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Ein Leseabenteuer auf den Seitenpfaden des Begehrens – ›Kindes Kind‹ von Barbara Vine

Mit Kindes Kind erscheint diese Woche der neue Roman von Barbara Vine – es wird ihr letzter bleiben. Im Frühling diesen Jahres verstarb die weltweit erfolgreiche Krimiautorin in London. Seit siebenundzwanzig Jahren verlegt der Diogenes Verlag die spannenden Thriller der Britin, allesamt Meisterwerke psychologischer Erzählkunst. Werfen wir einen Blick zurück.

<p>Foto: © Charles Hopkinson / Camera Press / Keystone</p><br/>

1988 ist für Diogenes das Jahr der englischen Kriminalautorinnen, denn Magdalen Nabb und Barbara Vine kommen zum Verlag. Barbara Vine ist den deutschsprachigen Lesern bereits bekannt, aber unter ihrem richtigen Namen: Ruth Rendell. Ihre klassischen Kriminalromane um Inspektor Wexford haben sie bereits weltberühmt gemacht, als sie Mitte der achtziger Jahre Lust bekommt, etwas Neues zu versuchen: »Ich wollte auch mal Bücher schreiben, bei denen der Schwerpunkt weniger auf dem Kriminalistischen liegt. Romane, in denen ich die Charaktere ausführlicher durchleuchten kann.« Für diese Romane wählt sie ein Pseudonym gebildet aus ihrem zweiten Vornamen und dem Mädchennamen der Großmutter: Barbara Vine.

1988 erscheint der erste Vine-Roman bei Diogenes, Die im Dunkeln sieht man doch. »Hier haben wir eine Ruth Rendell auf dem Höhepunkt ihres Könnens. Barbara Vine ist die Königin des Kriminalromans«, sagt die Kollegin P. D. James. Rendel/Vine wechselt scheinbar nahtlos zwischen ihren beiden Identitäten hin und her. »Aber«, sie legt Wert auf die Feststellung, »ich bin keine gespaltene Persönlichkeit.« Die Autorin schreibt, seit sie ein junges Mädchen ist. Nach der Geburt ihres Sohnes war sie allerdings zehn Jahre lang Hausfrau und unveröffentlichte Schriftstellerin, bis sie 1964 ihren ersten Roman an einen Verlag verkaufen konnte – für 75 Pfund. Später sollte sie einen ganz anderen Marktwert haben. Die britische Zeitung The Guardian nahm im Jahr 2009 nicht weniger als fünf ihrer Romane und Thriller in die Liste der 1000 Romane auf, die jeder gelesen haben sollte. 

1930 in London geboren, als einziges Kind eines Lehrerehepaares, arbeitete Ruth Rendell alias Barbara Vine als junge Frau kurze Zeit als Journalistin für ein Lokalblatt, und es heißt, dass sie dort einen klassischen Fehler beging: Sie verfasste einen Artikel über die Tischrede nach dem alljährlichen Dinner des lokalen Tennisclubs, ohne tatsächlich dort gewesen zu sein. Als sie erfuhr, dass der Redner mitten in der Rede gestorben war, kündigte sie. Viel später begann sie stattdessen Romane zu schreiben. Mehr als 60 Bücher hat sie insgesamt veröffentlicht. »Ich schreibe genau das, was ich schreiben möchte, für die Literaturgeschichte sind andere zuständig«, sagt sie bescheiden. 

Die Liste ihrer Ehrungen reicht vom Edgar Allen Poe Award bis zur Erhebung in den britischen Adelstand. Seit 1997 durfte sie sich Baroness of Babergh nennen, und der britische Premier Tony Blair berief sie als ›working peer‹ in das englische Oberhaus. Dreizehn weitere Psychothriller von Barbara Vine sind inzwischen erschienen. Ihre Werke sind in 20 Sprachen übersetzt worden. Sie verbreitet »jenen sanften Schrecken, dem Thriller-Fans nicht widerstehen können« (Frankfurter Rundschau). Ruth Rendell verstarb am 2. Mai diesen Jahres fünfundachtzigjährig in London. Ihr letzter Roman als Barbara Vine, Kindes Kind, erscheint am 28.10.2015.

Neu aufgelegt werden gleichzeitig ihre beiden Bestseller Es scheint die Sonne noch so schön und Schwefelhochzeit.

Es scheint die Sonne noch so schön

»Den Höhepunkt ihrer Erzählkunst hat Ruth Rendell als Barbara Vine mit dem Roman ›Es scheint die Sonne noch so schön‹ erreicht.« (Freitag)

Schwefelhochzeit