Er hat es wieder getan: Petros Markaris beweist sich auch in Kostas Charitos’ neustem Fall Zorn der Verlierer als Großmeister des mediterranen Kriminalromans. Was wird aus Griechenland, dem Geburtsland unserer Kultur, wenn wirtschaftliche Interessen übermächtig werden? Dies erzählt uns Markaris so scharfsinnig wie unterhaltend.
Foto: © Regine Mosimann / Diogenes Verlag
Das Klima an den Athener Hochschulen ist überhitzt: Die Geisteswissenschaften geraten immer mehr unter Druck, die Natur- und Wirtschaftswissenschaften hingegen werden gefördert. Viele Studierende wehren sich rabiat gegen diese Politik. Mit dem Mord an einem Mathematikprofessor eskaliert die Situation. Doch Kommissar Kostas Charitos und seine Kollegin Antigoni Ferleki müssen schonn bald erkennen, dass das Opfer auch ein Schuldiger war.
Leseprobe
Lesen Sie im Folgenden die ersten zwei Kapitel des mitreißenden Romans.
S. 9-20
Unser vorrangiges Ziel ist die Bekämpfung von Aggression, Gewalt und Kriminalität in der heutigen Gesellschaft. Das muss ich nicht weiter ausführen, Sie haben damit Erfahrung und erleben es tagtäglich. In erster Linie wollen wir, dass im ganzen Land wieder Ordnung und Sicherheit herrschen. Die Menschen sollen das Gefühl haben, dass die Polizei als Freund und Helfer an ihrer Seite steht. Ich werde mich mit aller Kraft für das Erreichen dieser Ziele einsetzen. Sie bekommen von mir jede erforderliche Unterstützung. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich Nachlässigkeiten und hinderliches Vorgehen nicht dulden werde.«
Wer da spricht, ist der neue Bürgerschutzminister. Er hat uns für ein erstes Kennenlernen zu seinem heutigen Amtsantritt eingeladen. Treffen mit Ministern sind üblicherweise eine Art Gehirnwäsche, immer mit demselben Wasser und demselben Shampoo.
Zwanzig von uns sitzen in der Aula des Ministeriums. Einige kenne ich persönlich, andere gar nicht oder nur vom Sehen. In der ersten Reihe sitzen der Polizeipräsident und sein Stellvertreter, daneben der polizeiliche Einsatzleiter für die Region Attika. Ich setze mich lieber in die hinteren Reihen. Ich bin noch frisch auf meinem Posten und möchte mir nicht den Ruf einhandeln, dass ich mich beim neuen Minister vordränge.
Der Minister wendet sich an den Polizeipräsidenten: »Herr Kollege, ich ersuche die Ihnen unterstellten Behörden um einen Bericht über die Organisation und jeweilige Funktion der Abteilungen. Darin sollen auch Defizite und Probleme angeführt werden. Ich erwarte die Unterlagen innerhalb von drei Tagen. Sobald ich sie gelesen habe, treffen wir uns zusammen mit den Abteilungsleitern wieder. Dann besprechen wir die Schwachstellen und erstellen einen generalstabsmäßigen Aktionsplan.«
Es folgt Schweigen. Der Polizeipräsident antwortet nicht sofort. Als er den Mund aufmacht, ist ihm anzusehen, dass er sich nur mühsam beherrscht.
»Herr Minister, die von Ihnen angeforderten Berichte liegen Ihrem Sekretariat bereits vor. Sie wurden nicht nur einmal angefertigt, sondern mehrfach eingereicht. Schon nach ein paar Stichproben werden Sie schnell ein Bild von unseren chronischen Problemen bekommen. Dann können wir besprechen, welche davon möglichst eine sofortige Lösung und eventuell Ihr persönliches Eingreifen erfordern.«
»Ja, aber die Probleme ändern sich und verschärfen sich täglich. Das, was vor fünf Jahren galt, ist heute überholt«, hält ihm der Minister pikiert entgegen.
»Die Probleme mögen sich ändern und verschärfen, aber die Defizite und ungelösten Fragen bleiben dieselben. Und genau dort liegt die Wurzel des Übels«, entgegnet der Polizeipräsident gelassen.
Der Minister wird ungehaltener. »Einverstanden, ich lese die archivierten Berichte und melde mich bei Ihnen. Ich kann Ihnen aber schon jetzt in aller Deutlichkeit sagen, dass es Änderungen geben wird, auch wenn ich diese im Alleingang durchsetzen muss.«
Der Minister verlässt die Aula, sichtlich unzufrieden, dass sein Vorschlag nicht durchging, und wir folgen ihm. Die meisten kehren an ihre Dienststellen zurück. Nur der Vizepolizeipräsident, der Leiter der Ausländerbehörde und ich bleiben zurück und begleiten den Polizeipräsidenten in sein Büro.
»Jedes Mal die gleiche Litanei bei Amtsantritt«, sagt Peratis, der Leiter der Ausländerbehörde, als wir Platz nehmen.
»Minister, die ihren Posten neu antreten, sind wie Fluggäste «, erläutert der Polizeipräsident grinsend.
»Wie, Fluggäste?«
»Ja, sie sitzen im Flieger und träumen davon, was sie nach der Landung alles tun und organisieren werden. Die Probleme werden aber bereits beim Landeanflug deutlich und dann so richtig greifbar, wenn sie auf ihrem Ministersessel gelandet sind. Deshalb habe ich angeregt, dass er erst die alten Berichte lesen soll. Das war sozusagen das rote Lämpchen, das zu Beginn des Landeanflugs auf leuchtet. Und morgen früh, nach der Landung auf seinem Posten, wird er sich die Haare raufen.«
Der Vizepolizeipräsident und Peratis lachen. Der Einzige, der nicht lacht, bin ich. Ich war zum ersten Mal beim Amtsantritt eines Ministers dabei. Darüber wusste ich bisher nur das, was ich von Vorgesetzten oder durch Tratsch gehört hatte.
»Soll ich auch einen Bericht schreiben?«, frage ich. »Ich bin neu, und es liegen noch keine Eingaben von mir im Archiv.«
»Es gibt zahllose Berichte von Gikas, die kann er lesen«, antwortet der Polizeipräsident kurz angebunden.
Es gibt nichts weiter zu besprechen, und das Treffen ist zu Ende. Auf der Rückfahrt zum Alexandras-Boulevard quält mich eine diffuse Unruhe. Der frisch gebackene Minister macht einen arroganten und besserwisserischen Eindruck. Solche Typen schieben die Verantwortung gern auf ihre Untergebenen ab.
Beim vorherigen Minister, der meine Beförderung befürwortet hat, würde ich mir keine Sorgen machen. Aber vor dem neuen muss ich mich hüten. Ich weiß nicht, was er vorhat und wie weit er gehen wird. Wenn man erst ein paar Monate Abteilungsleiter ist, wird man leicht zum Bauernopfer. Ich bezweifle nicht, dass der Polizeipräsident hinter mir steht. Nur ist mir nicht klar, wie weit sein Einfluss beim neuen Minister reicht.
Mit diesen Gedanken betrete ich mein Büro. »Alamanos will Sie sprechen«, sagt Stella, sobald sie mich erblickt. »Es ist dringend, meint er.«
»Rufen Sie ihn her.«
Das Gespräch mit Alamanos wird mir guttun und die Gedanken, die in meinem Kopf herumschwirren, vertreiben.
Kaum hat Alamanos Platz genommen, springt er schon wieder auf und rennt auf und ab. Anscheinend glaubt er, damit den glühenden Kohlen, auf denen er sitzt, zu entkommen. Ich erlebe ihn zum ersten Mal so aufgeregt, normalerweise verliert er nicht einmal in der größten Hektik die Ruhe.
»Kannst du mir erklären, was wir an den Unis zu suchen haben?«, fragt er. »Wenn das so weitergeht, sollen wir bald auf Kleinkinder aufpassen und ihnen Handschellen anlegen, wenn sie plärren.« Er hält inne und schaut mich an. »Du bist doch der Polizeichef von Attika. Kannst du mir auf die Sprünge helfen?«
»Ich bin Leitender Kriminaldirektor geworden, ohne je an einer Universität gewesen zu sein. Keine Ahnung, wie die funktionieren.«
»Ich habe Jura studiert, vielleicht kann ich Ihnen helfen«, wirft Antigoni ein, die ich aus eben diesem Grund dazugebeten habe. »Die Mitarbeiter der Universität wollen Auseinandersetzungen mit den Studenten vermeiden«, erläutert sie. »Sonst, so befürchten sie, würde sich die Lage verschlimmern und sich die Studierenden gegen sie wenden. Also lassen sie lieber uns die Kastanien aus dem Feuer holen und können ihre Hände in Unschuld waschen.«
»Ja, nur dass sich daran ein jeder die Finger verbrennt«, antwortet Alamanos. Dann sagt er zu mir: »Das Bürgerschutzministerium ist zu einer Versandapotheke geworden, und wir sind das Allheilmittel. Kaum kommt es zu einer Situation, die Kopfschmerzen verursacht, schickt man uns dorthin wie eine Schachtel Aspirin.«
Er hat genug vom Hin- und Herlaufen und setzt sich wieder auf den Stuhl, auf dem die glühenden Kohlen allerdings noch immer liegen. Er wettert erneut los: »Als ob der ganze Schlamassel, der uns eigentlich gar nichts angeht, nicht schon gereicht hätte! Dann setzen sie auch noch Menginis an die Spitze der Universitätspolizei! Der hat doch überall nur verbrannte Erde hinterlassen.«
Das Schrillen des Festnetztelefons unterbricht ihn, Stella ist am Apparat. »Es ist für Herrn Alamanos.«
Ich reiche ihm den Hörer und beobachte ihn. Je länger das Gespräch dauert, umso düsterer wird seine Miene. Er legt mit einem »Gut, ich komme« auf und berichtet dann: »Die Ausschreitungen haben von der Uni auf die Patission-Straße übergegriffen. Ich mobilisiere die Motorradstaffel. Keine Ahnung, wie lange wir die Patission für den Verkehr sperren müssen und was uns Autofahrer und Ladenbesitzer alles an den Kopf werfen werden.«
»Weißt du, ob noch Professoren auf dem Unigelände sind?«, frage ich.
»Die Vorlesungen wurden abgebrochen, und die meisten Professoren sind gegangen. Scheinbar sind nur noch ein paar dort, die administrativen Aufgaben nachgehen oder ihre Sprechstunde abhalten.«
Alarmiert macht er sich eilig auf den Weg. Ich kann keinem seiner Argumente widersprechen. Wobei man akuten, heftigen Schmerz nicht mit Aspirin bekämpfen kann. Dafür braucht es eine andere Therapie.
»Ich frage mich, wie viele Unis außerhalb Griechenlands von der Polizei bewacht werden«, sage ich zu Antigoni.
»Das kann ich Ihnen sagen, weil ich es recherchiert habe: ganze vier Stück, zwei in den USA und zwei in Japan, in Europa hingegen keine einzige. Überall sonst gibt es einen internen Wachschutz.«
Erneut unterbricht uns das Klingeln des Telefons. Diesmal ist der Vizepolizeipräsident dran. »An der Wirtschaftsuniversität und jetzt auch auf der Patission-Straße ist der Teufel los«, sagt er.
»Ich weiß, Alamanos hat mich informiert, er ist bereits unterwegs.«
»Bitte sondieren Sie die Lage persönlich, ob zusätzliche Maßnahmen nötig sind. Es besteht die Gefahr, dass die Unruhen um sich greifen. Sie haben den neuen Minister gehört. Wir sollten vorbereitet sein, um das Schlimmste zu verhindern.«
»Gut, ich mache mich sofort auf den Weg.« Ich gebe Antigoni Bescheid und ersuche Stella, einen Streifenwagen zu bestellen.
Der Alexandras-Boulevard Richtung Patission ist verstopft, die Wagen auf der Gegenfahrbahn kriechen im Schritttempo dahin. Der Fahrer stellt die Sirene an, aber es bringt nichts. Die anderen Autos haben keine Möglichkeit, uns Platz zu machen. Die Autofahrer stoßen Flüche und Verwünschungen gegen alle Urheber des Übels aus, von der Polizei bis hin zu den Studierenden.
Schließlich schafft mein Fahrer, über die Gennadiou- auf die Lomvardou-Straße zu gelangen und den Ares-Park zu erreichen. Die Patission ist in Richtung Wirtschaftsuniversität durch Streifenwagen blockiert. Der Fahrer lässt mich an der Mavrommateon-Straße aussteigen, von wo ich zu Fuß weitergehe.
Ich mache mir lieber erst ein Bild von dieser Seite des Universitätsgeländes, bevor ich die Lage vorn an der Patission sondiere. Auf den ersten Blick ist alles ruhig. Ich sehe nur einige Grüppchen junger Leute, die sich unterhalten. Offenbar nehmen sie nicht aktiv an der »Befreiung« der Universität von der Polizei teil. Ein paar Beamte bewachen den Eingang. Ich gehe weiter bis zum Ende der Mavrommateon und biege in die Kodringtonos. Von dort komme ich auf die Patission und gehe zum gegenüberliegenden Bürgersteig. Die Läden, die die Pandemie überlebt haben, sind jetzt wegen der Ausschreitungen geschlossen.
Ich bleibe vor der alten OTE-Telefonzentrale stehen. Das Eingangstor zum Universitätsgelände ist von zwei Polizeieinheiten blockiert, eine innerhalb des Geländes, dort steht die Universitätspolizei, die andere auf der Patission-Straße, dort steht die Motorradstaffel. Die Trennungslinie wird durch die Parolen überbrückt, die innerhalb und außerhalb des Unigeländes ertönen. Drei davon stehen auch auf den Transparenten, die aus den obersten Fenstern der Fakultät hängen. Auf dem einen steht: »Bullen raus aus der Uni!« Auf dem zweiten: »Kein Zurück zur Junta!« Das dritte Transparent trägt eine fremdsprachige Parole, die ich nicht verstehe: »No pasarán!«
Gute Nachrichten sind nicht immer und unter allen Umständen positiv: Es ist Dezember, aber wir haben mildes Herbstwetter. Das ist ein Geschenk des Himmels, weil wir nicht heizen müssen, wobei einen die Gas- und Heizölpreise allein schon zum Zittern bringen. Andererseits ist das gute Wetter Kundgebungen und Zusammenstößen förderlich. Ich schaue mir die jungen Leute auf und vor dem Unigelände an. Alle tragen dünne Jacken. Hätten wir Frost oder Regen, wäre die Motivation zu protestieren geringer.
Eine Stimme neben mir unterbricht meine Gedanken. »Die Universitätspolizei erinnert mich an Putins Rekruten.«
Ich wende den Kopf und erblicke einen etwa Fünfzigjährigen in Anzug und Krawatte. Sein Spruch klingt wie der abwertende Kommentar eines Oppositionspolitikers.
»Sind Sie Politiker?«
»Nein, ich bin Professor an der Wirtschaftsuni. Die Polizei hat angeordnet, dass wir den Schauplatz verlassen sollen, aber ich bin geblieben. Ich wollte sehen, wie sich die Lage entwickelt. Mein Fazit bleibt gleich: Putins Rekruten haben genauso wenig Ahnung vom Kriegführen wie die Universitätspolizei vom Unibetrieb.«
»Das wäre nicht passiert, wenn die Uni selbst klare disziplinarische Regeln durchsetzen würde.«
»Wir vertreten die Lehre, wir haben einen Bildungsauftrag. Wir sind nicht die Hüter von Gesetz und Ordnung«, erwidert er. »Außer, Sie wollen, dass wir Gesetz und Ordnung übernehmen und Polizisten an der Uni unterrichten«, fügt er spöttisch hinzu.
»Wollen Sie damit sagen, an anderen europäischen Unis, wo die Rektorate selbst ein Kontrollsystem organisieren, bekommen die Studenten ihre Diplome und Doktortitel von Polizeibeamten?«, fragt eine junge Frau Mitte zwanzig, die neben ihm steht.
»Das habe ich nicht gesagt«, antwortet der Professor knapp und entfernt sich sichtlich verärgert.
»Ein Glück, dass er nicht nach Ihrem Namen gefragt hat. Sonst könnten Sie Schwierigkeiten bekommen«, sage ich zu der jungen Frau.
»Pff, ich studiere nicht hier. Ich mache meinen Master in Bologna. Ich bin nur zufällig in Athen und wollte schauen, was hier so läuft.«
Plötzlich entdecke ich Alamanos, der am Treppenabsatz vor dem Eingangsportal zur Uni steht. Ich winke ihm so lange zu, bis er mich wahrnimmt und herüberkommt.
»Es gibt, wie ich mir schon gedacht habe, zwei Fronten«, sage ich.
»Ja, zu Beginn der Kundgebung auf der Patission-Straße haben wir den Haupteingang gesperrt, um die Schauplätze zu trennen. Im Hof der Uni hat sich die Lage beruhigt. Ab und zu flammt Protest auf, flaut aber schnell wieder ab. Der größte Krawall ist, wie du siehst, auf der Patission- Straße, aber das ist normal. Es eskaliert immer auf den großen Straßen, wo man in alle möglichen Richtungen flüchten kann.«
»Hast du mit Menginis gesprochen?«
»Ja. Als Erstes hat er das Rektorat und die Verwaltungsgebäude abschirmen lassen, damit man dort nicht alles kurz und klein schlägt. Die Studenten haben ein paar Attacken versucht, aber ohne Erfolg, und wurden im Vorhof eingeschlossen. Deshalb sind die Protestaktionen auf dem Gelände selbst abgeklungen.«
»Wie schätzt du die Lage ein? Besteht die Gefahr, dass sich die Zusammenstöße auf andere Bereiche ausdehnen?«
»Es ist noch zu früh, um die Entwicklung auf der Patission-Straße vorauszusagen. Eine baldige Aufhebung der Sperre sehe ich jedenfalls nicht. Aber mir macht etwas anderes Sorgen.«
»Und zwar?«
»Es kann sein, dass die auf dem Gelände Eingeschlossenen versuchen, zur Mavrommateon-Straße in Richtung Polytechnikum auszubrechen und dort alles zu zertrümmern, was ihnen in die Hände fällt. Ich habe deswegen eine Einheit der Motorradstaffel angewiesen, den Hinterausgang zu blockieren. Außerdem habe ich Verstärkung durch die MAT-Sondereinheit angefordert. Die derzeitigen Einsatzkräfte reichen nicht aus.«
Ich bitte Alamanos, mich anzurufen, sobald sich die Lage zuspitzt, und überlasse ihn dann seinem Schicksal. Über die Patission-Straße gelange ich zum Alexandras-Boulevard, wo mich ein Streifenwagen erwartet. Mir genügt, was ich gesehen habe.
»Ich würde die Mavrommateon-Straße zur Evelpidon nehmen«, schlägt der Fahrer vor. »Dort ist vielleicht weniger Verkehr.«
Seine Annahme erweist sich als richtig, und rasch gelangen wir nach Ambelokipi. Im Büro angekommen rufe ich den Vizepolizeipräsidenten für einen ersten Bericht an.
»Alles hatten war schon, nur die Unis haben uns noch gefehlt!«, lautet sein Kommentar.
Ich gehe nicht darauf ein, denn das scheint mir ein Thema, das sich telefonisch schwer besprechen lässt und wir besser beim nächsten persönlichen Termin diskutieren sollten. Ich blicke auf meine Uhr: Es ist schon sechs. Ich beschließe, Feierabend zu machen und nach Hause zu fahren. Es ist Zeit für Entspannung und innere Ruhe. Nicht einmal für einen Besuch bei meinem Enkel reicht heute meine Energie.
Zorn der Verlierer
An der Universität von Athen geraten die Geisteswissenschaften immer mehr unter Druck, Technik- und Wirtschaftsfächer hingegen werden gefördert. Viele Studierende wehren sich rabiat gegen diese Politik. Als ein Mathematikprofessor tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht sogleich auf die jungen Aufrührer. Kostas Charitos und Antigoni Ferleki gehen der Spur nach, doch verirren sie sich bald im Labyrinth der griechischen Bildungsstätten.










