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Martin Walker entwirft das Deutschland von morgen

Diese Woche erscheint ein neues Buch von Martin Walker. Germany 2064 ist ein realistischer Zukunftsthriller. Neben einem fesselnden Krimifall zeigt der Autor der beliebten Bruno-Romane eindrücklich, wie unsere Welt in 50 Jahren aussehen könnte.

Germany 2064

Für einmal ist der Handlungsort nicht das französische Périgord von heute, sondern Deutschland im Jahr 2064: Als bei einem Konzert die Sängerin Hati Boran entführt wird, muss Kommissar Bernd Aguilar ermitteln. Der Entführungsfall dient Martin Walker als Rahmen für einen Blick in unsere Zukunft: Aguilars engster Mitarbeiter und Vertrauter ist ein Roboter, ein AP beziehungsweise Automatisierter Partner, wie es in der Amtssprache von morgen heißt.

Während er die Krimihandlung gewohnt spannend vorantreibt, zeigt Martin Walker auf, welche Auswirkungen die Technologien, die heute bereits im Ansatz bekannt sind, auf unsere Gesellschaft und das Zusammenleben haben könnten. Wie die zunehmende Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung uns beeinflussen und welche Folgen dies auf die Wirtschaft und die Politik hat.

Industrie 4.0 und der gläserne Mensch

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hat die Maschine ihren festen Platz an der Seite des Menschen eingenommen. Heute erobern brillante Technologien immer mehr Lebensbereiche. An eigenständig arbeitende Staubsauger und Rasenmäher haben wir uns bereits gewöhnt, doch bald werden bahnbrechende Anwendungen in der künstlichen Intelligenz eine neue Dimension erreicht haben und unseren Alltag noch viel stärker prägen.

Martin Walker denkt weiter, was heute in Anfängen vorhanden ist: Bereits im Einsatz sind computergesteuerten Drohnen, es gibt Computerprogramme zur Diagnose von Krankheiten, 3D Printing, das Self-Scanning im Supermarkt, Operationsroboter oder solche, die Häuser bauen. Selbstfahrende Fahrzeuge werden in Deutschland gerade getestet und kommen laut Branchenkennern schon 2020 regulär auf die Straße.

Vor einigen Jahren kam eine intelligente Computersoftware auf den Markt, die erlaubt, nach Präzedenzfällen in der Rechtsprechung zu suchen. Diese Arbeit wurde davor von Rechtsanwälten geleistet. Weiterentwickelte Computerprogramme und Algorithmen, Maschinen und Roboter werden künftig weitere Aufgaben übernehmen und dadurch in vielen Berufsfeldern die Menschen ersetzen.

<p>KUKA Roboter im Karosseriebau des BMW Werk Leipzig beim Zusammenbau der Bodengruppe für einen 3er BMW.&nbsp;(Foto: ©&nbsp;<a href="http://www.bmwgroup-werke.com/de/leipzig.html" target="_blank">BMW Werk Leipzig</a>&nbsp;[<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 2.0 de</a>], via Wikimedia Commons)</p><br/>

Wie der Journalist Constantin Seibt kürzlich in einer Analyse schrieb, ist es »die Verdoppelung der Rechenleistung alle 18 Monate, die ganze Berufszweige eliminieren wird: etwa Kassiererinnen, Bauarbeiter, Mechaniker, Chauffeure. (…) Dieses Los trifft nicht nur Leute in Arbeitskitteln, sondern auch die mit Krawatte. Weil die Spracherkennung der Computer rasant perfekter wird. Die Zeit für digitale Lehrer, Call-Center-Leute, Anwälte, Journalisten, Börsentrader, Programmierer bricht an. Keine Branche wird unberührt bleiben: Das Rennen Mensch gegen Maschine ist erst gestartet. Und der Mensch wird es fast überall verlieren.«

Es gibt auch optimistischere Meinungen: Jobs würden zwar verloren gehen, aber gleichzeitig so viele neue entstehen, dass die Arbeitslosigkeit sich nicht drastisch erhöhen würde. Laut der Optimisten erleben wir gerade die vierte industrielle Revolution, die wie die drei vor ihr zu besseren Ausbildungen, besseren Jobs und mehr Wohlstand führen werde (Quelle: TA »An die Arbeit Roboter«).

Gemäß Martin Walker werden wir nicht mehr lebenslang in großen Firmen angestellt sein, sondern stärker alleine arbeiten, mehrere Jobs und sich überschneidende Karrieren haben. Gleichzeitig werden komplexe, hochautomatisierte Fabriken an heimischen Standorten wieder wichtiger als der Lohnkostenvorteil in Billiglohnländern, die es laut dem Roman in fünfzig Jahren auch kaum noch geben wird.

War die Maschine uns zunächst nur in ihrer Fertigkeit ähnlich, indem sie von Menschen ausgeführte Arbeiten übernimmt, wird sie uns zunehmend auch äußerlich ähnlich. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwinden allmählich, wie ein Blick in die Forschungslabore zeigt.

<p>Der humanoide japanische Roboter Kotaro wurde im Jahr 2005 der Weltöffentlichkeit präsentiert (Foto: © Manfred Werner - Tsui (Own work) [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html" target="_blank">GFDL</a>&nbsp;or&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank">CC-BY-SA-3.0</a>], via Wikimedia Commons).</p><br/>

Der Roboter wird in seiner Weiterentwicklung je länger je menschlicher, gleichzeitig verbessert der Mensch mit technologischen Hilfsmitteln seine Fähigkeiten – und wird immer gläserner. Ein Nebeneffekt, den auch der Roman thematisiert: Einen Personal Communicator (die neue Generation der Smartphones) auf sich zu tragen, ist 2064 für alle Bürger Pflicht, ebenso die Implantation eines Chips, der fortlaufend Daten über den individuellen Gesundheitszustand ermittelt und überträgt. Somit kann jeder Mensch stets geortet werden und keine seiner Handlungen bleibt privat.

Kein Wunder ist die Gesellschaft in 50 Jahren gespalten: Während die eine Hälfte in hochtechnologisierten Monopolen lebt, verweigert sich die andere dem technischen Fortschritt sowie dem pausenlosen Monitoring und entwickelt alternative Lebensmodelle auf dem Land.

Emotionale Intelligenz

Und ein weiterer Aspekt der Technologisierung wird uns beschäftigen – Martin Walker thematisiert in Germany 2064 auch ihn:

Unheimlich ist nicht nur die äußerliche Annäherung der Roboter an die Menschen, sondern auch die innere. Im Roman werden die AP mit den Jahren dank verbesserter physischer Gestalt einerseits mobiler und geschickter in ihren Bewegungen, andererseits nimmt auch ihr Kommunikationspotential stetig zu. Sie können immer komplexere Befehle entgegennehmen und ausführen. Die Menschen bauen in der Folge eine Beziehung zu ihnen auf (und umgekehrt), das Verhältnis wird enger.

Kommissar Bernd Aguilars AP, Roberto, wurde mit Filmen, Musik und Literatur »gefüttert«, damit er begreift, was menschliche Emotionen sind. Daran wird heute schon getüftelt. Auch wenn die Roboter selber noch nicht fühlen, so sind sie bereits in der Lage, die Emotionen ihres menschlichen Gegenübers zu erkennen und Gefühle zumindest zu simulieren.

Was bedeutet dies alles für die Gesellschaft von morgen? Es sind spannende und teilweise unangenehme Fragen, die Martin Walker in seinem neuen Roman abhandelt. Er beschränkt sich nicht auf technologische Fiktion, sondern setzt sich umfassend mit den Innovationen auseinander: Er beleuchtet die wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und ethischen Aspekte und ihre Auswirkungen auf uns und unser Zusammenleben.

<p>Foto: Klaus Einwanger / © Diogenes Verlag</p><br/>

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Der Autor der erfolgreichen Bruno-Romane ist Senior Director in einem Think Tank, dem A.T. Kearney Global Business Policy Council. Dieser analysiert wirtschaftliche, soziale, finanzielle, technologische und demographische Trends.

Germany 2064. Ein Zukunftsthriller erscheint am 26.8.2015. Auch als E-Book.