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Allmen ist zurück: Martin Suter über seinen neuen Roman ›Allmen und der Koi‹

Eine Einladung von »Unbekannt« lockt Allmen nach Ibiza auf ein exklusives Anwesen. An einem großen Teich erwartet ihn ein älterer Mann und zeigt ihm seine kostbaren Kois. Einer der zutraulichen Fische – der wertvollste – ist verschwunden. Die Detektei Allmen International erhält den Auftrag, »Boy«, fast eine Million wert, ausfindig zu machen. Allmen und seine Crew finden diskreten Zutritt zur abgeschirmten Welt der Insel-High-Society und bekommen Einblick in eine kuriose Sammelleidenschaft.

Foto: © Urs Jaudas

Woher kommt Ihre Liebe zu Kois?

Martin Suter: Nun, Liebe ist etwas übertrieben. Sympathie trifft es eher. Ich habe selbst einmal ein paar gehabt.

Schauplatz ist Ibiza, wo Sie früher einen Wohnsitz hatten. Haben Sie dadurch, dass Sie
Allmen auf der Insel ermitteln lassen, eine Art Heimweh gestillt? Was vermissen Sie an Ibiza?

Ich mag Schauplätze, die ich gut kenne. Vielleicht ist es einfach nur Faulheit. Dinge, die man gut kennt, kann man besser beschreiben. Man weiß, was man erwähnen muss und was man weglassen darf.

Ist die Insel-High-Society wirklich so dekadent, wie Sie sie in diesem Roman schildern? Und
ist der Koi ein Statussymbol für die Reichen auf Ibiza?

Es ist beides etwas überspitzt. Die Allmen-Geschichten müssen etwas überspitzt sein. Johann Friedrich von Allmen ist es ja auch.

Das Ibiza-Bild, das Sie zeichnen, ist nicht gerade romantisch: Partygänger, die nachts die
Schnellstraßen entlangtorkeln oder in der Notaufnahme landen. Waldbrände, die die Bewohner um ihr Leben und ihr Hab und Gut fürchten lassen. Wollten Sie ein »
untouristisches«, also wirkliches Ibiza zeigen?

Ja, ich wollte – abgesehen vom Überspitzten – ein Ibiza zeigen, wie ich es in den vielen Jahren kennengelernt habe.

Wird Allmen ein wenig weicher, oder trügt der Eindruck? Er zeigt zum Beispiel Gefühle der Trauer und sinniert wehmütig über das Älterwerden. Oder wie würden Sie seine Entwicklung beschreiben?

Allmen wird einfach älter, da werden die einen härter und die andern weicher. Mir sind Letztere lieber. Es tut Romanfiguren – und übrigens auch Menschen aus Fleisch und Blut – gut, wenn sie ein paar Brüche zeigen. Bei Serienhelden braucht dies eben ein wenig länger.

In Allmen und der Koi geht es sehr kulinarisch zu, bei der spanisch-japanischen Fusion-Küche läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Wie sind Sie auf die Rezeptideen gekommen?

Garret, der Besitzer der Kois, ist etwas japanophil, Kois stammen aus Japan, die Koipfleger sind Japaner. Da drängt es sich doch auf, dass der japanische Koch in Spanien spanisch-japanisch kocht. Und geholfen hat mir dabei der bemerkenswerte Koch Heiko Antoniewicz, der mich schon bei Der Koch sehr unterstützt hat.

Der Auftraggeber auf Ibiza ist Musikproduzent, es laufen Peter Gabriel, Bruce Springsteen und U2. War dies auch Ihr Soundtrack beim Schreiben?

Nein. Von den drei Erwähnten mag ich nur Peter Gabriel.

 

 

Das Interview mit Martin Suter führte Kerstin Beaujean, August 2019 © Diogenes Verlag AG Zürich

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Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien Elefant und Allmen und die Erotik – sowie seine Business Class-Geschichten sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.

Allmen und der Koi erschien am 25. September 2019 und ist auch als eBook sowie als Hörbuch, ungekürzt gelesen von Gert Heidenreich, erhältlich.

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