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Interview mit Louise Brown: » Es sind oft die kleinsten Dinge, die uns in schwereren Zeiten wieder Lebensmut schenken.«

Louise Brown weiß um die Flüchtigkeit des Glücks. Um ihm auf die Spur zu kommen, stellt sie sich eine Aufgabe: ein Jahr lang den Sinn zu schärfen für das Gute, das ihr in ihrem Alltag begegnet. Von ihren Erfahrungen berichtet sie in ihrem neuen Buch Zuversicht. Im Interview erzählt sie davon, was sie in dieser Zeit gelernt hat und was Zuversicht für sie bedeutet.

Foto: © privat

Nach ihrem Longseller Was bleibt, wenn wir sterben und einem begleitenden Trauerjournal erscheint jetzt das erzählende Sachbuch Zuversicht. Was war der Grund für dieses Buch? 

In diesem Fall ein diffuses Angstgefühl, das daher zu kommen schien, dass die Nachrichten nur noch von Schmerz in der Welt zu berichten schienen. An einem düsteren Tag in meiner Heimatstadt London habe ich mir dann vorgenommen, täglich etwas aufzuschreiben, was mich berührt, überrascht, getröstet oder inspiriert hat. Um mir selbst zu beweisen, dass doch noch Gutes und Schönes in dieser Welt passiert. Aber auch um den Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, die Freude und Zuversicht schenken. 

Das haben Sie ein Jahr lang gemacht. Was macht denn das Notieren eines schönen Momentes mit einem, im Gegensatz etwa zum Fotografieren? 

Das Schreiben verbindet uns intensiver mit unserer Umwelt. Wir können dadurch nicht nur festhalten, was wir sehen, sondern auch, was wir hören, riechen und auch, was wir dabei empfinden. Durch das Schreiben wird für mich vieles greifbarer – und verständlicher. So dachte ich anfangs, dass ich die magischen Momente im Alltag mit nur wenigen Worten festhalten würde. Schnell jedoch wurde ich neugierig, weshalb mir etwa meine alte, ausgeleierte Strickjacke so viel Trost schenkt. Aus wenigen Sätzen sind auf diese Weise ganze Geschichten geworden.

Was hat Ihnen in diesem Jahr denn alles Zuversicht geschenkt?  

Es gab Momente, von denen ich schon erwarten konnte, dass sie mich positiv stimmen würden, wie zum Beispiel die Begegnungen mit anderen Hunden auf den Spaziergängen mit unserem Hund. Doch auch zahlreiche Momente unerwarteter Freude habe ich in dieser Zeit festgehalten: Die Eleganz eines Baukrans. Das erste Mal im Jahr eine Shorts zu tragen. Die Berührungen von an der Leine flatternder Wäsche auf meiner Haut oder der Anblick eines fleißigen Rotkehlchens. Zu den Momenten, die mir Zuversicht schenkten, gehörten vor allem auch die kleinen menschlichen Begegnungen, denen wir oft nicht viel Bedeutung beimessen, die uns aber durch einen schweren Tag tragen können, ob in der Bahn, im Nagelstudio oder in einem Taxi. In diesem Jahr ist mir bewusst geworden, wie viel Fürsorge in unserem Alltag tatsächlich stattfindet.

Einige Momente, die im Buch erwähnt werden, hat Louise Brown mit der Kamera festgehalten:

 

Sind das die kleinen Wunder, von denen Sie im Buch erzählen? 

Es sind oft die kleinsten Dinge, die uns in schwereren Zeiten wieder Lebensmut schenken. Die Schönheit eines Abendhimmels im Frühsommer, eine letzte Rose im November, ein freundliches Wort in der Bahn: Die kleinen Wunder verwurzeln uns im Jetzt und halten unsere Gedankenspiralen an. Sie löschen nicht unseren Schmerz, können aber beeinflussen, wie wir herausfordernde Zeiten erleben. Sie machen es uns leichter, die Welt wieder ein Stück mehr zu lieben, wenn uns die Liebe dafür abhandengekommen zu sein scheint. Sie erinnern uns daran, dass Freude manchmal an den unerwarteten Ecken auf uns wartet, wenn wir uns dafür bereithalten. 

Was hat Ihnen die Übung in gezielter Aufmerksamkeit gebracht? 

Es war schon faszinierend, was dadurch mit mir passierte. Mit jeder Notiz empfand ich einen kleinen Auftrieb, der auch dann nachwirkte, als sich der Alltag wieder um mich herum zuzog. Es war, als hätte ich eine Brille aufgesetzt bekommen, die mich erkennen ließ, was mir im Alltag alles Freude schenkt. Mir wurde bewusster, was mir im Leben alles Zuversicht schenkt, was wiederum dazu geführt hat, dass ich versucht habe, für diese Dinge mehr Raum in meinem Alltag zu schaffen. Auch wurde mir klar, dass wir der Tendenz, das Negative im Alltag stärker wahrzunehmen und zu gewichten als das Positive, entgegenwirken können, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf das Gute im Alltag lenken und ihm dadurch mehr Bedeutung schenken. 

Was bedeutet Zuversicht nach diesem Jahr für Sie? 

Zuversicht hat für mich eine Körperlichkeit, sie ist für mich greifbarer als beispielsweise die Hoffnung. Zuversicht anerkennt, dass das Leben schwer ist und es vielleicht nicht besser wird, wir aber mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, doch noch etwas bewegen können. Zuversicht entsteht für mich dann, wenn ich mich mit meiner Umwelt und mit anderen verbunden fühle. Wenn ich mich nah am Leben fühle. Vor allem habe ich verstanden: Die Zuversicht ist in mir. Ich musste mich nur selbst wieder daran erinnern.

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Zuversicht

Von den kleinen Wundern des Lebens

Wir leben in schwierigen Zeiten. Was können wir tun, wenn uns die Unbeschwertheit abhandenkommt? Louise Brown weiß um die Flüchtigkeit des Glücks. Um ihm auf die Spur zu kommen, stellt sie sich eine Aufgabe: ein Jahr lang den Sinn zu schärfen für das Gute, das ihr in ihrem Alltag begegnet. Sie entdeckt, dass auch jeder noch so finstere Tag Momente der Freude und des Staunens birgt. Ihr Buch ist eine Anleitung in der Kunst der Zuversicht.


Hardcover Leinen
224 Seiten
erschienen am 19. November 2025

978-3-257-07359-1
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als

 

Louise Brown, geboren 1975 in London, zog als Jugendliche mit ihrer Familie ins norddeutsche Ostholstein. Sie studierte Politikwissenschaft und ist Journalistin. Von ihren Erfahrungen als Trauerrednerin erzählt sie in ihrem Buch Was bleibt, wenn wir sterben. Louise Brown lebt mit Familie und Hund in Hamburg.