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»Becks letzter Sommer« ab heute im Kino

Von Benedict Wells

Als ich Ende 2004 mit Becks letzter Sommer anfing, war ich zwanzig. Statt zu studieren, schrieb ich den ganzen Tag und arbeitete nebenher. Ich hatte keinen Verlag, schlechtbezahlte Jobs und hauste in einem Einzimmer-Loch ohne Heizung, dafür mit Dusche in der Küche. Doch das war mir alles egal. In meinem Wahnsinn stellte ich mir nicht nur vor, dass mein zweites Buch endlich einen Verlag finden und gedruckt werden würde, nein, ich träumte auch gleich noch von einer Verfilmung. Am besten mit Christian Ulmen in der Hauptrolle, den ich seit seiner MTV-Sendung, Herr Lehmann und Mein neuer Freund bewunderte. Ich schrieb ihn sogar ein wenig ins Buch hinein, es ist deshalb kein Zufall, dass Beck bereits im Roman Ulmen stark ähnelt. Natürlich wurde erst mal nichts draus, ich fand keinen Verlag. 

Becks letzter Sommer
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Jahre später, im Sommer 2008, wurde aus meinen albernen Hirngespinsten jedoch plötzlich Realität. Inzwischen war ich bei Diogenes gelandet, nicht nur wegen John Irving schon immer mein Lieblingsverlag, und gleich mehrere Produktionen hatten wegen einer Verfilmung angefragt. Sofort schrieb ich Christian Ulmen einen Brief. Tenor ungefähr: »Du BIST Beck, es wäre einfach genial, wenn du die Hauptrolle spielst.« Ich rechnete mit nichts. Wochen später bekam ich eine Antwort: Er wäre sehr gern dabei. Immer wieder las ich seine Zeilen. Wie absurd, er hatte wirklich zurückgeschrieben …

Christian Ulmen und Benedict Wells bei der Filmpremiere von »Becks letzter Sommer«

Wir trafen uns, und im Laufe der Jahre wurde das Projekt tatsächlich verwirklicht. Einen großen Anteil daran haben Jakob Claussen, Uli Putz und die gesamte Produktion Claussen+Putz, die alle sehr für den Film kämpften. Ein absoluter Glücksfall war auch, dass Frieder Wittich und Oliver Ziegenbalg das Drehbuch schrieben. Wir setzten uns immer wieder zusammen, besprachen Änderungen und neue Szenen, ich las verschiedene Drehbuchfassungen und hatte das Gefühl, wunderbar involviert zu sein. Gleichzeitig war ich erstaunt, wie sehr die beiden den Roman verstanden. Nicht nur, dass alle neuen Szenen so auch im Buch hätten sein können, Frieder und Oliver wussten am Ende teilweise mehr über die Geschichte als ich und hätten ohne Probleme eine Doktorarbeit darüber schreiben können. Beide haben einen sensationellen Job gemacht.

Was mir besonders gefiel, war, dass der Film sich trotzdem viele Freiheiten nimmt. Die besten Verfilmungen sind für mich diejenigen, die auch eigenständig funktionieren. Gottes Werk & Teufels Beitrag zum Beispiel, oder auch Sideways und die Adaptionen von Wolf Haas’ Brenner-Krimis, wo teilweise komplett neue Handlungsstränge dazukamen, andere dafür weggelassen wurden. Beide Medien sind schließlich grundverschieden und haben ganz andere Bedürfnisse und Möglichkeiten. Was bringt es, wenn geliebte Szenen und Themen aus dem Roman im Film sind, dieser dafür aber dann überfrachtet und schlechter ist? Wichtig war mir nur, dass die Seele des Buchs auch im Film zu finden ist, und das ist sie.

Bei Becks letzter Sommer ist die Musik natürlich sehr wichtig, und Tobias Jundt von Bonaparte hat das großartig gemacht. Er ist für mich ein Genie, fast ein Rauli. Der Score, die ruhigeren Singer/Songwriter-Stücke, die schnelleren Songs für die Release Party: Ich bin stolz, dass mein Buch so einen tollen Soundtrack bekommen hat.

Leider nicht dabei ist Bob Dylan, anders als im Roman. Ich hatte ihm einen längeren Brief geschrieben, aber er wollte sich nicht selbst spielen. Ganz ehrlich, das wäre aber vielleicht auch des Guten zu viel gewesen, was für Ziele hätte ich dann noch haben können?

Für mich war es jedenfalls ein surrealer Moment, im April 2014 das Filmset in Berlin zu besuchen. Auf einmal sprachen gestandene Schauspieler die Dialoge, die ich zehn Jahre zuvor getippt hatte, und als ich einen vorbeilaufenden Hund streichelte, sagte jemand: »Das ist übrigens Grabowski.« Ich kam mir vor wie bei Stranger Than Fiction, meine eigenen Romanfiguren erwachten zum Leben, verließen das Buch und traten in die Wirklichkeit.

Besuch am Set: Christian Ulmen, Produzent Jakob Claussen, Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg und Regisseur/Drehubuchautor Frieder Wittich (von links).

Ich habe den Film in mehreren Fassungen gesehen und bin sehr, sehr glücklich darüber, wie er am Ende geworden ist. Ich glaube, man sieht, mit wie viel Liebe und Akribie alle in den vergangenen Jahren daran gearbeitet haben. Frieder Wittich ist ein unglaublich guter Regisseur, die Bilder sehen phantastisch aus, und die Schauspieler haben mich durchweg begeistert. Mehr kann man sich als Autor nicht wünschen. Und so wurden die Träume, die ich einst beim Schreiben des Buches hatte, von der Realität noch übertroffen.

Ein strahlender Benedict Wells bei der Premiere von »Becks letzter Sommer«.

—–

Gewinnspiel: 

—beendet—

Kinotrailer:

https://www.youtube.com/watch?v=sHTlcM9CzEw

Roman:

Becks letzter Sommer, das Debüt von Benedict Wells, erschien 2008 und wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet.

Soundtrack:

VINYL & MP3: http://bit.ly/bonaparte-bls-amazon-vinyl
CD: http://bit.ly/bonaparte-bls-amazon
iTunes: http://bit.ly/bonaparte-bls-itunes