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Martin Suter im Interview: Sein neuer Roman »Montecristo«

Mit Spannung wurde er erwartet, heute ist es so weit! Martin Suters neuer Roman Montecristo erscheint. Freuen Sie sich auf einen aktuellen, hochspannenden Thriller aus der Welt der Banker, Börsenhändler, Journalisten und Politiker – das abgründige Szenario eines folgenreichen Finanzskandals.

Foto: © Alberto Venzago

Natürlich waren wir neugierig und wollten von Martin Suter wissen, was ihn veranlasste, sein neues Buch in der hohen und undurchsichtigen Welt des Geldes spielen zu lassen. Wie er bei der Recherche vorging, was er von den aktuellen Entwicklungen im Finanzwesen hält und, und, und …

Herr Suter, wie sind Sie auf das Thema gestoßen?
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Es war plötzlich da.

Es gibt sicher Leute, die glauben, die Finanzkrise sei ausgestanden. Ihr neuer Roman Montecristo könnte sie da einigermaßen verunsichern?

Ich fürchte, die Frage wurde von den Ereignissen überholt.

Hat Sie die Freigabe des Schweizer Franken durch die Schweizerische Nationalbank überrascht? Wie stehen Sie dazu?

Natürlich hat sie mich überrascht, wie die meisten. Obwohl ich wie die meisten hätte wissen müssen, dass es jederzeit passieren kann. Tja, wie stehe ich dazu? Ich lebe in der Schweiz, und die meisten meiner Bücher verkaufen sich in Euroland.

Gibt es einen Trick für Otto Normalverbraucher, die komplexen Hintergründe im Finanzwesen zu verstehen?

Die verstehen nicht einmal die Fachleute ganz. Und wenn sie glauben, es zu tun, kommen andere Experten und widersprechen ihnen.

Sie haben für diesen Roman intensiv recherchiert, hier müssen alle Fakten stimmen. Woher haben Sie Ihre detaillierten Kenntnisse? Hatten Sie professionelle Berater?

Ohne professionelle Berater steht ein Buch, das auf dem Boden der Realität stehen will, auf wackligen Beinen.

Hatten Sie von Anfang an diesen Ausgang der Geschichte im Blick? Oder hätte das Leben des Enthüllungsjournalisten Jonas Brand auch eine andere Wendung nehmen können?

Das Schicksal meiner Protagonisten ist immer vom ersten Satz an besiegelt.

Wie verhält es sich mit der moralischen Verpflichtung des Journalisten Brand während seiner Enthüllungsaktivitäten und zum Schluss?

Das ist die eine der Fragen, denen Montecristo nachgeht.

Ist es legitim oder sogar notwendig, einer demokratischen Öffentlichkeit Geheimnisse zu verschweigen, die ihr – wenn nicht sogar der Menschheit – zum Verhängnis werden könnten?

Und das ist die andere.

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Die Rolle der Kunst: In Montecristo wird ein Filmprojekt gefördert und realisiert, von dem man ironischerweise am Ende nicht weiß, ob es eigentlich gelungen oder misslungen ist, aber es wird gefeiert. Ist die Kunstproduktion vom Geld der Mächtigen abhängig geworden? Wie steht es mit ihrer kritischen Funktion?

Die Kunst war immer vom Geld der Mächtigen abhängig. Und manchmal behielt sie dabei trotzdem ihre kritische Funktion.

Zum ersten Mal in Ihren Büchern ist die Stadt Zürich explizit als Schauplatz zu erkennen. Wie kam es dazu?

Diese Geschichte musste einfach in Zürich spielen.

Einen weiteren Schauplatz stellt Thailand dar. Was verbindet Sie mit diesem Land?

Thailand ist berüchtigt für seine Drogenpolitik und passt gut in die Geschichte.

»Der Graf von Monte Christo«, der Abenteuerroman von Alexandre Dumas, steht Pate für den Titel des Romans. Weshalb?

Der Protagonist wollte einen Blockbuster drehen und fand, dass sich ein Film nach dem Muster »Unschuldiger erfährt große Ungerechtigkeit und rächt sich« dafür eignen würde. Es ist ein oft gebrauchtes dramaturgisches Motiv.

Montecristo ist nicht nur ein Finanzthriller, sondern auch eine Liebesgeschichte?

Ohne Frage.

 

Montecristo, der neue Roman von Martin Suter, erscheint am 25.2.2015. Auch als Diogenes Hörbuch, eingelesen von Wanja Mues, und als E-Book.