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Drei Fragen an Shelly Kupferberg

Nach dem großen Erfolg von Isidor, dem erzählenden Sachbuch über ihren Urgroßonkel, hat Shelly Kupferberg mit Stunden wie Tage ihren ersten Roman vorgelegt. Doch auch dieser beruht auf wahren Begebenheiten.

Die Autorin, Journalistin und Moderatorin beantwortet uns drei Fragen zu den Recherchen der Hintergründe.

Foto: Heike Steinweg / © Diogenes Verlag

Wie kam es dazu, dass Sie sich mit der Geschichte dieses Hauses, seiner Besitzer und Bewohner:innen näher befasst haben?
Alles begann mit einem Gerücht, von dem ich hörte. Und einer auffälligen alten Dame, die ich in unserer Umgebung wahrnahm. Sie hieß Martha, hatte lange weiße verzottelte Haare bis zu den Kniekehlen und sah aus wie eine Stadtstreicherin. Dabei war sie angeblich Millionärin. Es hieß, sie sei Eigentümerin eines Wohnhauses, das sie sich während der Nazizeit »erschlafen« habe. 
Das machte mich neugierig. Wer war diese Frau wirklich, wollte ich wissen. Als ich anfing, nach und nach die wahre Geschichte herauszufinden, hatte ich sofort das Gefühl: Diese Geschichte muss erzählt werden …

Die Recherchen dazu waren sicher sehr aufwändig. Was war Ihre wichtigste Quelle und Anlaufstelle? Konnten Sie auch mit Zeitzeugen sprechen, die Martha noch gekannt haben?
Vor allem habe ich in Archiven nach Spuren und Dokumenten gesucht. Die Grundbuchakte des besagten Hauses war sehr hilfreich, aber auch die Entschädigungsakte der Familie Berkowitz, der ursprünglichen Eigentümer des Hauses, bei denen Martha als Hausmädchen gearbeitet hatte. 
Dankenswerterweise hat mich die Gedenkstätte Deutscher Widerstand bei meinen Recherchen rund um Liane Berkowitz und das Widerstandsnetzwerk, das die Nazis als „Rote Kapelle“ bezeichneten, unterstützt. 
Und ich habe einige Menschen ausfindig machen können, die Martha noch kannten – sie ist inzwischen seit über 20 Jahren tot. Darunter den einstigen Schornsteinfeger des Hauses und ehemalige Nachbarn, sogar den Pfarrer, der sie bis an ihr Lebensende begleitet hat, konnte ich zu ihr befragen.

Gab es Aha-Momente, in denen Sie erkannt haben, dass hier noch eine Geschichte in der Geschichte verborgen ist? Oder war für Sie das Ausmaß der Geschehnisse von Anfang an klar?
Ja. Als klar war, dass Martha für die Familie Berkowitz eine wichtige Rolle spielte, und ich das Schicksal von Liane Berkowitz in allen Einzelheiten kennenlernte, erkannte ich, wie unglaublich bewegend diese Geschichte für alle Beteiligten war. 
Mein Erstaunen war umso größer darüber, dass Martha offenbar später nie darüber gesprochen hatte, was in der Zeit des Krieges in dem Wohnhaus und ihrer unmittelbaren Umgebung geschehen war. Geschichte steckt voller Geschichten – und die gilt es zu erzählen!

Stunden wie Tage
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Stunden wie Tage

Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.


Hardcover Leinen
272 Seiten
erschienen am 25. März 2026

978-3-257-07348-5
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als

 

Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert für Deutschlandfunk Kultur und RBB radio3 Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Ihr erstes Buch Isidor war ein Erfolg bei Publikum und Presse. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin.