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Mit Samson durch das Kiew der frühen 1920er Jahre

Kiew in den frühen 1920er-Jahren: eine Stadt im Umbruch, zerrissen zwischen Hoffnung, Gewalt und Absurdität. In seiner Krimiserie um den jungen Polizisten Samson lässt Andrej Kurkow die frühen Sowjetjahre aus ukrainischer Perspektive lebendig werden – grotesk, präzise recherchiert und von feinem Humor durchzogen. Mit dem dritten Band Samson und das Galizische Bad setzt Kurkow seine international gefeierte Reihe fort und erzählt von einer Zeit, deren Nachhall bis in unsere Gegenwart reicht.

Foto: © Pako Mera / Opale / Bridgeman Images

Andrej Kurkow schreibt nicht nur wunderbare Geschichten, sein eigenes Leben würde schon jetzt für einen ganzen Roman reichen. Kurkow wurde in St. Petersburg geboren und ist seit früher Kindheit in Kiew zu Hause. Dort studierte er Fremdsprachen, arbeitete als Zeitungsredakteur, Kameramann und während seines Militärdienstes sogar als Gefängniswärter. Spätestens seit seinem Roman Picknick auf dem Eis gilt Kurkow als einer der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Autoren. Seine Bücher erscheinen in 45 Sprachen. Die britische Kritikerin Phoebe Taplin bezeichnet ihn »einen späten Bulgakow, einen ukrainischen Murakami«, Colin Freeman (Daily Telegraph) spricht von einem »postsowjetischen Kafka«.

Im vergangenen Oktober erschien nun der dritte Band von Andrej Kurkows international erfolgreicher Krimiserie um den jungen Polizisten Samson. In Samson und das Galizische Bad lässt der ukrainische Autor erneut das Kiew der frühen 1920er-Jahre lebendig werden. Wir erleben die frühen Sowjetjahre in der Ukraine aus einer ausdrücklich ukrainischen Perspektive – eine Sichtweise, die die Geschichte des Landes in einen europäischen Kontext rückt und heute, angesichts der Gegenwart, eine erschütternde Aktualität gewinnt. Kurkows Kiew ist eine Stadt nach dem Ersten Weltkrieg: zerrüttet, im Umbruch, voller Hoffnungen, Gewalt und Absurditäten.

Der erste Band Samson und Nadjeschda setzt unmittelbar nach der Februarrevolution und dem Sturz der Monarchie 1917 ein. Die alte Welt ist zerbrochen, eine neue soll entstehen. Im Zentrum steht Samson: Er hat seine Schwester und Mutter verloren, seinen Vater ebenfalls und bei einem Überfall marodierender Kosaken auch noch eines seiner Ohren. Durch eine Verkettung von Zufällen landet der junge Mann bei der Miliz und beginnt zu ermitteln, zunächst gegen zwei Rotarmisten, die sich in seiner Wohnung einquartiert haben und verdächtig große Mengen Silber horten. Eine besondere und unerwartete Hilfe ist ihm dabei sein abgetrenntes Ohr, durch das er auf wundersame Weise noch immer hören kann.

»Du bist irgendwie ungeschickt. Du denkst immer über vieles gleichzeitig nach, solltest dich aber dem Wichtigsten widmen.«

Diese Mischung aus Realismus und Fantastik, aus historischer Präzision und groteskem Einfallsreichtum erinnert an Gogol und trägt doch Kurkows ganz eigenen, warmen Tonfall. Trotz aller Skurrilität verliert der Autor nie den liebevollen Blick auf seine Figuren. So entspinnt sich im ersten Band eine zarte Romanze mit Nadjeschda, einer Mitarbeiterin des Statistikamts, die sich im zweiten Band fortsetzt. Nadjeschda bringt Samsons Wesen einmal treffend auf den Punkt: »Sei bitte nicht beleidigt, aber ich wollte dir das schon lange sagen … Du bist irgendwie ungeschickt. Du denkst immer über vieles gleichzeitig nach, solltest dich aber dem Wichtigsten widmen.«

Eine Reise ins Kiew der 1920er-Jahre

Neben dem hörenden Ohr begegnet Samson in seinen Ermittlungen zahlreichen weiteren surreal anmutenden Zuständen und schrägen Gestalten. All das ist jedoch niemals bloße Fantasie. Kurkow verbindet das Groteske stets mit akribischer Recherche: Straßen- und Ortsnamen sind historisch korrekt, die politischen Rahmenhandlungen der Romane haben tatsächlich stattgefunden. Die Inspiration für die Reihe fand der Autor in Originalakten des bolschewistischen Geheimdienstes aus der Zeit nach 1919. Im Interview mit der taz sagt Kurkow: »Bei der Lektüre dieser Akten wusste ich sofort: Hier habe ich die Basis für eine Serie von Kriminalromanen.«

Ins Deutsche übersetzt wurde die Reihe von Johanna Marx und Claudia Zecher, ausgestattet mit Illustrationen von Juri Nikitin und einem neuen Coverdesign. Mehr braucht es nicht, als die Bücher aufzuschlagen, um sich in Samsons skurrile, melancholische und zugleich humorvolle Welt zu verlieren – und in ein Kiew, das uns näher ist, als wir vielleicht glauben möchten.

Samson und Nadjeschda
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Samson und Nadjeschda

Kriminalroman
Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing. Mit Illustrationen von Jurij Nikitin

Kiew, 1919: In den Wirren nach der Russischen Revolution stößt der junge Samson, gerade zur Vollwaise geworden, beinahe durch Zufall zur neuen sowjetischen Polizei. Sein erster Fall ist gleich äußerst mysteriös: Ein abgeschnittenes Ohr, ein Knochen aus reinem Silber und ein Anzug aus feinem englischem Tuch geben ihm Rätsel auf. Doch die Zeiten sind gefährlich und halten jeden Tag neue Überraschungen bereit. Zum Glück lernt Samson die patente Nadjeschda kennen, die ihm bei den Ermittlungen hilft und an die er schon bald sein Herz verliert.


Taschenbuch
368 Seiten
erschienen am 22. Oktober 2025

978-3-257-24826-5
€ (D) 15.00 / sFr 20.00* / € (A) 15.50
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Auch erhältlich als
Samson und das gestohlene Herz
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Samson und das gestohlene Herz

Kriminalroman
Aus dem Russischen von Johanna Marx und Claudia Zecher. Mit Illustrationen von Juri Nikitin

Zusammen mit seinem Kollegen Cholodnij soll Samson wegen illegaler Fleischverkäufe ermitteln. Doch kaum haben die beiden mit ihrer Arbeit begonnen, wird Samsons Freundin Nadjeschda von streikenden Eisenbahnern gefangen genommen. Sofort macht sich Samson daran, sie zu befreien. Nur, was hat es mit den Eisenbahnern auf sich? Und warum wurde der undurchsichtige Tschekist Abjasow zur Miliz abkommandiert? Fragen, die Samson klären muss, wenn er seinen Fall lösen und Nadjeschda retten will.


Taschenbuch
432 Seiten
erschienen am 22. Oktober 2025

978-3-257-24777-0
€ (D) 15.00 / sFr 20.00* / € (A) 15.50
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Auch erhältlich als
Samson und das Galizische Bad
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Samson und das Galizische Bad

Kriminalroman
Aus dem Russischen von Johanna Marx und Claudia Zecher. Mit Illustrationen von Juri Nikitin

Kiew, 1919: Ein Trupp Rotarmisten ist spurlos verschwunden, mitten in der Stadt, während eines Banjabesuchs. Als Samson im Heizofen des Badehauses Knochenreste findet, kommt er einem finsteren Komplott auf die Spur. Auch im dritten Band um den herzensguten Samson und die kluge Nadjeschda lässt der ukrainische Meister absurder Erzählkunst das Kiew der frühen Zwanzigerjahre lebendig werden. Voller politischer Turbulenzen und schräger Charaktere und spielerischer Parallelen zum Heute.


Hardcover Leinen
480 Seiten
erschienen am 22. Oktober 2025

978-3-257-07326-3
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als

Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Seit seinem Roman ›Picknick auf dem Eis‹ gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Autoren. Sein Werk erscheint in 45 Sprachen. Kurkow lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in der Ukraine. 2023 wurde er als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.