Filter

  • Neuste Beiträge
  • Archiv
  • Monat
  • Foto/ Video/ Audio

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Charles Lewinsky!

»Im Geschichtenerzählen ist Charles Lewinsky so unaufhaltsam wie ein wilder Fluss. Wenn man daran denkt, wie schwierig es ist, auch nur eine Seite zu schreiben, kann man ihn nur bewundern.«
Philipp Keel

Foto: Thomas Di Paolo / © Diogenes Verlag

Heute feiert Charles Lewinsky seinen 80. Geburtstag – Wir gratulieren sehr herzlich!

Der Schweizer Autor hat bislang vierzehn Romane, zahlreiche Erzählungen sowie ein Kinderbuch veröffentlicht, darunter den internationalen Erfolgsroman Melnitz, Der HalbbartRauch und Schall und Täuschend echt

Zu seinem 80. Geburtstag beschenkt er uns mit seinem neuen großen Roman: Eine andere Geschichte erzählt von dem launenhaften Schicksal des deutsch-jüdischen Filmagenten Curtis Melnitz. Anlässlich dieses Jubiläums erscheint außerdem das literarische Gesamtwerk des Autors bei Diogenes.

Im Diogenes-Interview spricht Charles Lewinsky über seinen Geburtstag, seinen schriftstellerischen Werdegang und darüber, wie die Gestalt, die ihn schon so lange verfolgt, zur Hauptfigur seines neuen Romanes wurde.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 80. Geburtstag, Herr Lewinsky! Sie sind jetzt gleich alt wie der Held in Ihrem neusten Roman Eine andere Geschichte, der auf sein Leben im Filmbusiness zurückschaut und es uns so bildlich erzählt, dass beim Erzählen eine Art Film entsteht. Wie blicken Sie auf Ihr Leben?
Auch wenn er schon lang im Kalender steht, hat so ein runder Geburtstag immer etwas Überraschendes an sich. Ein »Hoppla, wie ist denn das passiert?« mit einem leichten Unterton von »Soll das schon alles gewesen sein?«. Aber als Schriftsteller hat man ja den Vorzug, dass einem niemand eine goldene Uhr in die Hand drückt und einen damit in die Pensionierung verabschiedet. Man darf einfach immer weiterschreiben – und das habe ich auch vor.
   Wenn ich auf die achtzig Jahre zurückblicke, so sind da zunächst mal die privaten Stationen: eine Ehe, die nun auch schon ihr goldenes Jubiläum hinter sich hat, zwei erfreuliche Kinder und drei mindestens so erfreuliche Enkel. Aber Homestorys sind nicht so meine Sache.

Dann sprechen Sie doch über Ihre schriftstellerische Entwicklung.
Geschrieben habe ich schon immer – mein erster Roman, im Alter von zehn Jahren auf Großvaters alter Schreibmaschine getippt, hatte immerhin zweieinhalb Seiten –, aber es hat eine Menge Umwege gebraucht, bis ich mich ans professionelle Schreiben gewagt habe. Lange Zeit konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass eine Sache, die solchen Spaß macht, ein Beruf sein könnte. 
   Unterdessen schreibe ich nur noch, was mir Spaß macht. Und das Bücherschreiben macht mir großen Spaß – eigentlich mit jedem Buch mehr.

Der Protagonist von Eine andere Geschichte heißt Curtis Melnitz. Das lässt aufhorchen, trägt doch Ihr großer Bestseller den Titel Melnitz. Was hat es mit diesem Melnitz auf sich?
Es gab diesen Mann wirklich. Er war offenbar – damals noch unter dem Namen Kurt Chmelnitzki – ein entfernter Verwandter meiner Familie, und die Geschichte, die mir meine Großmutter über ihn erzählt hat, fasziniert mich seit siebzig Jahren.
   Hitler war schon an der Macht, da sei dieser Fremde in Leipzig überraschend vor der Türe gestanden, habe sich als wichtiger Mann aus Hollywood vorgestellt und ihnen geraten, möglichst schnell aus Deutschland zu verschwinden, hier werde es ganz schlimm. Und dann, erzählte sie mir kleinem Buben, fuhr er wieder weg und tauchte nie mehr auf.
   Ich habe schon vor vierzig Jahren versucht, diese Figur zum Protagonisten eines Romans zu machen, bin aber damit gescheitert. Und vor zwanzig Jahren war er für die Familiensaga rund um die Meijers überhaupt nicht vorgesehen, aber er saß, als ich mit dem Schreiben begann, einfach da und wollte unbedingt in dem Buch vorkommen. Romanfiguren machen eben manchmal, was sie wollen. Er durfte bleiben – als Geist eines verstorbenen Onkels –, und ich benannte das Buch nach ihm: Melnitz. Aber erst jetzt, all die Jahre später, ist diese Gestalt, die mich schon so lang verfolgt, zur Hauptfigur eines Romans geworden.

Wenn man Curtis Melnitz nachschlägt, stellt man fest, dass Sie mit seiner Biografie recht frei umgegangen sind. Was war Ihnen wichtig zu erzählen?
Es sind nur wenige Lebensdaten von ihm bekannt. Ich liebe es, meine Geschichten wie Abenteuerreisen anzugehen, also ohne festes Ziel und ohne zu wissen, was mir unterwegs alles begegnen wird. Nur ein paar Dinge waren klar: sein Geburtsjahr – 1879 in Leipzig –, die Tatsache, dass er irgendwann nach Amerika gehen würde, um dort im Filmbusiness zu arbeiten, und natürlich die Begegnung mit meiner Großmutter. Man könnte sagen: Ich habe ein ganzes Buch lang auf diese Erinnerung aus meiner Kindheit hingeschrieben.
   Von den einzelnen Etappen seines Lebens habe ich mich überraschen lassen, so wie, hoffe ich, auch die Leser des Buches immer wieder überrascht sein werden.

Eine andere Geschichte
Im Warenkorb
Download Bilddatei
Kaufen

Kaufen bei

  • amazon
  • bider und tanner
  • buchhaus.ch
  • genialokal.de
  • hugendubel.de
  • kunfermann.ch
  • orellfuessli.ch
  • osiander.de
  • Schreiber Kirchgasse
  • thalia.at
  • thalia.de
  • tyrolia.at

Eine andere Geschichte

Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten – aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.


Hardcover Leinen
416 Seiten
erschienen am 25. März 2026

978-3-257-07378-2
€ (D) 26.00 / sFr 35.00* / € (A) 26.80
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als

 

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, ist seit 1980 freier Schriftsteller. International berühmt wurde er mit seinem Roman Melnitz. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den französischen Prix du meilleur livre étranger. Der Halbbart war nominiert für den Schweizer und den Deutschen Buchpreis. Sein Werk erscheint in 16 Sprachen. Charles Lewinsky lebt im Sommer in Vereux, Frankreich, und im Winter in Zürich.