Wer von einem waschechten Zürcher durch seine Heimatstadt geführt werden möchte, wird bei Micha Lewinsky fündig. Der Protagonist seines neusten Romans Freunde von früher steht zwischen einer Jugend in den 90er-Jahren und dem Älterwerden in der Gegenwart. Lernen Sie mit ihm Zürich zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Seiten kennen, jetzt mit einer begleitenden Google Map zum Buch.
Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, sind die Romanpassagen in jedem Pin festgehalten, sodass Sie problemlos parallel zum Lesen erkunden können. Dieser Blogeintrag liefert eine kleine Kostprobe der deutlich umfangreicheren Google Map.
Ecken, auf die man andernfalls nicht stoßen oder an denen man vorbeigehen würde, werden plötzlich zum Schauplatz eines amüsanten Dramas. Denn Micha Lewinsky schreibt nicht nur erfolgreiche Belletristik, sondern auch packende Drehbücher.
Wir wünschen Ihnen einen guten Städtetrip und nachdenkliche Spaziergänge durch die größte Stadt der Schweiz mit der passenden Google Map.
Kunsthaus Zürich
»Als ich endlich beim Kunsthaus oben ankomme, ist Kaja natürlich längst weg. Eine satte Stunde bin ich zu spät. Mein Fahrrad liegt irgendwo beim Stauffacher, und meine Hose ist immer noch nass. Vor den goldenen Pforten des Chipperfield-Baus ist kein Tisch mehr frei. Die Kellner kommen kaum durch mit ihren Tabletts voller Streuselkuchen und hausgemachtem Eistee.«
Foto von Pascal Meier auf Unsplash
Trotz seiner Bekanntheit ist das Kunsthaus Zürich immer wieder einen Besuch wert. Von alten Meistern bis zu zeitgenössischer Kunst ist für jeden Geschmack etwas mit dabei – Kunstagnostiker:innen genießen das kulinarische Angebot des beliebten Cafés im Foyer des Moser-Baus.
Platzspitz
»Wir gingen in Richtung Platzspitzpark, der seit einigen Monaten gesäubert war. Es lagen keine Heroinsüchtigen mehr im Pavillon, die Polizei patrouillierte regelmäßig, der Rasen wurde gemäht, die Büsche gestutzt. Alles war bereit für die Touristen. Wir hatten trotzdem keine Lust, uns da niederzulassen, wo eben noch die Drogensüchtigen herumlagen. Die Erinnerung war zu frisch. Eine falsche Bewegung im dichten Gras, und man fasste versehentlich in eine Nadel.«
Foto von John Disandolo auf Unsplash
Zürichs Platzspitzpark hat eine bekannte Drogenvergangenheit, mit der man sich im dauerhaften, kostenlosen Drogenparcours des Landesmuseums auseinandersetzen kann, die man heutzutage beim Schlendern durch den schönen Park aber auch problemlos ausblenden kann. An Wochentagen begegnet man um die Mittagszeit vielen Menschen, die ihre Mittagspause im Grünen auskosten.
Dynamo Jugendkulturhaus
»Wir gingen über die kleine Brücke zum Jugendhaus Dynamo. Die Stadt hatte es gebaut, um die wild gewordenen Jungen der 80er zu besänftigen. Für uns war es einfach ein Ort, wo wir unseren Chai tranken. Ingwer-Kardamom-Zimt-Tee mit Honig und Milch, der Flat White meiner Jugend.«
Foto von Elimende Inagella auf Unsplash
Im Zürcher Dynamo gibt es neben der hauseigenen ›Chuchi am Wasser‹ mit leckeren Chais auch regelmäßig kreative Kurse und Veranstaltungen sowie preiswerte öffentliche Werkstätten für junge Talente. Im Sommer wird gleich neben dem Kulturhaus in der Limmat gebadet.
Schanzengraben
»Lexi kam aus gutem Haus, aber er erzählte nicht gern davon. Ein Onkel von ihm besaß ein Boot auf dem Zürichsee. Einmal hatten wir die Idee, es auszuleihen, aber wir fanden das Boot nicht bei den Anlegestellen am Schanzengraben.«
Foto von Stefan Szankowski auf Unsplash
Wenn Sie den Zürichsee nicht gesehen haben, waren Sie dann überhaupt in Zürich? Ein idyllischer Spaziergang der Schanzengrabenpromenade entlang zum See führt an historischen Sehenswürdigkeiten wie dem Alten Botanischen Garten vorbei.
Goldbrunnenplatz
»Beim Goldbrunnenplatz stehen Kunstmenschen vor einem umgenutzten Ladenlokal. Ich fahre langsamer, um zu schauen, ob ich jemanden kenne. Die Kleider kommen mir bekannt vor, aber die Gesichter sind neu. Diese Leute hier zitieren meine Jugend und erfinden ihre eigene.«
Foto von Patrick Federi auf Unsplash
Der Goldbrunnenplatz gilt als zentraler Verkehrsknotenpunkt und ist somit für sich allein nicht besonders sehenswert. Doch wer hier entlangkommt, kann von sich behaupten, die Stadt wie die Einheimischen erlebt zu haben – sei es auch nur, um kurz die Tramlinie zu wechseln.
Langstraße
»Mit dem Fahrrad ist es nicht weit zu [Simone], nichts ist weit in Zürich. Alle sind Nachbarn. Ich fahre auf dem Weg kurz an der Langstraße vorbei, kaufe Kekse, Zigaretten und eine Flasche Wein. Je schlechter es mir geht, desto jünger fühle ich mich.«
Foto von Henrique Ferreira auf Unsplash
Nirgendwo spürt man den Zürcher Multikulturalismus stärker als an der lebendigen Langstraße, welche wegen des Nachtlebens auch als Partymeile bekannt ist. Hier findet man in spezialisierten Shops alle Lebensmittel, die man in regulären Supermärkten nicht bekommt, kann auf einen Drink in eine Bar gehen und im Anschluss daran einen Film im Kino sehen.
Freunde von früher
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.
Ein hoch amüsanter Roman über die Frage, wie sehr man sich selbst treu bleiben kann und will.
272 Seiten
erschienen am 19. August 2026
978-3-257-07410-9
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70
* unverb. Preisempfehlung










