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Benedict Wells im großen Diogenes Interview Teil 2

Während wir im ersten Teil dieses Interviews mit Benedict Wells schon ausgiebig über sein neues Buch Die Wahrheit über das Lügen geprochen haben, geht es nun um eine Neuerung: Zum heutigen Erscheinen des Taschenbuchs Vom Ende der Einsamkeit gibt es diesen und alle bisherigen Romane rückwirkend als e-Book – nicht aber das jeweils aktuelle Hardcover.

Auch Ihr neues Buch Die Wahrheit über das Lügen wird, wie all Ihre Titel zuvor, nur als Hardcover-Ausgabe bzw. als Hörbuch, nicht aber als eBook, erhältlich sein. Was sind hierfür Ihre Beweggründe?

Es ist ein Statement für den stationären, unabhängigen Buchhandel. Man kauft ein eBook einfach so gut wie nie dort, sondern bequem im Netz. Aber das hat eben auch Auswirkungen. Ich habe auf Lesereise so viele enthusiastische und kompetent geführte Buchhandlungen kennengelernt, und doch mussten immer wieder einige von ihnen schließen. Die Vielfalt, die wir momentan noch haben, ist bedroht, überspitzt gesagt gibt es vielleicht irgendwann nur noch riesige, konzerngesteuerte Ketten und Online-Algorithmen. Es bringt aber nichts, darüber zu jammern und dann trotzdem seine Bücher im Netz zu kaufen.

 

Die Wahrheit über das Lügen

Die Wahrheit über das Lügen

Zehn Geschichten
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Bisher kamen Ihre Bücher deshalb gar nicht als eBook, doch nun gibt es eine kleine Neuerung: Ab dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe Vom Ende der Einsamkeit am 26.9.2018 sind nun rückwirkend alle Ihre Taschen- und Hörbücher auch elektronisch erhältlich. Wieso haben Sie hier Ihre Haltung geändert?

Dazu muss ich ausholen. Als ich 2007 zum Verlag kam, bestand ich auf dieser Anti-eBook-Klausel. Die Plattenläden aus meiner Teenagerzeit waren damals fast alle verschwunden, falls den Buchhandlungen irgendwann das gleiche Schicksal bevorstand, wollte ich wenigstens nicht selbst »mitmachen«. So die grobe Grundidee meines jüngeren Ichs. Mal ganz davon abgesehen, dass ein gedrucktes Buch oft etwas Persönliches und Einzigartiges ist, mit einer im besten Fall eigenen Geschichte und dazu unzensierbar. Ein eBook dagegen ist immer nur eine Datei.

Als ich damals also entschied, dass es nur gedruckte Bücher geben soll, war ich dreiundzwanzig und dachte, ich reihe mich damit in eine große Schar störrischer und zumeist älterer Autoren ein, vielleicht irgendwo hinten in der Ecke. Dann stellte ich fest, dass ich quasi allein war. Ich war umso entschlossener, diese Haltung komplett durchzuziehen. Auch dann noch, als vor zwei Jahren Vom Ende der Einsamkeit unerwartet gut lief und der Verlag mir sagte, ich würde auf einen Haufen Geld verzichten, wenn ich nicht parallel zum Hardcover zusätzlich auch die eBook-Version anbieten würde. Doch das war es mir wert, und deshalb blieb es bei der gedruckten Variante. Andererseits kamen später auf den Lesereisen immer wieder Leute zu mir und sagten, dass ihre Eltern oder Großeltern das Buch nicht lesen könnten, da die Schrift zu klein sei, oder dass sie es gern mit in den Urlaub nehmen würden, es aber in der gedruckten Form zu schwer wäre. Auch auf meiner Facebook-Seite schrieben mir viele aus diesem Grund. Und anders als befürchtet, haben die eBooks in all den Jahren nicht den Markt erobert, sondern stagnieren friedlich bei rund acht Prozent – wobei einige Menschen jedoch nur elektronisch lesen.

Und so stand ich vor der Frage, wie ich niemanden mehr ausschließen und trotzdem auch in Zukunft das Statement für den Buchhandel setzen kann. Deshalb nun dieser Kompromiss: Das jeweils aktuelle Hardcover, an dem alle am meisten verdienen und das am wichtigsten ist, gibt es weiterhin nur gedruckt. Doch wenn dann ein, zwei Jahre später das Taschenbuch kommt, erscheint nun nebenher immer auch das eBook, so dass niemand mehr ausgeschlossen ist.

<p>Foto: © Bogenberger / autorenfotos</p><br/>

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Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Nach dem Abitur zog er nach Berlin und widmete sich dem Schreiben, seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vierter Roman Vom Ende der Einsamkeit stand mehr als anderthalb Jahre auf der Bestsellerliste, er wurde u.a. mit dem European Union Prize for Literature (EUPL) 2016 ausgezeichnet und bislang in 27 Sprachen übersetzt. Wells lebt in Berlin und Bayern.

Die Wahrheit über das Lügen. Zehn Geschichten ist am 29.8.2018 erschienen, auch als Hörbuch, ungekürzt gelesen von Robert Stadlober.

Vom Ende der Einsamkeit liegt seit dem 26.9.2018 als Taschenbuch und eBook vor.

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