Raffaella Romagnolos neuer Roman Wir gehen mal los erzählt eine herzerwärmende Vater-Sohn-Geschichte von Amedeo und seinem Vater, die sich nach einem schweren Schicksalsschlag auseinandergelebt haben. Ein zweitägiger Wanderausflug auf die Punta Liberté soll sie wieder zusammenführen – und wird für den fünfzehnjährigen Amedeo zum wohl größten Abenteuer seines Lebens. In der rauen Bergwelt ist Amedeo gezwungen, sich nicht nur der wilden Natur, sondern auch seinen tiefsten Ängsten zu stellen.
Raffaella Romagnolo verrät im Drei-Fragen-Interview, weshalb sie eine Geschichte von Vater und Sohn geschrieben hat, welche Rolle das Wandern in ihrem Roman einnimmt und was wir von Amedeo und seinem Vater lernen können.
Foto: © Lucia Bianchi
Wie kam es dazu, dass Sie eine Geschichte über eine Beziehung zwischen Vater und Sohn schreiben wollten?
Als Lehrerin an einer weiterführenden Schule arbeite ich eng mit Teenagern zusammen, daher wollte ich eine Geschichte erzählen, in der einer von ihnen einen Ausweg aus einer schwierigen persönlichen Situation findet. Im Jugendalter können Beziehungen, insbesondere mit den Eltern, schwierig sein. Dinge verlaufen nicht immer reibungslos zwischen Vater und Sohn. In diesem Roman wollte ich in diese Beziehung eintauchen und versuchen, sie aus der Perspektive eines Teenagers zu erzählen. Eine Perspektive, die wir als Erwachsene oft schwer nachvollziehen können.
Weshalb haben Sie eine Wanderung als zentrales Thema für Ihren Roman gewählt? Haben Sie auch einen persönlichen Bezug zum Wandern?
Dies ist ein Buch über Angst, denn ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Ängste uns mehr ausmachen als Worte. Es war mir wichtig, dass Amedeos Angst mit der wilden Bergwelt zu tun hat, eine Umgebung, in der sich sein Vater wohl fühlt. Ich wollte, dass Amedeo sich seinen tiefsten Ängsten stellt und sich so selbst besser kennenlernt. Und ich wollte, dass er allein Zeit mit seinem Vater verbringt, so dass beide gezwungen sind, einander in die Augen zu sehen. Eine Wanderung außerhalb der Saison bot das ideale Setting. Abgesehen davon liebe ich die Berge und das Wandern in den Alpen!
In Ihrer Geschichte geht es um Mut, Hoffnung und Verantwortung, aber auch um den Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Was können wir von Amedeo und seinem Vater in dieser Hinsicht lernen?
Trauer ist eine vielschichtige Erfahrung. Der Roman erzählt hauptsächlich von Amedeo und dem, was er durchmacht, aber der Verlust eines Familienmitglieds betrifft unausweichlich alle Mitglieder der Familie und zwingt sie, ihre Beziehungen miteinander neu zu denken und umzugestalten. Die eigenen Gedanken und den eigenen Kummer mit anderen zu teilen, sich gegenseitig zu helfen, weiterzugehen – das ist weder einfach noch selbstverständlich. Ich habe einfach versucht, mir einen Weg für Amedeo und seinen Vater auszudenken. Kann uns das helfen? Das hoffe ich.
Wir gehen mal los
Nach dem Tod seiner Mutter geht Amedeo nicht mehr zur Schule. Er flüchtet sich in Videospiele, hört viel Musik und geht dem Vater aus dem Weg. Der besorgte Vater hofft, Amedeo auf einer Zweitageswanderung auf die Punta Liberté wieder näherzukommen. Doch es kommt alles ganz anders als geplant. Und bald ist es an Amedeo, in der Abgeschiedenheit der majestätischen, aber auch rauen Bergwelt Verantwortung zu übernehmen.
Raffaella Romagnolo, geboren 1971 in Casale Monferrato, unterrichtet Geschichte und Italienisch an einem Gymnasium. Seit 2007 schreibt sie auch Romane – mit Erfolg. Sie wurde mehrmals für den Premio Strega nominiert und ihr Roman Bella Ciao wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Raffaella Romagnolo lebt in Rocca Grimalda im Piemont.










