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Ein Interview mit Petros Markaris

Im Interview für Buchkultur spricht Dagmar Kaindl mit Petros Markaris über Armut, Solidarität und Politik. Themen, die in seinen neuen Roman Das Lied des Geldes eine zentrale Rolle spielen. Der 13. Fall für Kommissar Charitos ist herausfordernend, denn es gibt eine neue Protestbewegung in Athen.

Foto: © Regine Mosimann

Kostas Charitos hat sich im Laufe seiner Fälle verändert: Er ist rücksichtsvoller, weniger zynisch und versöhnlicher seiner Frau gegenüber. Ist Charitos altersmilde und ein bisschen weiser geworden? Welchen Anteil hat daran sein Enkelsohn Lambros, der nach seinem altlinken Freund Lambros Sissis benannt ist?

Petros Markaris: Es ist wahr, dass Lambros, sein Enkelsohn, Charitos stark verändert hat. Er hat die Wesenszüge eines Opas bekommen, ist entspannter und drückt seine Freude und seine Gefühle leichter aus. Ich glaube aber, dass die zunehmend engere Beziehung zu Lambros Sissis auch sehr wichtig ist. Die Freundschaft mit Lambros hat nicht nur Charitos stark geprägt, sondern auch Adriani, seine Frau. Der dritte Grund ist meine nunmehr lange Freundschaft mit Charitos. Ich habe im Laufe dieser Freundschaft Seiten und Züge seines Charakters entdeckt, die mir völlig anfangs unbekannt waren.

Es steht zu befürchten, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich durch die Corona-Krise noch verstärken wird. Im Buch trägt Lambros Sissis die Linke symbolisch zu Grabe. Hat der neuerliche Aufstieg der Rechten nicht nur in Europa seine Wurzeln im Versagen, in der Krise der Linken? Was muss sich verändern? Wenn sich die Armen der Welt erheben – was würde dann passieren? Wie gefielen, gefallen Ihnen die italienischen „Sardinen“, die gegen den rechtspopulistischen Salvini auf die Straße gingen und die Sie im Roman ansprechen?

Petros Markaris: Die Finanzkrise von 2008 war für den Mittelstand in vielen Ländern ein schwerer Schlag, der durch Covid 19 und die Pandemie verstärkt wurde. Zugleich mutierten die Linksparteien zu Parteien des Systems und wollten die Regierungsgeschäfte übernehmen. Ich habe diese neue Realität während der Finanzkrise mit der griechischen Linkspartei SYRIZA erlebt. Mittlerweile sieht man aber die gleiche Entwicklung in vielen europäischen Staaten. Die europäische Linke hat den Rechtspopulisten damit einen großen Dienst erwiesen, weil sie ihnen das Terrain des Protests und der Mobilisierung überlassen hat. Das führt den Altlinken Zissis dazu die Linke als tot durch Selbstmord zu erklären. Jetzt protestiert der Mittelstand in manchen Ländern, wie in Frankreich, in Italien und Spanien aus eigener Initiative. Das ist ein gutes Signal, es ist aber noch zu früh, um sich eine klare Meinung dazu zu bilden.

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Das Lied des Geldes

Ein Fall für Kostas Charitos

Wie ist es Ihnen in der Pandemie ergangen? Anfangs hatten viele (Linke) die Hoffnung, dass durch die Corona-Krise die Solidarität wieder zunehmen würde. Wie sehen Sie das? Glauben Sie, dass die Menschen aus der Krise gelernt haben oder haben Sie Sorge, dass man danach wieder in die alten Muster zurückfallen wird? Haben Sie Sorge, dass die Rechtspopulisten von der Krise profitieren könnten?

Petros Markaris: Mein Arbeitstag hat sich zum Glück während der Pandemie nicht geändert. Ich konnte weiter arbeiten. Der Lockdown weckte aber die Sehnsucht nach meinen Freunden und unseren Gesprächen. Die alltägliche Angst hat in den letzten zwei Jahren unser Leben geprägt, und das wird Folgen haben. Was ich noch feststelle, ist, dass die Gewalt in unseren Gesellschaften zunimmt. Es vergeht fast kein Tag in Griechenland, ohne dass die Medien von einem neuen Gewaltakt berichten und Griechenland ist keine Ausnahme. Die Rechtspopulisten könnten von der Krise profitieren, vor allem in den Kreisen der Corona-Leugner, aber die größere Sorge ist für mich, dass die Bürger in manchen Ländern dem politischen System aus Enttäuschung den Rücken zukehren. Auf jeden Fall glaube ich nicht, dass es eine Rückkehr in die Normalität vor der Pandemie geben wird. Das ist ein Wunschtraum.

Petros Markaris im Interview mit Dagmar Kaindl, © Buchkultur

Lust auf das gesamte Interview? Das finden Sie im neuen Magazin Buchkultur 197 (4/2021), erschienen am 26.8.2021.

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