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Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!
Ein Interview mit John Irving.

John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine Romane wurden alle Weltbestseller, vier davon verfilmt. 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag. 2019 nahm er neben der amerikanischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft an. Am 2.3.2022 feiert er seinen 80. Geburtstag. Und wir feiern seine unvergesslichen Geschichten!

Sie blicken auf so viele erfolgreiche Romane zurück und haben Generationen von Lesern geprägt. Auf welches Ihrer Bücher und/ oder welchen Charakter sind Sie besonders stolz?

John Irving: Von Roman zu Roman wiederholen sich meine Themen (oder Obsessionen); von Buch zu Buch werden meine Figuren neugeboren oder neu erfunden. Denken Sie nur an den fehlenden oder abwesenden Vater, oder an die verschwiegenen Mütter, die ein Geheimnis mit sich herumtragen. Bislang gibt es nur einen Roman über ein tatsächliches Waisenkind, das im Waisenhaus geboren wird und dort aufwächst — Homer Wells in Gottes Werk und Teufels Beitrag —, doch es gibt noch weitere Kinder oder Heranwachsende, die verloren sind (oder jemanden vermissen). »Was wir begehren, prägt uns«, sagt der bisexuelle Ich-Erzähler von In einer Person. Die prägenden Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend einer Figur sind bei mir ein immer wiederkehrendes Thema. In dieser Hinsicht wiederholen sich meine Figuren und Romane; für mich sind sie Kinder einer Familie. Es fällt mir schwer, meine persönlichen Lieblinge herauszupicken. Die größten Herausforderungen waren jene Figuren, die von meinen persönlichen Erfahrungen am weitesten entfernt waren; von ihnen lernte ich am meisten über die Lebensumstände anderer Menschen. Dr. Larch — der Geburtshelfer, Gynäkologe und Abtreibungsarzt in Gottes Werk und Teufels Beitrag. Ruth in Witwe für ein Jahr. Juan Diego in Straße der Wunder. Was die beste Handlung betrifft, also das, was für mich am meisten zählt: Bis ich dich finde und Letzte Nacht in Twisted River — das sind die besten Geschichten.

Foto: © Basso Cannarsa/Opale/Leemage/laif

Inwiefern hat sich das Schreiben über die Jahre für Sie verändert? Würden Sie sagen, dass Sie in Ihren späteren Romanen nun Geschichten erzählen können, die Sie als junger Mann nicht hätten schreiben können?

John Irving: Als ich die ersten vier Romane schrieb — Garp und wie er die Welt sah ist der vierte in dieser Reihe —, da war ich noch kein Vollzeit-Autor. Ich war Vollzeit-Lehrer und Ringertrainer; ich hatte Vollzeitjobs, die nichts mit Schreiben zu tun hatten. Ich konnte nicht mehr als zwei, drei Stunden am Tag schreiben, und das auch nicht jeden Tag. Garp war mein erster Bestseller; nach Garp war ich in der Lage, meinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu bestreiten. Allerdings musste ich erst lernen, sieben oder acht Stunden am Tag zu schreiben, und das sieben Tage die Woche — das war ich überhaupt nicht gewöhnt. Bei der Arbeit an Das Hotel New Hampshire lernte ich es. Und bis ich mit meinem sechsten Roman, Gottes Werk und Teufels Beitrag, begann, hatte ich den Bogen raus. Das Schreiben wird leichter, wenn es die einzige Arbeit ist. Man wird anspruchsvoller, konzentrierter — man kann langsamer und sorgfältiger schreiben und immer wieder umschreiben, wenn man sonst keine andere Arbeit hat. Für den Luxus, Schriftsteller und nur Schriftsteller zu sein, bin ich Tag für Tag dankbar. Ein solches Glück hat nicht jeder Autor.

Und wir dürfen uns auf einen neuen Roman von Ihnen freuen, richtig? Können Sie uns darüber schon etwas verraten?

John Irving: Mein fünfzehnter Roman wird mein letzter langer Roman sein. Genau wie Gottes Werk und Teufels Beitrag — auf Englisch The Cider House Rules —, hat auch mein neuer Roman bereits den Titel gewechselt. (The Cider House Rules hieß erst The Boy Who Belonged to St. Cloud’s — letztlich der Titel des ersten Kapitels.) Mein fünfzehnter Roman hieß erst Darkness as a Bride; später dann Rules for Ghosts. Zum Schluss wurde daraus The Last Chairlift. Eine solche Titelentwicklung ist mir vertraut — vom Poetischen zum Geheimnisvollen, dann zum Konkreten und Metaphorischen. Meine »konkret und metaphorisch« stärksten Titel sind Owen Meany, Witwe für ein Jahr, Bis ich dich finde, und Letzte Nacht in Twisted River. In The Last Chairlift wird der konkrete Sessellift, den ich meine, als »Leichenwagen beschrieben – ein wartender Leichenwagen.«

Doch ich möchte die Geschichte nicht verraten. (Nur ein wenig!) 1941 tritt Rachel Brewster als Skifahrerin bei den Nationalen Abfahrts- und Slalommeisterschaften in Aspen, Colorado an. Little Ray, wie sie genannt wird, landet zwar nicht auf dem Siegertreppchen, sondern weit abgeschlagen, dafür wird sie schwanger. Daheim in New England, wo ihr Sohn Adam zur Welt kommt, wird Little Ray Skilehrerin. Adam wächst mit einer Mutter auf, die Fragen zu ihrer Vergangenheit ausweicht. Jahre später fährt Adam auf der Suche nach Antworten nach Aspen. Im Hotel Jerome, in dem er gezeugt wurde, trifft Adam auf ein paar Geister; nicht die ersten und auch nicht die letzten Geister, die er sieht. The Last Chairlift ist eine Geistergeschichte, eine Liebesgeschichte und jede Menge Sexualpolitik. Mehr wird nicht verraten!

Die Fragen stellte Stephanie Uhlig, Februar 2022. Aus dem Englischen von Peter Torberg, © by Diogenes Verlag AG Zürich.

Die imaginäre Freundin
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Die imaginäre Freundin

Vom Ringen und Schreiben

John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine bisher 14 Romane wurden alle Weltbestseller, vier davon verfilmt. 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag.

Die imaginaäre Freundin. Vom Ringen und SchreibeneBook | Taschenbuch 

Aus dem Amerikanischen von Irene Rumler. Mit zahlreichen Fotos.