend zu erleben und zu erfahren, was und wie viel von der in meinem Roman beschriebenen Zukunftswelt die heute lebenden Menschen bereits tangiert, die mein Buch gelesen haben. Gerade wegen dieses Austauschs mit meinen Lesern liebe ich Lesereisen, habe bestimmt schon über dreihundert Lesungen an fast ebenso vielen Orten abgehalten und kenne Deutschland inzwischen wahrscheinlich besser als mancher Deutsche.

Manchmal gibt es richtigen Luxus. In der Schweiz war ich diesmal in zwei wahrlich prachtvollen Hotels untergebracht: im Schweizerhof in Bern, wo ich eine sehr schöne Lesung erlebte, und im Dolder Grand oberhalb von Zürich, wo ich anlässlich einer Veranstaltung in Winterthur im Rahmen des Festivals »Zürich liest« Quartier bezogen hatte. Vom Balkon meines Hotelzimmers aus genoss ich den Blick auf den Zürichsee und die Alpen in der Ferne, während direkt unter mir der Wald in den feurigsten Herbstfarben erglühte.

In Bern fühlte ich mich wie in Adams Schoß beziehungsweise wie in Brunos kühnsten Träumen, weil ich den Abend im Rahmen der Berner Literaturgespräche mit vier schönen Frauen gestalten durfte: mit der Moderatorin Monika Schärer, mit der Schauspielerin Sonja Riesen, die den deutschen Part las, sowie den beiden Organisatorinnen der Veranstaltung, Alexandra von Arx und Lucie Machac.

In Winterthur, wo ich als Nächstes las, elektrisierte ein großartiger deutscher Schauspieler, Klaus Henner Russius, das Publikum mit seiner gekonnten Herausarbeitung der wahrlich unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Protagonisten von Germany 2064 – des Polizisten Bernd Aguilar und seines Roboter-Partners Roberto.

Für das Zimmermädchen meines Berner Hotels muss der Anblick meines Bads ein Schock gewesen sein: meine Handwäsche hing über den Heizkörpern und tropfte in die Duschtasse. Auf einer Lesetour checkt man abends zu spät ein und am nächsten Tag zu früh aus, um die Hotelwäscherei in Anspruch nehmen zu können. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Sachen im Waschbecken meines Hotelbadezimmers selbst zu waschen. Und oft wartet am nächsten Morgen noch eine Menge Arbeit mit dem Fön auf mich, wenn die Sachen noch nicht trocken genug zum Einpacken sind. Es ist nicht alles nur glamourös auf einer Lesereise!

Zwischen den Übernachtungen in den beiden Grandhotels wohnte ich in einem sehr freundlichen Bed & Breakfast mit Bad auf dem Gang, im Haus einer charmanten und gastfreundlichen Schweizer Familie, die im Hauptberuf chinesische Massagen anbietet. Als ich der Dame des Hauses vom Wäschewaschen in Hotelbadezimmern erzählte, sagte sie: »Aber ich hätte die Sachen doch über Nacht durch unsere Waschmaschine und den Trockner laufen lassen können.« Zu spät – aber das nenne ich wahre Gastfreundschaft!

 

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang Journalist bei der britischen Tageszeitung The Guardian. Er ist im Vorstand eines Think Tanks für Topmanager in Washington, den er sieben Jahre präsidierte, und ist außerdem Senior Scholar am Woodrow Wilson Center in Washington DC. Seine Bruno-Romane erscheinen in fünfzehn Sprachen.