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Jörg Fauser
Marlon Brando
Der versilberte Rebell. Eine Biographie

Ein neuer Band aus der großen Fauser-Edition

In ihm fand Jörg Fauser den Seinen, von ihm wurde er inspiriert: »Ich habe in Brando immer einen Rebellen gesehen – eine sicher naive Betrachtungsweise; was ist schon ein Rebell? In einer Welt, in der es von Revolutionären nur so wimmelt, ist der Rebell der Mann von gestern, der Konservative. Mag sein. Bei so vielen Menschen von heute wirkt auch die Erde wie von gestern, und wie Brando halte ich es im Zweifelsfall mit der Erde.« Fauser und Brando – zwei Zerrissene, die nicht nur das Immer-wieder-Aufstehen vereint.

Foto Marlon Brando : Copyright © John Kobal Foundation / Getty Images

Auszug aus dem Nachwort von Franz Dobler:

Es war ein guter Tag für die deutsche Literatur, als Jörg Fauser am 12. Dezember 1977 den Vertrag für die Marlon- Brando-Biographie unterzeichnete.

Dieses Buch sollte eminent wichtig für seine Karriere werden. Es markierte einen Wendepunkt, es war sein Sprungbrett, ohne das wir heute, mehr als dreißig Jahre nach seinem frühen Tod, vielleicht nicht mehr von ihm reden würden. Denn das Brando-Buch, das heute vor allem ein Fauser-Buch ist, war das Ticket, mit dem er explodierte und sich den Weg für die folgenden großen Werke freikämpfte.

Er selbst hielt die Biographie sogar für »das wahrscheinlich am gelungenste« von seinen Büchern. »Da stimmt wahrscheinlich alles«, sagte er 1985 in einem Interview, zwei Jahre vor seinem Tod, als er auf einen Stapel Bücher zurückblicken konnte, darunter die bedeutenden Romane Der Schneemann, Rohstoff und Das Schlangenmaul. Und wer bin ich, dass ich gegen diese Einschätzung protestieren könnte.

[...]
Es war harte Arbeit, vom Schreiben leben zu können und zu diesem »Geschäftsmann« zu werden, wie er sich Jahre später gegenüber dem Literaturkritiker Hellmuth Karasek nannte, den diese Berufsbezeichnung schwer verblüffte; »aber sicher«, sagte Fauser, »writing is my business« (Graham Greene zitierend). Und nicht zu vergessen der härteste Teil der Arbeit: Er hatte nicht nur viel über Drogen geschrieben, sondern sich mit dem Schreiben von ihnen befreit, war genauer gesagt von Heroin auf Alkohol umgestiegen, und um das zu schaffen, muss man härter angreifen als gelegentlich mal mit einem kleinen Gedicht.

Und dennoch, was zählt die harte Arbeit, wenn einer damit nicht hinkommt, wo er hinwill?

Fauser hatte in diesem Dezember, als der sogenannte Deutsche Herbst noch lange nicht zu Ende war, keine Lust mehr, Teil der Bohème-Szene zu sein und nur für die Miete und die anderen notwendigen Lebensmittel zu schuften; auch waren die Erfahrungen von Hausbesetzung bis Nachtwächter und von Junk in Istanbul bis Dreharbeiten in Los Angeles alle gemacht; aber aus dem Traum, den er seit seiner Jugend im Gepäck hatte und der eben doch etwas größer war als dieses »writing is my business«, mit dem sich auch ein smarter Werbetexter an Starautor Graham Greene ranmachen kann, war immer noch nichts geworden – das also die Chance, als Verlegerin Monika Nüchtern, Ehefrau des Filmregisseurs Rüdiger Nüchtern, ihm das Angebot machte. Und es ist gut möglich, dass Fauser es sogar als die eine und letzte Chance betrachtete, sich endlich im Buchgeschäft als der »Profi« zu etablieren, mit dem er sein Ziel schon lange exakt bezeichnete.

»Für Fauser entwickelt sich die Brando-Biographie zum Auftakt der Karriere, die er immer wollte«, schreiben Ambros Waibel und Matthias Penzel in ihrer großartigen Fauser-Biographie Rebell im Cola-Hinterland. Nämlich die Karriere »des ernsthaften Autors, der seinen Streifen durchzieht, abseits des Gängigen – und dabei auch kommerziell erfolgreich ist«. Mit dem damals beachtlichen Bonus, dass sich mit dem Buch »sein Ansehen in den Schwabinger Film- und Literatenkreisen schlagartig erhöht« hat, und er dank Brando endlich »aus der Bohème erlöst« war.

Der versilberte Rebell wurde von einem erfahrenen und vor allem selbstbewussten Autor geschrieben. Er scherte sich nicht groß um die Regeln, nach denen derartige Biographien üblicherweise verfasst werden, und bastelte auch »nicht die Sorte Sätze, in die Starbiographen für gewöhnlich die Ihren betten. Weil sie sich zu solchen Höhen gar nicht emporschwingen wollen und lieber den Legenden an den Lippen hängen, statt ihr Lied zu singen«, schrieb der renommierte und ebenfalls viel zu früh verstorbene Filmkritiker Michael Althen später in einem Nachwort.

Während der nach seinen Comebacks mit Der Pate und Der letzte Tango in Paris und Apocalypse Now unantastbare Weltstar Marlon Brando mit zehn Millionen Dollar für seinen belanglosen Auftritt im belanglosen Superman durchkam, packte ein kaum bekannter Autor mit einem Kleinverlag und einem Vorschuss von tausend Deutschen Mark im Rücken seine nicht geringe literarische und Lebenserfahrung in sein Weltstarbuch und stellte sich mit erhobener Stimme neben das Objekt der Begierde. Erzählte auch, wie es ihm gerade ging, während er diesen Job erledigte, was ihn wütend machte und wie es da draußen auf den Straßen »Germanistans« aussah. Das war so arrogant wie verblüffend und, ganz klar, rebellisch. Und auf eine Art ehrlich, die normale Weltstarbücher nicht im Angebot haben, denn Fauser stellte damit klar, dass es seine persönliche Geschichte mit Brando war und dass es ein anderer Autor anders erzählen würde.

Als ich selbst viele Jahre später das Angebot bekam, eine Biographie über Johnny Cash zu schreiben, wusste ich sofort, dass ich mich an diesem Buch orientieren musste, wenn es mehr als nur so’n Job sein sollte – das war die Messlatte, nur so würde es gehen.

 

Auszug aus Franz Doblers Nachwort zu Jörg Fausers „Marlon Brando. Der versilberte Rebell. Eine Biographie“. Diogenes Verlag, 2020

Mehr über Fauser und weitere Bücher auf der Microsite #fauserlesenjetzt.

 

Foto Marlon Brando : Copyright © Mondadori Portfolio / Getty Images

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Marlon Brando

Der versilberte Rebell. Eine Biographie
Mit einem Nachwort von Franz Dobler und einem Text von Brigitte Kronauer

»Ich habe in Brando immer einen Rebellen gesehen – eine sicher naive Betrachtungsweise; was ist schon ein Rebell? In einer Welt, in der es von Revolutionären nur so wimmelt, ist der Rebell der Mann von gestern, der Konservative. Mag sein. Bei so vielen Menschen von heute wirkt auch die Erde wie von gestern, und wie Brando halte ich es im Zweifelsfall mit der Erde.« Fauser und Brando – zwei Zerrissene, die nicht nur das Immer-wieder-Aufstehen vereint.


Hardcover Leinen
288 Seiten
erschienen am 27. Mai 2020

978-3-257-07093-4
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70
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