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Japan als Mythos: Amélie Nothombs Roman »Eine heitere Wehmut«

Von einem Kamerateam begleitet, besucht Amélie Nothomb 2012 Japan – das Land ihrer Kindheit. Als Tochter eines belgischen Diplomaten in Kobe geboren, hat sie ihre ersten Lebensjahre hauptsächlich in Fernost verbracht. Was das Paradies von damals noch mit der Wirklichkeit von heute zu tun hat, vergleicht sie in ihrem neuen Roman Eine heitere Wehmut.

<p>Foto: © Midori (Own work) [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html" target="_blank">GFDL</a> or <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/" target="_blank">CC BY 3.0</a>], via Wikimedia Commons</p><br/>

Das Land der untergehenden Sonne ließ Amélie Nothomb seit ihrer Kindheit nicht mehr los. Seit der desaströsen Arbeitserfahrung bei Yumimoto als 21-Jährige (beschrieben in Mit Staunen und Zittern) und dem Ende ihrer ersten Liebe (Der japanische Verlobte) hat sie jedoch keinen Fuß mehr nach Japan gesetzt.

Ihre Rückkehr beginnt als nostalgische Spurensuche mit hochemotionalen Begegnungen und wird immer mehr zu einem verrückten Trip durch das Japan von heute. Ihr neues Buch Eine heitere Wehmut ist ein intimer Bericht dieser Reise. Unsere Fragen dazu beantwortete die Autorin im Interview.

<p>Foto: © Catherine Cabrol</p><br/>

In Eine heitere Wehmut erzählen Sie von einer Reise nach Japan. Was bedeutet Ihnen dieses Land?

Es verkörpert für mich das Ideal der Schönheit und Erhabenheit, aber auch den göttlichen Rausch meiner ersten fünf Lebensjahre. Ich war so durchdrungen von allem um mich herum, dass ich als Kind vollkommen überzeugt war, Japanerin zu sein.

Eine heitere Wehmut gehört zu ihren autobiographischen Werken. Wie gehen Sie mit Erinnerung um? Und inwiefern spielt Erfindung bei Ihren autobiographischen Texten eine Rolle?

Ich habe schon seit je eine außerordentliche emotionale Erinnerung. Das ist nichts, was man abrufen könnte, das passiert ganz von allein, ohne mein Zutun. In den autobiographischen Texten sind es Sprache und Stil, die die Geschichte fiktionalisieren.

<p>Foto: © Diogenes Verlag</p><br/>

Warum der Titel Eine heitere Wehmut?

Was bei uns wie ein Paradox klingt, gehört in Japan untrennbar zusammen. Der Titel zeigt also, wie gegensätzlich unsere Kulturen sind.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Kinderfrau Nishio-san, oder war die Wiederbegegnung, die im Buch so rührend geschildert wird, die letzte?

Ich habe ihr gleich nach meiner Rückkehr nach Europa geschrieben. Ein Jahr später erhielt ich einen liebenswürdigen kleinen Brief von ihr, in dem sie sich dafür entschuldigte, mir keinen Tee serviert zu haben.

Würden Sie gerne in Japan leben?

Heute nicht mehr. Japan war der Mythos meiner ersten zwanzig Lebensjahre, darauf folgte der Schock von Mit Staunen und Zittern. Die Liebe ist zwar noch immer da, aber heute habe ich mehr Distanz.

Welche Empfehlungen geben Sie einem Europäer, der nach Japan reisen möchte?

Am besten besuchen Sie Japan im Frühling oder im Herbst. Und fahren Sie nach Kyoto. Und in die Berge.

 

Eine heitere Wehmut ist am 25.2.2015 erschienen. Hier geht es zur Leseprobe.

Ein Trailer zum eingangs erwähnten Dokumentarfilm Une vie entre deux eaux  (auf Französisch) ist hier zu sehen.

Eine heitere Wehmut